Ensemble33zwo schlägt in der Hoflößnitz ungewöhnliche Töne an
Gerade sommerliche Serenaden sind geeignet, einmal andere Klangwelten zu erforschen, einer schwebenden Leichtigkeit zu folgen, ungewöhnliche Instrumente oder deren Kombinationen zu »probieren«. Harfe und Flöte zum Beispiel – doch die Flöten waren zuletzt bereits stark in der Hoflößnitz vertreten (Konzert von Flautando Köln Anfang des Monats). Am Sonntag kamen die Schwestern Elisabeth und Johanna Seitz mit einem Psalterium und einer Harfe und sorgten für schwebende, himmlische Musik. Dabei zeigte sich: das Psalterium (oder Salterio, Psalter …) ist zwar kein äolisches Instrument wie die Flöte, dennoch stand das Duo in Kantabilität und Vielstimmigkeit anderen Formationen in nichts nach.
Musikalisch ging es vor allem ins 16., 17. und 18. Jahrhundert nach Italien und Spanien. Und dort findet man jede Menge Musik für genau diese Besetzung als auch solche, die sich übertragen läßt. Anders als vielleicht gedacht mußten Johanna und Elisabeth Seitz die Stücke also nicht von anderen Instrumenten auf Barockharfe und Salterio übertragen. Was nicht heißt, daß sie ausschließlich Originalliteratur gespielt hätten – viele der damaligen Stücke sind in einfacher Tabulaturschrift überliefert, wie sie Organisten oder Lautenisten verwendet haben, und in verschiedenen Stimmen festgehalten, und wurden schon damals für das verfügbare Instrumentarium eingerichtet.

Photo: Hoflößnitz
Und so förderte die südeuropäische Zeitreise des Ensemble33zwo mehrere Stücke zutage, welche die Zuhörer zu kennen schienen, wie die berühmte Folia (die später die erste Zugabe wurde), Gregorio Strozzis Maschara Sonata & Paradetas oder Andreas Falconieris Soave melodia y su Corrente. Bezaubernd war die Vielstimmig- und -sprachigkeit der beiden Instrumente. Denn Johanna und Elisabeth Seitz wußten sie ebenso perkussiv pulsen wie sanft plaudern zu lassen. Manche Stücke wie Bartolome de Selma y Salaverdes Canzona erwiesen sich als geradezu balladeskes Erzählstück, immer wieder aber waren Rhythmus und (Im)puls bestimmend – viele der alten Stücke hatten ihren Ursprung bei Tänzen gefunden und waren dem Namen nach wie in der Musik versteckt oder offensichtlich noch als solche erkenntlich, etwa Vicente Adans Fandango de Cadiz oder eine anonyme Tarantella, und noch einer Toccata (Giovanni Girolamo Kapsberger oder Ascanio Mayone) und Passacaglia (Diego Fernandez de Huete, Luigi Rossi) hatten die beiden Schwestern zu einer Lebhaftigkeit (wenn nicht einem Feuer) verholfen, welche Takte und Struktur überwog.
In der Ausgewogenheit und Verschiedenheit überzeugte das nicht nur, es verblüffte auch – es steckt eben mehr in solcher Musik als nur ein oberflächlich-esoterischer Klang. Und der Anreiz, solches weiter zu entdecken oder nachzuforschen, wurde weitergegeben – gab es zum Beispiel eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen Gregorio und Barbara Strozzi, einer Zeitgenossin? Die Faktenlage läßt es wohl nicht zu, dies (seriös) zu konstruieren, selbst wenn der Süditaliener mit seiner »Maschara« (Maskerade) und an Gondolieri erinnernden Mandolinenimitationen Venezien zu grüßen schien.
24. Juli 2023, Wolfram Quellmalz
Noch bis Ende Oktober empfängt die Kammermusikreihe der Hoflößnitz ihre Gäste. Am 20. August stehen Motetten der Romantik und Volkslieder mit dem Dresdner Knabenchor (Leitung: Matthias Jung) auf dem Programm.