Französisch-deutsches Treffen

Jean-Baptiste Robin in der Dresdner Frauenkirche

(Wegen der vorrangigen Berichterstattung für die Tageszeitung erscheinen die Artikel zu den Silbermann-Tagen verspätet, sind aber ausführlicher.)

Wie alle sieben Jury-Mitglieder des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbes war auch Jean-Baptiste Robin im Rahmen der Silbermann-Tage in einem Konzert zu erleben. Am Mittwoch der vergangenen Woche stellte er französische Orgelmusik in ihrer ganzen Vielfalt Johann Sebastian Bach gegenüber. Da fehlte eigentlich nur einer: der französische Louis Marchand. Der angebliche Wettstreit zwischen Bach und Marchand und die gern erzählte Anekdote um die Flucht des Franzosen ist längst Legende, vieles daran hält einer ernsthaften Prüfung nicht stand. Nur eines ist sicher: an einer Silbermann-Orgel hätten sich die beiden nicht »duelliert«, denn um 1717 gab es in Dresden noch keine.

Spielt auch Louis Marchand: Jean-Baptiste Robin, CD »L’Œuvre Pour Orgue«, erschienen bei Triton, sowie bei anderen Produktionen (auch zu finden auf YouTube)

Also kein Marchand, dafür aber Jean-Baptiste Lully (Marche des turcs et cinq variations), Jean-Philippe Rameau (Les Sauvages) und Nicolas de Grigny (Tierce en taille). Lullys Orchesterwerk hatte – wohl nicht der gleichen Vornamen wegen – der Organist selbst bearbeitet. Gerade die ersten beiden Stücke, im Alte-Musik-Kreis wohlbekannt, konnten sowohl dadurch gewinnen, daß sie an sich bekannt sind, andererseits hier aber in der Farbigkeit der Orgel erstrahlten, die keine Nuance vermissen ließ. Dagegen sorgte Nicolas de Grigny in sich gekehrtes Stück für einen wunderbaren Moment der Einkehr, nachdem zuvor Johann Sebastian Bachs Prelude et fugue en sol majeur (BWV 541) prächtig funkelnd durch den Raum geflutet war. Und doch war nicht alles Pracht und Macht(demonstration) – die Fuge geriet Jean-Baptiste Robin ungemein leicht und federnd.

Wieder mit Johann Sebastian Bach, nun aber in der Bearbeitung von Marcel Dupré ging es weiter. Die geradezu spektakuläre Sinfonia aus der Kantate »Wir danken Dir, Gott, wir danken dir« (BWV 29) entlockte dem Publikum spontanen Szenenapplaus.

Die im ersten Teil bestehende Hochspannung konnte Jean-Baptiste Robin im zweiten nicht mehr halten, wiewohl sein Spiel in nichts nachließ. Aber mit César Francks Pièce héroïque und vor allem Claude Debussys »Clair de lune« in einer eigenen Bearbeitung mischten sich nun populäre Stücke in die Programmfolge, was der Geschlossenheit leider abträglich war. Mit einem eigenen Werk dazwischen, dem »Chant du Ténéré«, das mit Clustern und gewagten Techniken Wetterunbilden nachstellte (thematisch geht es um einen einzelnen Baum, der im Sturm steht).

Die Zuhörer zu beeindrucken, ob nun spielerisch oder durch Ausdruck, gelang Jean-Baptist Robin scheinbar mühelos. Ob in Marcel Duprés flammenden Esquisse Opus 41 Nr. 2 oder der abschließenden Toccata Opus Nr.6 von Louis Vierne. Da durfte eine Zugabe nicht fehlen: Das Allegro (3. Satz) aus der Triosonate C-Dur (BWV 529) von Johann Sebastian Bach.

7. September 2023, Wolfram Quellmalz

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