Charmanter musikalischer Salon

Kammerkonzert mit dem Hammerflügel auf Schloß Rochsburg

(Dieser Artikel ist ein etwas später Nachtrag, da der Text wegen der Erstveröffentlichungsrechte einer Tageszeitung zurückgehalten wurde.)

Historische Tasteninstrumente sind nicht nur viel seltener als Violinen oder Violoncelli, sie sind auch oft nicht mehr spielbar. Insofern kann das Museum Schloß Rochsburg doppelt stolz sein auf seinen Hammerflügel des Klavierbauers F. M. Ziegler. Er fertigte von ca. 1835 bis 1860 Konzertflügel mit wahlweise deutscher oder englischer Mechanik an – heute sind sie rar. Einer steht im Leipziger Grassi-Museum, eines im Nationalmuseum Nürnberg, sogar im National Music Center Calgary (Kanada!) ist einer zu finden. Und auf Schloß Rochsburg. Noch besser: der Flügel, der wohl hundert Jahre lang in einem Dornröschenschlaf schlummerte, wurde hervorgeholt und in monatelanger und liebevoller Arbeit wieder zum Leben erweckt. Verantwortlich dafür sind das Pianohaus Hofmann (Mechanik) sowie der Restaurator Thomas Heinicke, der sich dem Möbel, also dem Pyramidenmahagoniholz und dem aufwendigen Schellack zuwandte. Seit letztem Jahr erklingt der Flügel wieder, steht passenderweise im Biedermeierzimmer des Schlosses. Da es nur eine kleine Anzahl Besucher aufnehmen kann, sind im angrenzenden Rokokosaal weitere Stühle aufgestellt.

Das Ensemble Leggiero im Salon des Schlosses Rochsburg, Photo: NMB

Und was spielt man auf einem historischen Flügel? Am Donnerstag gab es eine reizvolle Alternative zum Alte-Musik-Konzert: Gast war das Ensemble Leggiero aus Leipzig, das – ganz dem Salon entsprechend – verschiedene Musik zu Gehör brachte, von der Opernarie bis zur Operette, vom Sonatinensatz über Étuden bis zu Volksliedern und (historischen) Schlagern. Das Herz der Zuhörer erreichten sie geschwind, dabei war sogar das Format historisch korrekt oder zumindest angelehnt, denn in den Salons, ob literarisch, musikalisch oder beides, traten die Gattungen oft und gerne mit ganz unterschiedlichen Beiträgen in direkter Nachbarschaft auf. Und so war Richard Wagner nicht nur mit seinem »Lied an den Abendstern« aus »Tannhäuser« zu erleben, er trat auch in Verbindung mit manch anderem – Johann Svendsen zum Beispiel kannte er persönlich. Svendsens Romanze gehörte wie Antonín Dvořáks Sonatine zu den klassischen »Schmankerln« des Abends. František Drdlas »Souvenir« reihte sich nahtlos in die Schmankerl und war eine Entdeckung für alle, die gern mehr als immer nur Fritz Kreislers »Liebesleid« und »Liebesfreud« hören wollen.

Doch Daniel Blumenschein (Bariton), Libor Kaltofen (Violine) und Aya Kugele, die am Ziegler-Flügel mit einem iPad statt Notenblättern saß (ist das schon »Anachronismus«?) gelang das Kunststück, solches mit Volksliedern und Jacques Revaux‘ »My Way« zu verbinden. Etwas waghalsig war ein eigenes Arrangement, in dem Bachs C-Dur-Präludium (BWV 846 am Klavier) und Paul McCartneys »Yesterday« (Violine) zusammentrafen. Gleich am Anfang wurde es mit Erwin Bootz‘(Comedian Harmonists) »Schöne Isabella von Kastilien« ein wenig frech. Wie heißt es doch im Text? »Kommst Du nicht bald, mein Schatz, brauch ich Gewalt, mein Schatz …« Na, wie gut, daß das nicht ernstgemeint war! Am Ende paßte glücklicherweise das so bunte Programm ganz ohne Gewalt bestens zusammen. Ein unterhaltsamer Salon – was will man mehr?

23. Juni 2023, Wolfram Quellmalz

Die nächste Salon-Musik mit dem Hammerflügel gibt es am 28. September um 18:00 Uhr auf Schloß Rochsburg.

https://www.ensemble-leggiero.de/

https://www.schloss-rochsburg.de/aktuelle-veranstaltungen-schloss-rochsburg/

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