Kreuzvesper und Deutsches Requiem mit Gästen
Von Ende Oktober bis Anfang November waren die Kruzianer zu einer Konzertreise nach Finnland aufgebrochen, die sie gemeinsam mit dem Knabenchor des Doms zu Helsinki, den Cantores Minores, gestalteten. Dabei stand bereits Johannes Brahms‘ Deutsches Requiem auf dem Programm. Am vergangenen Wochenende traten die Cantores Minores den Gegenbesuch an, waren am Sonnabend in der Kreuzvesper zu erleben und am Sonntag noch einmal – nun zum traditionellen Dresden-Termin – mit den Kruzianern und Brahms.
KREUZVESPER
Der finnische Knabenchor unterscheidet sich optisch schon einmal durch die Kleidung von Kruzianern und Thomanern, sonst finden sich in Klang und Repertoire (und darüber hinaus) manche Gemeinsamkeiten. Nicht zufällig – schließlich berufen sie sich nicht nur auf eine ähnliche Tradition, sie wurden durch Dirigenten wie Christian Hauschild, einem ehemaligen Kruzianer, nicht unwesentlich geprägt und pflegen Partnerschaften zum Leipziger wie zum Dresdner Traditionschor.
Kein Wunder also, daß zum Vesper-Programm unter der Leitung von Hannu Norjanen Heinrich Schütz‘ »Selig sind die Toten« (SWV 391) gehörte. Mit Frank Martins Kyrie und Gloria aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella sowie »The Deer’s Cry« und »Da pacem Domine« von Arvo Pärt hatten die Cantores Minores ihre Repertoirebreite angedeutet, ganz besonders berührte wohl viele Jaako Mäntyjärvis Canticum Calamitatis Maritimae, ein maritimes Trauerlied, das den Opfern des Untergangs der Estonia gewidmet ist. Die nach oben schnellenden Hände (wie die Ertrinkender) riefen das Leid der vielen Opfer und ihrer Hinterbliebenen vor Augen, die Teils zum Altar gesungenen Verse machten den Respekt vor dem Leben und den Toten deutlich.
EIN DEUTSCHES REQUIEM

In vergleichbarem Kontext am Volkstrauertag stand die Aufführung von Johannes Brahms‘ Deutschem Requiem. Etwas anderes als sonst – zwar unterstützten wie gewohnt Musiker der Dresdner Philharmonie die Aufführung, aber das sonst die Kruzianer verstärkenden Vocal Concert Dresden vertraten die Cantores Minores. Und auch auf Seiten der Solisten gab es nicht die bekannten Namen: mit Christina Landshamer kam eine Sopranistin nach Dresden, die mit Martin Lehmann schon beim Windsbacher Knabenchor zusammen gearbeitet hat, dazu Bariton Markus Eiche, in Dresden zuletzt im »Ring«, die NMB erlebten ihn außerdem in Bayreuth – beileibe keine Standardbesetzung!
Zunächst aber durfte man sich freuen, wie homogen Kreuzkantor Martin Lehmann die beiden Knabenchöre gefügt hatte. Mehr und mehr traten dramaturgische Möglichkeiten zutage, etwa bei Teilung und wieder Zusammenführung von Knaben und Männerstimmen. Die gestalterische Steigerung erreichte in Teil VI (»Denn wir haben hier keine bleibende Statt«) mit einem rhythmisch-pulsierendem, lebendigen Chor einen Höhepunkt.
Auch über die Solisten läßt sich nur lobendes sagen: der hervorragend verständliche, souveräne Markus Eiche veredelte die Aufführung mit seinem wunderbaren Bariton. Die mit herrlichem Timbre den Ausdruck unterstreichende Christina Landshamer sorgte für eine so einfühlsame wie emotionale Ausleuchtung ihrer Soli.
Mit den beiden Chören im Finale(Fuge), von Hörnern und Oboe licht unterstrichen, gelang ein bewegender Schlußpunkt.
20. November 2023, Wolfram Quellmalz
Am kommenden Sonnabend feiert die Capella Sanctae Crucis Dresden mit Solisten den letzten Sonntag des Kirchenjahres. Auf dem Programm stehen Werke von Johann Sebastian Bach. Orgel: Kreuzorganist Holger Gehring, Liturg: Holger Milkau
https://www.kreuzkirche-dresden.de
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