Gelungene Kooperation

Absolventenkonzert der Hochschule für Musik mit der Elbland Philharmonie Sachsen

Aus dem »Labor« sind noch nie fertige Musiker gekommen, die Hochschulen bereiten vor, doch für die Orchester- oder Opernpraxis braucht es mehr. Aus diesem Grund finden schon seit einigen Jahren »Absolventenkonzerte« statt, in denen Studenten sowohl der Dirigier- als auch der Instrumentalistenklassen mit professionellen Musikern zusammenarbeiten können. Die Kooperation mit den Orchestern aus Radebeul und Riesa besteht zum Glück nach der Fusion weiter, andere (Aue, Eisennach etc.) kommen ebenfalls. Besonders schön ist, wenn diese in den normalen Spielplan übernommen werden und nicht nur einmalig an der Musikhochschule stattfinden. Am vergangenen Donnerstag war wieder die Elbland Philharmonie zu Gast.

Auf dem Programm – von Rektor Ekkehard Klemm als nachösterliche Überraschungseier bezeichnet – standen Werke Wolfgang Amadeus Mozarts, alle in der zweiten Hälfte der 1780er Jahre entstanden: die Ouvertüre des »Don Giovanni«, das Klavierkonzert C-Dur KV 503 sowie die viertletzte, die »Prager« Sinfonie. Prag – für Dresden und Mozart ein wichtiger Bezugspunkt.

Drei Dirigenten nahmen sich der Werke an. Alexandre Balzamo studiert seit 2012 in Dresden, sein »Don Giovanni« kitzelte vor allem die abgründigen Themen hervor und geriet überaus flott. Kleinere Hakeleien bei den Einsätzen waren zu verschmerzen – nur durch Praxis kann man hier lernen, genau dafür sind die Konzerte ja gedacht.

Mit dem drittletzten Klavierkonzert Mozarts stellten sich am Klavier Marianna Storozhenko und Wolfgang Drescher am Pult vor. Die junge Pianistin ist neu in der Klasse Arkadi Zenzipérs, Wolfgang Drescher geht in sein viertes Dresdner Jahr. Sein Blick auf Mozart ist schon sehr differenziert und erlaubte es ihm, einzelne Motive im Orchesters hervorzuheben, gerade die Hörner färbten den ersten Satz mit ein, den dritten belebten die Holzbläser aufs schönste. Marianna Storozhenko bewältige den Klavierpart mit Klarheit und Brillanz, ohne übertriebene Gesten oder Einsatz, neigte aber zuweilen zu recht harschen Anschlägen. Auch der zweite Satz, den sie beruhigend schlicht vortrug, hätte noch etwas mehr Ausformung vertragen. Wohlgemerkt: das leichte Schweben bei Mozart ist kein Kinderspiel.

Das »goldenste Osterei« um das Rektorenwort noch einmal aufzugreifen, gab es mit der abschließenden Prager Sinfonie. Andrea Barizza spielte seinen Trumpf der größeren Erfahrung glänzend aus und ließ Mozarts Meisterwerk rund und »golden« in den Saal strömen. Die ungewöhnliche Form – die Sinfonie hat nur drei Sätze und beginnt mit einem Adagio-Allegro – ist voller Spannung und wird nicht nur durch Trommelwirbel und Pauken angetrieben, sondern von der Vielzahl der gegenübergestellten Motive, Anspielungen und Imitationen aufgeladen. Nicht wenige Musiker oder Musikwissenschaftler finden in dem Werk eine der in der gleichen Zeit entstandenen Opern wieder. Diese Stimmungs- und Motivvielfalt hat das Orchester unter Andrea Barizza fein herausgearbeitet, gleichzeitig hielt der Dirigent das Werk in einem Stück – Spannung bis zum Schluß.

Am Freitag, den 17. April, ist Marianna Storozhenko in einem Klavierabend zu erleben (19:30 Uhr Coselpalais). Sie spielt Werke von Domenico Scarlatti, Ludwig van Beethoven, Franz Liszt und Frédéric Chopin.

10. April 2015, Wolfram Quellmalz

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