Silbermann-Tage vor dem Finalwochenende
Wegen der vorrangigen Berichterstattung für die Tageszeitung erscheinen die Artikel zu den Silbermann-Tagen verspätet, sind aber ausführlicher.
Nach dem Beginn der Silbermann-Tage startete am Montag auch der XVI. Internationale Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb. Dienstag und Mittwoch wurde in Dresden das Halbfinale ausgetragen, am Wochenende wird es in Freiberg noch einmal spannend!

Zweite Runde des Orgelwettbewerbs in der Dresdner Hofkirche. Von unten sieht man nicht, wer spielt. Jury von links: Martin Strohäcker, Pieter van Dijk, Albrecht Koch (Künstlerischer Leiter der Silbermann-Tage), Jean-Baptiste Robin, Els Biesemans, Bine Katrine Bryndorf (Jury-Vorsitzende), David Franke. Photo: NMB
Aus zwölf Ländern von vier Kontinenten hatten sich 28 junge Organistinnen und Organisten über eine Vorauswahl qualifiziert, 24 von ihnen traten ab Montag zum Wettbewerb an. Die meisten studieren noch, vier sind bereits als Kirchenmusiker, Korrepetitoren, Cembalisten oder Komponisten tätig. Gelernt haben sie alle an vielen Hochschulen – an die 30 verschiedene stehen in den Lebensläufen. Fähigkeiten wie liturgisches und Konzertspiel, Komposition und Improvisation gehören zum Repertoire eines Organisten, in den Epochen und Stilen (Barock, Romantik, Moderne) kann man sich bis hin zur zeitgenössischen Musik spezialisieren. Die meisten besuchen daher verschiedene Hochschulen oder Meisterkurse, um sich all dies anzueignen.
Nach dem Auftakt in der Petrikirche Freiberg kamen zwölf Teilnehmer ins Halbfinale, das am Mittwoch und Donnerstag in der Dresdner Hofkirche ausgetragen wurde. Die Reihenfolge wurde ausgelost, die Jury saß mit dem Rücken zur Orgel und konnte nicht sehen, wer gerade spielt. Entscheidend war allein der Eindruck des Hörens. In der zweiten Runde standen Johann Sebastian Bach (Präludium, Trio und Fuge BWV 454b), Carl Philipp Emanuel Bach (Choralvorspiel »Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ«) und Wolfgang Amadé Mozart (Phantasie f-Moll) auf dem Programm. Fußnote: Lange Zeit galt das Choralvorspiel als Werk des Vaters. Die neuere Bachforschung sieht jedoch den berühmtesten der Bachsöhne als Urheber. Das Werk blieb im »BWV«, wanderte aber als Nr. 73 in den Anhang II.
Die Wettbewerbsteilnehmer müssen sich jedoch weniger mit Fußnoten als mit Ausdruck und Interpretation befassen, darum, wie sie ein Stück gemäß ihren Vorstellungen auf der jeweiligen Orgel darstellen. Juryvorsitzende Bine Katrine Bryndorf äußerte sich lobend über den diesjährigen Wettbewerb: »Oh, es ist toll! Es ist ein hohes Niveau von allen, auch mit diesen Instrumenten. Das ist eine große Herausforderung für die Kandidaten, aber ich denke, alle sind genau deswegen da. Das ist ein wesentlicher Grund, gerade an diesem Wettbewerb teilzunehmen.« In der Wettbewerbspause zeigte sich die Domorganistin (Roskilde) und Professorin der Royal Akademie of Music London nicht nur entspannt, sondern geradezu fröhlich. Nervt es denn nicht, wenn man Wettbewerbsstücke wieder und wieder hört? Offenbar nicht: »Das macht viel Spaß! Es ist sehr inspirierend, gerade da die Unterschiede zu hören, wie jeder mit der Orgel umgeht und mit der Musik.«
Von den Teilnehmern werden fünf im Finale erwartet. Dann wird es noch einmal richtig spannend, denn: für die letzte Runde am Sonnabend (10:00 und 14:00 Uhr, Freiberger Dom) müssen sie sich selbst ein Programm zusammenstellen, das neben einem programmatisch-dramaturgischen Titel einen Bezug zum Motto der Silbermann-Tage »Bach & Silbermann« aufweisen soll. Gleich im Anschluß (gegen 17:00 Uhr) werden die Preisträger bekanntgegeben.
Doch damit ist längst noch nicht Schluß. Denn die drei Erstplazierten spielen am Sonntag im Abschlußkonzert, zu dem auch die Leipziger Thomaner erwartet werden. Die musikalische Nachhaltigkeit des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs geht aber noch weiter und lädt Finalisten später wieder ein. Dreizehn verschiedene Orgeln (Silbermann, Trost, Ladegast und Wegscheider) gehören ins Angebot, dazu so lukrative Anlässe wie das Heinrich Schütz Musikfest, den Lübecker Orgelsommer oder die Tage Mitteldeutscher Barockmusik.
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