Stabat Mater

Giovanni Battista Salvi, genannt »Sassoferrato«: »Betende Maria« (Ölfarbe auf Leinwand, 67 x 56 cm, 1640 / 50) Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, Bildquelle: Wikimedia commons

Nachtrag: Osterkonzert des Sächsischen Vocalensembles

Gerade über das Osterwochenende waren wir ständig auf Achse, außerdem hatten die Artikel für Tageszeitungen Priorität, aber deshalb darf das Karfreitagskonzert »Stabat Mater« des Sächsischen Vocalensembles nicht vergessen werden. Gerade, weil es ein so gelungenes war, wollen wir noch einmal zurückblicken.

Matthias Jung konnte sich erneut auf die Begleitung der Batzdorfer Hofkapelle verlassen sowie auf fünf Solisten: Dorothea Wagner und Patricia Hoffmann (Sopran), Altus Alexander Schneider (kennen wir vor allem als Leiter von Polyharmonique), Florian Feth (Tenor) sowie Felix Schwandtke (Baß) waren wieder in die Stimmgruppen des Chores integriert, auch dies ein ebenso bewährtes wie belebendes Mittel. Einerseits hilft es, zu kräftigen und zu stabilisieren, andererseits sorgte Matthias Jung für eine ausgezeichnete Balance zwischen Solisten, Vocalensemble und Hofkapelle.

Kein Oratorium stand auf dem Programm, der Titel »Stabat Mater« bezog sich auf die Vertonung des Stabat-Mater-Textes und diesmal ganz besonders die Neapolitanische Tradition der Passionsmusik. Dazu gehörte – noch ein »Wie-so-oft«-Faktor – ein Werk des aus Augusta stammenden Emanuele d’Astorga. Sein Stabat Mater ist die einzige erhaltene Komposition des Italieners und befindet sich in einer Abschrift (was auch für die übrigen Werke des Abends galt) in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.

Zu Beginn erklang ein Miserere von Francesco Durante, der drei Tage vor Karfreitag Geburtstag hatte. Mit einem schwebenden Klang beginnt das Werk, wodurch das Miserere mei (Erbarme dich meiner) weniger zum Ruf wurde, als daß es bereits die Gewißheit des Gottvertrauens formulierte. Mit dem inquitate mea (Bitte um Reinigung von den Sünden) nahm die Musik einen himmlischen Verlauf.

Die Emotionalität lag nicht allein im Text oder den Affekten der Musik, sondern fand sich in den Soli wieder, die mit dem Chor des Sächsischen Vocalensembles eng verwachsen waren. Insofern wandelte sich auch der Charakter des Stückes ein wenig, indem es offener wurde, Rufe wie »Domine« deutlich hervortraten.

Das Konzert stand nicht zuletzt im Zeichen des 30jährigen Jubiläums des Sächsischen Vocalensembles. Pietro Locatellis Sinfonia funebre gehörte zu den kleinen Entdeckungen des Programms, die (als Begräbnismusik) erstaunlich lebhaft wurde und mit dem Non preso sogar ein Quasi-Scherzo enthielt. Natürlich überwog aber ein dunkler, verschleierter Duktus.

Das Stabat Mater von Emanuele d’Astorga sollte sich schließlich als Höhepunkt des Konzerts erweisen. Nach verhaltenem Beginn (den Erwartungen entsprechend) und einem Anfangschor mit sehr geschlossenem Charakter blühte das Terzett »O quam tristis et afficta« (Oh, wie traurig und niedergeschlagen, Sopran / Tenor / Baß) geradezu auf. Danach wechselten sich die Duette Sopran / Alt und Tenor / Baß effektvoll ab, bevor der Chor »Eia, mater, fons amoris« (Ach, Mutter, Quell der Liebe) die Helligkeit darstellte, die zur Passionsgeschichte gehört. Das Sächsische Vocalensemble sorgte auch mit dem Innehalten im Chor »Virgo virginum praeciara« (Anrufung der Jungfrau Maria) für einen der berührendsten Momente.

Ein toller, kurzeiliger Konzerteindruck. Allerdings am Karfreitag, an dem andere Kirchen Andachten und Musik zur Sternestunde Jesu gestalten. Nicht der Inhalt oder Ausführung, die Konzertform mit anschließendem Applaus störte manche der Besucher gerade an diesem Tag.

Ostern 2026, Wolfram Quellmalz

Am 22. Mai präsentiert das Sächsische Vocalensemble in der Martin-Luther-Kirche Musik aus seinem Album »Touches«, bevor im Juni die traditionellen Termine zur Robert-Schumann-Ehrung auf dem Programm stehen.

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