Fröhliche Hausmusik

The Playfords in der Hoflößnitz

Sie klingen ganz englisch, doch The Playfords sind in der Region zu Hause. Was nicht hindert, daß sie sich in alte englische Musik, die Texte und Begebenheiten einfühlen. Björn Werner (Gesang), Claudia Mende (Barockvioline), Benjamin Dreßler (Viola da gamba), Erik Warkenthin (Laute und Barockgitarre) sowie Nora Thiele (Schlagwerk) trafen sich am Sonntag in der Hoflößnitz und sinnierten über Musik und – englische Küche. Denn wenn die Tage kürzer werden, das Licht sparsam verwendet wird, nehmen die Gelegenheiten zu, sich zum Musizieren zu treffen, zu Hause oder auch im Pub. Wie fröhliche Haus- oder Kneipenmusik klang, was The Playfords ihrem Publikum auftischten. Und tischten gleich weiter auf, denn passend zu den Werken, die sich um Liebe, Leben und das Essen drehten, gab es ein paar meist deftige Rezepte.

»Der Ruhm der Küche« lautete so der Programmtitel, der sehr geläufig, improvisatorisch und flexibel Stücke von John Joung, William Byrd und Folksongs verband. Einer der wichtigsten Namen im Musikleben des 17. Jahrhunderts in London: John Playford. Playford trug nicht nur selbst mit ein paar Kompositionen bei, im wesentlichen war er Sammler und Verleger, veröffentlichte Noten. »The englisch Dancing Master«, in vielen Auflagen herausgebracht, ist bis heute seine wichtigste Ausgabe und ein Kompendium für alle, die gern nach englischer Manier aufspielen.

So wie The Playfords. Das Ensemble geht dabei frei mit dem Notentext um, warnt schon einmal, daß ihre Musik Spuren unserer Musik enthalten können. Nora Thieles Trommeln und Tamburins erinnern nicht wenig an Jazz. Der eine oder andere Titel wurde offenbar erst in jüngster Zeit »im Stile von …« nachkomponiert oder rekonstruiert, wie Tim Lieberts »Garlic and Onions« (Knoblauch und Zwiebeln) mittendrin.

Kaufte nicht nur Noten bei John Playford, sondern kannte auch Henry Purcell (den Sänger der Chapel Royal und Vater des Komponisten Henry Purcell): Samuel Pepys. (Lesetip: Die Tagebücher von Samuel Pepys, 1669 bis 1669, verschiedene Ausgaben und Verlage)

Schon der Beginn war ein spielerischer Einzug, danach erzählten die Musiker aus der Küche und von Leuten, die sich verlieben, nach London wollen oder von dort wieder heraus – was einen eben so herumtreibt. Und wie das so ist zu Hause oder im Pub – den Klang einer Gambe kann man auch schon einmal mitten im Spiel korrigieren und nachstimmen.

Ob balladenhafte Erzählungen oder Tanzmelodien – The Playfords sind musikantisch ansteckend, da durften sie auf dem Weingut auch einmal vom ältesten Bier der Welt erzählen, dem Stingo.

12. September 2023, Wolfram Quellmalz

In diesem Jahr stehen noch zwei Kammerkonzerte auf dem Plan der Hoflößnitz. Am 8. Oktober kehrt das Volger-Quartett zurück, drei Wochen später präsentieren Bernhard Berchtold, Heike Janicke, Andreas Kuhlmann und Ulf Prelle Schuberts »Winterreise« (D 911) in einer Fassung für Singstimme und Streichquartett.

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