Konzertreife

Preisträger des Ensemblewettbewerbes 2025 zeigen sich selbstbewußt

Musikhochschulen können ihren Studenten theoretische Fachkenntnisse, Spielweise und Kniffe auf dem Instrument vermitteln sowie neues und altes Repertoire. Die Praxis jedoch läßt sich nicht theoretisieren und will selbst erfahren werden. Der vor einigen Jahren ins Leben gerufene Ensemblewettbewerb der Musikhochschule Dresden soll dies stärken. Er lädt daher nicht etablierte oder junge Formationen ein, sondern richtet sich an die eigenen Studenten. Es geht um das Zusammenspiel, das sensible aufeinander Hören, das nirgends so intensiv stattfindet wie in der Kammermusik. Mit dem Ziel, binnen kurzer Zeit ein Programm zu entwickeln und aufzuführen, richtet sich der Wettbewerb ebenso an Ensemble, die sich bereits gebildet haben und auf dem Sprungbrett ins Berufsleben stehen wie an Teilnehmer, die sich spontan, eigens für diesen Anlaß, zusammenfinden, um ihre Erfahrungen zu erweitern, was eine spätere Fortführung des Ad-hoc-Ensembles ja nicht ausschließt.

Mit »Ensemble« sind solche aus beiden Ausbildungszweigen der Hochschule gemeint, also Klassik ebenso wie Jazz, Rock und Pop. Seit Donnerstag vergangener Woche spielten sie mit sechs Formationen in Jazz, Rock und Pop sowie neun Kammermusikensembles in zwei Runden um den Einzug ins Finale, sieben von ihnen trafen sich dazwischen in Runde zwei. Im Bereich Jazz, Rock und Pop wurden nicht nur moderne Stücke gespielt, sondern oft solche, die von Ensemblemitgliedern geschrieben oder arrangiert worden waren. Auch bei den Klassikern gab es aber einen hohen Anteil zeitgenössischer Stücke.

Am Sonntagmorgen stellten sich die Preisträger in einem Matinéekonzert vor und überzeugten mit einem in jeder Hinsicht hohen Niveau – man darf ihnen zutrauen, in der gewählten Formation am Konzertleben außerhalb der Hochschule teilzunehmen.

Prof. Claudia Schmidt-Krahmer, Juryvorsitzende und Prorektorin (Künstlerische Praxis) sowie Wolfgang Schaller als Vorsitzender des Fördervereines der Musikhochschule moderierten das Programm und durften zusätzlich einen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an Samir TimajChi vergeben, der derzeit an der HfM Komposition studiert und mit seinen Werken unter anderem bereits in Konzerten der Sinfonietta Dresden aufgetreten war [NMB berichteten: https://neuemusikalischeblaetter.com/2024/10/30/an-wegkreuzungen-trifft-man-sich-wieder/%5D.

The Queentet, Photo: HfM, © Eun-Hye Choi

Namen für ein Ensemble zu finden, ist mitunter schwierig. Er soll für die Mitglieder bindend, verbindlich sein, aber auch für das außenstehende Publikum irgendwie greifbar. Das »The Queentet« beweist nicht nur Witz, er ist auf jeden Fall einprägsam. Seiyeon Oh und Minji Kim (Violine), Suyeon Yang (Viola), Seongwo Ahn (Violoncello) und Taeeun Kim (Klavier). Sie präsentierten mit Ernő von Dohnányi einen Komponisten, dessen Kammermusik sich immer wieder als reizvoll erweist, selbst wenn sie formal gesehen weniger fortschrittlich ist als jene Béla Bartóks (der mit Dohnányi studierte). »The Queentet« gelang es, in den manchmal an Brahms oder Mendelssohn erinnernden Sätzen aus dem Klavierquintett c-Moll ihr energetisches Engagement in einer authentischen, emotionalen Interpretation umzusetzen und dem Werk mehr als nur technisch »gerecht« zu werden. Das hatte die Jury überzeugt, die dem Ensemble den Stifterpreises Klassik, gestiftet vom Ehepaar Hella und Peter Schmidt, in Höhe von 2.000 Euro zusprachen.

David Gebhardt Quintett, Photo: HfM, © Eun-Hye Choi

Jazzer haben gegenüber den Klassikern eine Herausforderung, weil bei ihnen das korrekte Spielen für eine Aufführung nicht genügt. Sie müssen auch »locker« sein, und zwar möglichst so, daß es natürlich wirkt. Insofern ist jede Möglichkeit, sich in der Praxis zu erproben, wertvoll, wie die letzten Jahre des Ensemblewettbewerbes bereits zeigten. Das David Gebhardt Quintett mit David Gebhardt (Trompete), Hendrick Marin (Tenorsaxophon), Elias Störr (Klavier), Samuel Dietze (Schlagzeug) und Kevin Knödler (Baß) hatte sich hier offenbar bereits einen Vorsprung erarbeitet, denn sowohl mit Nikki Iles‘ »Face to face«, das die Soli von Trompete und Saxophon gegenüberstellte, wie mit der Eigenkomposition »Carambola« von David Gebhardt sorgten sie am Sonntagmorgen binnen kurzem für eine dichte, soulige Jazzclubatmosphäre auf der Bühne des Konzertsaales. An sie ging der Kammermusikpreis des Fördervereins der Hochschule für Musik Dresden in Höhe von 2.000 Euro.

Autumn Quartet, Photo: HfM, © Eun-Hye Choi und privat (Mitte)

Warum sich das Autumn Quartet ausgerechnet so genannt hat (Herbst), wird noch zu klären sein. Vielleicht, weil sie sich im Herbst gründeten, wie ein Ensemblephoto vor zitronengelben Gingkobäumen nahelegt? Carla Saerens, Graziella Araujo de Souza, Jiyeon Wang und Perrine Joedicke boten, alle auf Querflöten (!) unterschiedlicher Größe, statt Eintönigkeit eine Vielfalt der Stile und Klangeindrücke mit Yoshihisa Taira »Fumon« (was im Zen-Buddhismus etwa »universelles Tor« bedeutet) und reicherten das Final mit den sinfonischen Farben der Ski-Symphonie von Faustin Jeanjean an. Dazwischen erklangen »Les Chats« von Marc Berthomieu, der wohl weniger Szenen aus dem Katzenleben, sondern den Charakter einzelner Tiere zeigt, wie sie schon Colette in ihrem gleichnamigen Buch beschrieben hat. Für diese inspirierende Auswahl und den erfrischenden Vortrag erhielt das Autumn Quartet den »eco« (Echo) Stifterpreises für das beste Ensemble der HfM Dresden, gestiftet vom Ehepaar Hella und Peter Schmidt (1.000 Euro pro Ensemblemitglied).

20. Januar 2024, Wolfram Quellmalz

Sidonie-Gabrielle Colette »Die Katze aus dem kleinen Café« (Originaltitel: »Les chats«), Erzählungen, aus dem Französischen von Gertrud Barnert, Helene M. Reiff und Erna Redtenbacher, broschiert, 128 Seiten, 12,95 Euro, Unionsverlag

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