Schüler des Landesmusikgymnasiums in einem kleinen, großen Podium
»Podien«, ob an der Musikhochschule (HfM) oder dem Sächsischen Landesgymnasium für Musik (SLGM), sind keine Konzerte mit dramaturgisch ausgefeilten Programmen, sondern geben den aktuellen Leistungsstand einer Klasse oder Einrichtung wieder. Am SLGM sind Podien nicht so häufig wie an der HfM, trotzdem oder gerade deshalb war die Beteiligung am Donnerstag besonders groß – jeder wollte seine Chance nutzen. Erst recht jetzt, weil von Freitag bis Sonntag das 1. Wettbewerbswochenende von »Jugend musiziert« (Landeswettbewerb) in diesem Jahr stattfand. So präsentierten sich am frühen Abend zahlreiche Formationen in der Aula des SLGM in der Kretschmerstraße. Kammermusik, Gesang, virtuose Konzertstücke mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern ab Klasse 6, deren Programm hier und da aufmerken lies: Seitens der Beteiligten, weil sich darunter Namen fanden, die man als Musikerfamilien kennt, oder weil sie auf die Herkunft mancher Schüler aus anderen Ländern verwiesen – kein Merkmal allein für den allgemeinen Zuzug nach Dresden, sondern für die überregionale Anziehungskraft des SLGM. Auch das Programm bot neben Standardrepertoire völlig unbekannte Stücke, die man eben (fast) nur hier zu hören bekommt.

Daß ein Podium mehr als eine Probe ist, zeigte sich schon an der Auftrittskleidung und daran, daß viele ihre Programme ansagten – für manche eine Herausforderung gegenüber der Gewöhnung, sich ins eigene Instrument zu vertiefen. Julius Bombach (Flöte) und Matteo Gilbert (Klavier, beide 6. Klasse) gehörten zu den Jüngsten und eröffneten den Abend mit einem Scherzino von Joachim Andersen und einem sehr rhapsodisch angelegten »Serbischen Märchen« von Wilhelm Popp. Anna Elizaveta (Fagott) und Vera Anna Nikulina (Klavier) waren nicht die einzigen Geschwister an diesem Abend. Sie präsentierten sogar zweimal zwei Stücke und steigerten luftige Scherzi und virtuose Affettuoso bis in die Form der Humoreske.
Besonders beeindruckte ein – dann durchaus ein wenig dramaturgisch geformt – Mittelteil der ersten Konzerthälfte mit Musik der Renaissance und des Barock mit Sebastian Knebel am Cembalo als Mentor und Begleiter. Vitalina Rokhmanova brachte zuerst Sestos Liebeskummer (»O cessate di piagarmi« / »Ach hört auf, mich zu verwunden«) aus Alessandro Scarlattis Oper »Pompeo« zum Ausdruck und sang danach mit Anna Dribas eine Telemann-Kantate. Dabei erwies sich Anna Dribas bereits als angenehm »leichter« Sopran – wie geschaffen für Mozart? Aber ja! Nach John Dowlands »Come again« setzte Anna Dribas ihr umfangreiches Programm mit der Arie der Barbarina aus »La nozze di figaro« fort. Nicht nur nach Genres, sondern auch in den Sprachen orientierte sie sich mehrfach um, denn ihr Auftritt endete mit einem kleinen Liedblock mit Liszt (romantisch Deutsch), Janáček (Tschechisch) und Fauré (Französisch)!
Klar hatten die Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen (hier 12.) einen Erfahrungsvorteil, den sie »ausspielen« konnten. So waren – ohne die anderen Beiträge zurücksetzen zu wollen – ein paar Teilnehmer ab der zehnten Klasse besonders bemerkenswert. Etwa Salomon Held, der mit Leidenschaft die Solosonate für Violoncello von Zoltán Kodály vortrug – sie stand Bach in nichts nach! Oder Adrian Simon, der seiner zurückhaltenden Ansage einen virtuosen Schumann (ABEGG-Variationen) folgen ließ, der den Atem stocken ließ. Helena Heim hatte sich mit dem ersten Satz aus Mozarts Violinkonzert G-Dur ein Stück vorgenommen, das sie sicher auch bei einer Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule spielen müßte.
Glücklicherweise war die Virtuosität aber in keinem der Fälle ein übergeprägtes Merkmal, sondern jeweils ein Mittel des Ausdrucks, der noch manch andere Facetten einschloß. So gelangen die Ensembles (auch wenn keine Geschwister beteiligt waren) zu Geschlossenheit, wie von Charlotte Langbein und Marlon Schulz, die mit Sebastian Knebel eine Triosonate Johann Joachim Quantz‘ spielten und dabei die unterschiedliche Kantabilität von Travers- und Blockflöte sehr schön erkennen ließen. Immer galt: aufeinander achten – ein unbedingtes Muß in der Kammermusik, das auch bei Astor Piazzolla (Eva Maria Ceralová, Myriam Rovner und Christoph Vollmer) zutraf.
Über zwei Stunden anregende und hochwertige Musik – leider können hier nicht alle Teilnehmer genannt werden. Wichtiger ist die Empfehlung, auf die Seite des SLGM zu schauen. Hier findet man Termine, wie für den 13. und 18. Mai, dann gestalten Klassen des SLGM Konzerte im Chinesischen Pavillon (jeweils 16:00 Uhr), am 17. Mai treffen sie sich mit Kommilitonen der Musikgymnasien Carl Philipp Emanuel Bach (Berlin) und Schloß Belvedere (Weimer) im Konzertsaal der HfM. Bereits am Freitag, 2. April, 18:00 Uhr, und Sonnabend, 3. April, 18:30 Uhr, finden Abschlußkonzerte einzelner Schülerinnen und Schüler statt.
28. März 2025, Wolfram Quellmalz