Musikalische Andacht mit Gästen

Kantoreichor der Stiftskirche Landau (Pfalz) in der Annenkirche

Die Rüstzeit in Dresden nutzt der Kantoreichor der Stiftskirche Landau (Pfalz) mehrfach – neben dem musikalischen Ausflug, der in zwei Konzerte mündete, standen und stehen noch bis morgen Punkte im Programm, die gastgebende Gemeinde und Stadt besser kennenzulernen. Insofern hat der Chor wohl auch am Dienstag in der Annenkirche gleich das erlebt und umgesetzt, worauf sich Klaus Schwab, der mitgereiste Pfarrer (i. R.), in seinem Lehrtext bezog: das Hinterfragen der Gründe, eine Kirche zu besuchen, fördere das Kennenlernen des Hauses und seiner Geschichte ebenso als Anlaß zutage wie den Besuch eines Konzerts. Sicher ein guter Ausgangspunkt, schließlich gehört die Annenkirche zu den musikalischsten Orten der Stadt und zeigt darüber hinaus, daß es in Dresden neben dem Barock noch mehr zu entdecken gibt, etwa den Jugendstil.

Fresken im Kapitelsaal der Stiftskirche Landau, dem Zuhause des Gemeindechores, Bildquelle: Wikimedia commons

Daß ein Lehrtext, geistliches Wort, Fürbitten und Segen mit zum Programm gehören, überraschte vielleicht einige, die der Einladung zum »Sommerlichen Chorkonzert« gefolgt waren, paßte jedoch stimmig zum Auftritt des Kantoreichores. So gelang den Gästen ein in sich schönes Programm incl. dreier Orgelstücke von Niels Wilhelm Gade, welche die Stifts- und Bezirkskantorin Anna Linß an der großen Jehmlich-Orgel spielte und damit das musikalische Angebot ergänzte. Immerhin ist das Instrument für Anna Linß mehr als ein notwendiges Arbeitsmittel – sie unterrichtet an der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte Schlüchtern unter anderem Orgelspiel und Orgelbau (!).

Die Drei Tonstücke für Orgel Opus 72 von Niels Wilhelm Gade stellten dem a-cappella-Gesang in der Mitte des Programms drei ausdrucksstarke Stimmungsbilder gegenüber, die schimmernd (zweites) oder expressiv (erstes und besonders das dritte) Töne in Farben umsetzten. Gade war einer von drei skandinavischen Komponisten des Abends, außerdem symbolisierte er die Brücke zu Felix Mendelssohn – in Leipzig hatten sich beide gekannt und geschätzt, Gade übernahm später die Leitung des Gewandhausorchesters von seinem Kollegen. Nach Mendelssohns Tod hatte dessen Witwe gefragt, ob er nicht helfen wolle, unvollendet gebliebene Werke ihres Mannes fertigzustellen, was Gade verständlicherweise aber ablehnte.

Der Reichtum, den Mendelssohn trotz seines verhältnismäßig kurzen Lebens schenkte, hat sich unter anderem in vielen Chorwerken und Oratorien niedergeschlagen. Der Kantoreichor der Stiftskirche Landau hatte sich daraus für Teile aus dem »Elias« und aus »Lieder im Freien zu singen« entschieden. Dabei handelt es sich – vor allem beim unbegleiteten »Elias« – durchaus um anspruchsvolle Werke. Hier und da, vor allem zu Beginn, spürte man noch eine kleine Unsicherheit, die aber schnell verflog. Kantorin Anna Ließ gelang es, den Chor schnell zu einer Einheit zu verschmelzen und ihm Sicherheit zu geben. Gut zu verfolgen war dies zum Beispiel bei Ola Gjeilos »Ave generosa«. Gleich zu Beginn hatten besonders Heinrich Schütz‘ »Singet dem Herrn ein neues Lied« (aus den Psalmen Davids) sowie »Cantate Domino« (SWV 81) überzeugt – auch ein lateinischer Text und fugierte Einsätze können im Gemeindechor große Lebhaftigkeit besitzen! Daß hier ganz offensichtlich mit Freude gesungen wurde, war sicher ein Grund, weshalb den Liedern soviel Kraft innewohnte. Dazu (hinsichtlich der geschlossenen Form bzw. des Konzepts) paßt, daß selbst die Lesung aus Psalm 23 (Der gute Hirte) emotional, fast feurig ausfiel. Ob gelesen oder gesungen – die Botschaft wurde herzlich vermittelt. Mit »Friede erfüllet Stadt und Land« von Niels la Cour gab es am Schluß das Werk eines dritten nordischen Tonsetzers und im Gestus eines Abendliedes einen schönen Ausklang.

26. Juli 2023, Wolfram Quellmalz

Hinterlasse einen Kommentar