Abendmusik in der Himmelfahrtskirche Dresden-Leuben
Unter den jungen Kantoren in Dresden gibt es einige, die das Angebot in der Gemeinde um zusätzliche musikalische Andachten oder Konzerte erweitern. Paul Ehrmann (Kantorat Dresden-Ost und Gruna-Seidnitz) hat am Freitag mit seiner Abendmusik bereits den zweiten Jahrgang eröffnet. In den Wintermonaten finden die Abendmusiken in der Gemeindescheune Leuben statt (noch einmal im März), nach den besonderen Feierlichkeiten zur Passionszeit und den Ostertagen kehren sie im Mai wieder in die die Himmelfahrtskirche ein.
Diesmal ging es – passend zum Programm – mit einem Ausschank und einem Angebot zum Ausklang in der Gemeindescheune Leuben noch etwas zünftiger zu. Denn Hauptstück des Abends war Johann Sebastian Bachs Bauernkantate oder mit korrektem Titel: »Mer hahn en neue Oberkeet« (Wir haben eine neue Obrigkeit, BWV 212).
Paul Ehrmann führte in das Werk ein und stellte die Zusammenhänge her – für Carl Heinrich von Dieskau, Kurfürstlich-sächsischer Kammerherr auf dem Rittergut Kleinzschocher, hatte Bach die Kantate geschrieben, da von Dieskau 1742 das Amt (oder die Ämter) der Obrigkeit erlangt hatte. Sein Textdichter Picander (Christian Friedrich Henrici) war natürlich mit dabei. Unter den weltlichen Kantaten Bachs zählt »Mer hahn en neue Oberkeet« zwar zu den bekannteren, im Vergleich steht sie der Kaffeekantate (BWV 211) dennoch nach.
Auch die Bauernkantate läßt sich halbszenisch aufführen, zeigte sich, was den Spaß natürlich noch erhöht. Zur musikalischen Einstimmung boten Paul Ehrmann und seine Mitstreiter das Concerto Nr. 5 (BWV 1056) für Tasteninstrument, genaugenommen ein Pasticcio – die Herkunft der Sätze, teils aus (ganz) anderen Wreken Bachs, erklärte Paul Ehrmann ebenso. Er spielte nicht auf einem Konzertcembalo, wie man es heute gewohnt ist, sondern einem Instrument von Lindholm. Also eher etwas für den Privatgebrauch, obwohl man diese Cembali früher durchaus oft in Konzerten hörte – wir sind einfach verwöhnt!

Statt eines »minderen Eindrucks« ergab sich aber durchweg ein musikantischer, so hat es vielleicht bei Bach zu Hause geklungen, wenn er Freunde einlud oder seine Werke probte (?). Die Lust am Spiel vermittelte dem Publikum auf jeden Fall Freude – die Gemeindescheune war bis auf den letzten Platz gefüllt und wird wohl bald zu klein sein für die Reihe.
Mit Anna Bernardini (Violine) und Elo Roiter (Viola) konnte sich Paul Ehrmann zudem auf starke Partner verlassen, sein Ensemble wurde außerdem von Clementine Klotz (Violine 2), Sarah Stiller (Flöte) und Salome Schädlich (Horn) ergänzt. Vor allem erste Violine sowie Horn und Flöte übernahmen Soli in den vielen Arien.
Hauptakteure waren aber Nadia Toliou (Sopran) als Bauersfrau und Felix Kober (Baß) als Bauer, die ihre Rollen solo und im Duett sangen und spielten – der Unterschied (die Frau des Hauses in Bachs Kantate stammte aus einer städtischen Umgebung, weshalb manche Ansichten unterschiedlich waren und erst abgestimmt werden mußten) wurde deutlich, blieb aber harmonisch-fröhlich.
7. Februar 2026, Wolfram Quellmalz
Die nächste Abendmusik findet am 13. März, 19:00 Uhr, statt (Matthäuspassion von Heinrich Schütz, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten)