Musiktheater für Kinder mit Erwachsenem-Anhang

Musikhochschule spielte dreimal »Der große Sängerkrieg der Heidehasen«

»Der große Sängerkrieg der Heidehasen« von James Krüss erfreut sich als Buch und Hörbuch bei jungen Leserinnen und Lesern größter Beliebtheit und bringt ein bißchen Wagnerische Welt in die Kinderstube: Der jährliche Wettstreit um den besten Sänger der Heidehasen steht unter einem besonderen Zeichen, denn diesmal soll der Sieger nicht nur den Wettbewerb, sondern auch die Hand (bzw. Pfote) der Prinzessin, die Tochter König Lamprecht des Siebenten, gewinnen. Der junge Lodengrün, der wohl aussichtsreichste Kandidat, soll an der Teilnahme aber gehindert werden: Musikdirektor Direktor Wackelohr verstellt ihm die Sonnenuhr, damit Lodengrün zu spät kommt und disqualifiziert wird.

Es geht los: Umziehen auf offener Bühne …, Photo: HfM, © Torsten Holmer

Lodengrün ist – wie Walther von Stolzing – in bezug auf sein Preislied etwas eigensinnig. Das Lied üben? Macht er morgen früh, direkt vor dem Wettbewerb, da warnt die Mutter umsonst. Freilich wird die Zeit mit einem Mal knapp (weil die Sonnenuhr verstellt wurde). Doch Lodengrün ist pfiffig und münzt den Vorfall in seinen Liedtext um – und gewinnt. Der Gewinn steht ihm zwar zu, doch daß er die Chance dazu behielt, hat er der Prinzessin zu verdanken, die sich dafür eingesetzt hat, daß er auch bei verspäteter Ankunft noch vorsingen durfte.

Wenn die Geschichte für erwachsene Schnuppernasen schon nach Wagner »riecht«, könnte man sie doch ein wenig in der Art ausgestalten? Elisabeth Holmer (Professur für Bühnensprechen / Szenenstudium Dialog an der HfM Dresden) hat mit Gesangsstudenten das Stück im Schulstundenformat auf die Probebühne gebracht und ging damit zu Kindern. Denn zunächst erreichte »Der große Sängerkrieg der Heidehasen« die Schulen, wo er einer fünften und zwei ersten Klassen vorgespielt wurde. Am Dienstag danach gab es für Besucher noch einmal Gelegenheit, das Stück auf der Probebühne der Musikhochschule zu erleben.

Die Ministerin für Gesang (Hannah Geef) und der Musikdirektor (Joschua Vlasanek) versuchen, gemeinsame Sache zu machen, Photo: HfM, © Torsten Holmer

Der Rahmen war denkbar einfach: auf offener Bühne betreten Sängerinnen und Sänger das Podium und werfen bzw. stülpen sich Umhänge, Perücken und Kronen um und auf – binnen einer Minute verwandeln sich alle in Hasen bzw. König, Prinzessin, Ministerin, Direktor, Nachbarin

Und weil die Handlung so verdächtig bei Tannhäuser, Meistersingern und Lohengrin leiht, gibt es ein paar Motive daraus zu hören (Trompete: Oliver Chubb). Die Begleitung übernimmt ganz klassisch das Klavier bzw. die Korrepetitorin (Anna Khoroshavina). Das ist auch besser so, denn bei Musikdirektor Wackelohr (Joschua Vlasanek) hapert es mit der Geläufigkeit auf den Tasten – dafür ist er um so fixer, wenn er mit der Ministerin für Gesang (Hannah Geef) – das Amt sucht man im Sächsischen Kabinett vergebens! – um Taler, Ämter und die Prinzessin feilscht. Schnell sind sie sich einig – haben die Rechnung aber ohne die Prinzessin gemacht!

Lodengrün (Oliver Chubb) ist ein talentierter Sänger, aber auch ein bißchen nachlässig. Die Mama (Zongqi Sun) warnt umsonst, rechts: die NachbarinKarline (Aglaia Ast) und der Herold (Jakub Malatinec), Photo: HfM, © Torsten Holmer

Die (Vendula Brulíková) hat sich nicht nur vehement gegen den Direktor als Gatten gewehrt, sie ist außerdem für Lodengrün (Oliver Chubb) sichtlich entflammt. Ende gut, alles gut? Fast! Natürlich muß so ein Sieg, nicht nur der Sängerkrieg, »ausgefochten« (also ausgesungen) werden. Das gelingt hier mit scheinbar leichter Hand – gesprochene und gesungene Texte wirken agil, fast improvisiert, verbinden aber gezielt Handlung und Wertung und führen sozusagen sicher zum sicheren Ziel. Dabei ist das Handlungsverständnis schließlich für alle, welche die Geschichte kennen, ebenso wichtig wie für jene, die sie schon gelesen oder gehört haben und vergleichen können. Zwischendrin gibt es kleine Aha-Momente, die (auch Kinder) zum Reflektieren oder (Wieder)erkennen einladen, wie das Wortgefecht zwischen dem König Lamprecht (Nikolai Füchte) und der zielstrebigen Ministerin, die plötzlich spüren muß, wie der eben noch nachgiebige König plötzlich unnachgiebig, ja gebieterisch wird – da schwimmen ihr die Felle davon …

Am Ende setzt die Prinzessin (Vendula Brulíková) ihren Willen beim König (Nikolai Füchte) durch und darf Lodengrün (Oliver Chubb) heiraten, Photo: HfM, © Torsten Holmer

Ein lehrreicher Spaß und leichter Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Für das erwachsene Publikum des Dienstagabends gab es noch einen variierten Schluß, denn hier gab es am Ende nicht nur eine Hasentorte, sondern das jungvermählte Paar Prinzessin und Lodengrün verschwand hinter einer Tür, um dort geräuschvoll – die Ehe zu vollziehen.

14. Mai 2025, Wolfram Quellmalz

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