Die Vielheit der Musik – ein wenig übersteuert

Aus dem 15. Ensemblewettbewerb der Dresdner Musikhochschule gingen drei Preisträger hervor

Prof. Franz Brochhagen, Vorsitzender der Wettbewerbsjury und Prorektor der Musikhochschule (HfM) brachte es nach seiner Begrüßung am Sonntagmorgen im Konzertsaal der HfM noch einmal auf den Punkt: im Grunde bilde man Individualisten mit spezifischen Fähigkeiten aus, die Instrumente spielen oder sich der Stimme bedienen. Wenn sie dann plötzlich in einem Ensemble wie dem Hochschulsinfonieorchester spielen sollen, stehen sie vor einer ganz anderen, neuen Herausforderung: miteinander zu spielen und aufeinander zu hören. Um dies zu unterstützen, wurde am Haus der Ensemblewettbewerb ins Leben gerufen, der in der vergangenen Woche zum fünfzehnten Mal stattfand.

Elf klassische Ensemble und sechs aus den Bereichen Jazz, Rock, Pop waren angetreten, nur in einer Kategorie, dem Stifterpreis Klassik, stand die »Richtung« von vornherein fest. Sowohl der Preis des Fördervereins als auch der eco-Stifterpreis waren dagegen offen. In beiden Kategorien setzten sich Jazz-Ensembles durch. Um den Überblick zu vervollkommnen: während der Preis des Fördervereins (Dotierung: 2.000 Euro) über die Beiträge der Vereinsmitglieder finanziert wird, werden Stifterpreis Klassik (2.000 Euro) und der eco-Stifterpreis (vom italienischen »eco« = Echo, 4.000 Euro) von Familie Schmidt finanziert. Peter Schmidt nahm an der Preisverleihung teil.

Von links: Josef Gütter Sextett, Ozan Coşkun, Bel Air String Quartett, Photos: HfM, © Marie Kirchner

Der Preis des Fördervereins ist in diesem Jahr an das Josef Gütter Sextett gegangen, in dem neben Josef Gütter (Posaune), Ben Mammel (Trompete), Hendrik Marin (Saxophon), Felix Gärtner (Schlagzeug), Kevin Knödler (Kontrabaß) und Dominik Gershkovich (Klavier) mitwirken. Sie spielten zwei Kompositionen des Ensembleleiters »Lovely moon« und »Bearride«, deren Titel Josef Gütter nicht hätte erklären müssen – sie regen mit Schlüsselworten die Phantasie an, die profane Erklärung, etwa daß sich »Lovely Moon« aus einem Trinkspruch herleite, weil der Mond nur zwölfmal im Jahr »voll« sei (was nicht in jedem Jahr stimmt), wirkte eher ernüchternd.

Überzeugender waren rhythmische Komponente und Melodieführung, die Einbindung vor allem der drei Bläser, wobei allerdings schon hier die Verstärkung – wieder einmal – störend war und eher nervte, auch den Kontrast beim Einsetzen der übrigen fünf Musiker nach einem Solo brachial werden ließ. Kann man nicht berücksichtigen, daß der Konzertsaal mit seinem still zuhörenden Publikum kein Jazzkeller ist?

Von links: Lila Despoix Ensemble, alle Preisträger, Photos: HfM, © Marie Kirchner

Der Ensemblewettbewerb bzw. die daraus hervorgehenden Preise sind neben den Deutschlandstipendien die größten finanziellen Förderprojekte an der HfM. Insofern gab es vor den nächsten Preisträgern einen Gastauftritt von Ozan Coşkun, der den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD-Preis 2025, 1.000 Euro) erhielt. Der Gitarrist verband zwei Werke, ein eigenes Stück (Prelude pro Rapha) und eine arrangierte Komposition von Yamandu Costa (Samba pro Rapha), die den brasilianischen Gitarristen Raphael Rabello gewidmet sind. Auch diese charmante Plauderei mit ihrem lebhaften Dialog der Melodie in den Obertönen und dem begleitenden Baß hätte ohne Mikrophon noch zauberhafter wirken können!

Insofern wurde der Stifterpreis Klassik im doppelten Sinne klassisch vertreten, also auch in der Aufführungskonzeption. Leonardo Vasile und Agne Gecaite (Violinen), Emilie Küster (Viola) und Johann Eilrich (Violoncello) hatten sich als Bel Air String Quartet für Maurice Ravels Streichquartett F-Dur zusammengefunden, in dem sie die beiden ersten präsentierten Sätze mit sinniger Stimmung und großer Dichte vortrugen. Das betraf die emotionale Aufwallung (und deren Zurückfallen) im ersten Satz ebenso wie den bündigen Anschluß des Assez viv ans Allegro. In der Vorbereitung wurden sie nicht nur fachlich von Mentorin Natalia Prishepenko angeleitet – die Violinprofessorin konnte aus eigener (Artemis Quartett) und miterlebter Erfahrung (Alban Berg Quartett) mit Anekdoten zu den eheähnlichen Zuständen eines Streichquartetts beitragen.

Den eco-Stifterpreis hatte das Lila Despoix Ensemble um Sängerin Lila Despoix errungen, die von Noah Scheufler (Baß), Sebastian Wappler (Klavier) und Felix Gärtner begleitet wurde. Letzterer konnte zwar nicht entspannt in die zweite Runde am Sonnabend gehen, immerhin hatte er da aber schon einen Preis sicher, denn der talentierte Schlagzeuger wirkte in allen drei Ensembles mit, die im Halbfinale gestanden hatten.

Mit »Des voyages blancs«, einem Lied über das Fließen der Zeit, erkundete das Lila Despoix Ensemble Musik zwischen Chanson und französischen Pop, während »For once« eindeutig jazziger und deutlich rasanter lief, allerdings mit in der Verstärkung hart klingendem Schluß.

18. Januar 2026, Wolfram Quellmalz

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