Wegen der vorrangigen Veröffentlichung in den Nachrichten der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft erfolgt diese Veröffentlichung im Nachgang.
Pillnitzer Silbermann-Cembalo wurde nach Restaurierung wieder zum Leben erweckt
Vor einigen Jahren hatte es in der Musikinstrumentensammlung des Kunstgewerbemuseums Dresden-Pillnitz den »Verdachtsfall« gegeben, ein nicht mehr spielfähiges Cembalo des Bestands könnte aus der Werkstatt Silbermann stammen. Immer wieder, so Restaurator Roland Hentzschel aus Halle, habe man überlegt, ob man das Instrument restaurieren solle oder nicht – immerhin war es zu einem großen Teil original erhalten. Aber einen spielfähigen Zustand herzustellen, reizte natürlich auch. Nicht zuletzt muß eine solche Restaurierung auch finanziert werden und begann mit dem Entschluß, Spendengelder einzuwerben. Als eine wichtige Stütze erwies sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, speziell die darin eingeschlossene Stiftung Musik im Denkmal, nicht zuletzt, weil durch sie ein größerer Kreis an Spendern erreicht wurde. Die entscheidende hohe Summe kam schließlich von einer anonymen Spenderin.

Damit konnte das Instrument im vergangenen Jahr endlich aufgearbeitet werden, wobei sich in Sachen Silbermann der Verdacht, wenn auch etwas anders, bestätigte: Jan Katzschke hatte durch seine Erfahrung mit historischen Tasteninstrumenten und als Präsidiumsmitglied der Silbermann-Gesellschaft bereits den Verdacht, daß es sich dabei vielleicht nicht um den berühmten Gottfried Silbermann, sondern um dessen Neffen Johann Daniel handeln könnte, geäußert. Das ließ einerseits der Korpus des Cembalos vermuten, der einem anderen Instrument von Johann Daniel ähnelt, andererseits betrieb Johann Daniel Silbermann in Dresden eine Werkstatt. Er war nach Krankheit und Tod seines Onkels nicht nur an der Fertigstellung der letzten Orgel von Gottfried Silbermann in der Hofkirche beteiligt, sondern baute auch Saiteninstrumente, die sich gut verkauften. Während die Verwandtschaft etwas von oben auf Johann Daniel herabsah, weil der an ihren Orgeln »nur« aushalf und kleinere, als minderwertiger angesehene Instrumente baute, war sein Name zu Lebzeiten vermutlich der bekanntere – die Orgelbauer erlangten lokale Berühmtheit, doch Johann Daniel‘ Instrumente waren über einen weit größeren geographischen Kreis hinaus geschätzt.
Das ließ sich am vergangenen Sonnabend im Pillnitzer Bergpalais nachvollziehen. Denn die Restaurierung hatte unter anderem den Nachweis erbracht, wer der Erbauer war – an einer versteckten Stelle innerhalb des Instrumentenkastens fand sich eine entsprechende Signatur. Für Roland Hentzschel bestand nun die Herausforderung, eine Besaitung zu entwickeln, denn die historische war hier sowenig überliefert wie dokumentiert, auch nicht durch vergleichbare Instrumente. Anhaltspunkte gaben die enorm schmalen Springer der Kiele, mit denen beim Cembalo die Saiten angerissen werden. Mit Blick auf das vergleichsweise große, lange Instrument kann man vermuten, daß Johann Daniel Silbermann eine leichte Spielbarkeit erreichen wollte – große Klangentfaltung bei geringem Kraftaufwand. Und vielleicht – schließlich kam er aus dem elsässischen Zweig der Familie – doch eine etwas französischere Ausprägung als die kräftigen Farben, wie sie Gottfried Silbermann bei seinen Orgeln bevorzugte.
Der Klang ist dabei durchaus eine Herausforderung, denn schon damals versuchte man eigentlich, ihn vom Baß bis in die höchsten Lagen möglichst homogen zu gestalten. Andererseits erfordern Melodiestimme und Begleitung unterschiedliche Eigenschaften, nicht zuletzt sorgt also eine spezifische Charakteristik für Individualität und Attraktivität.

Diese sind beim restaurierten Cembalo erhalten geblieben bzw. wurden sie wiederhergestellt. Im Diskant »zirpt« es etwas, wie Roland Hentzschel es nennt, das kann sich sogar zu einem regelrechten Gezwitscher steigern. Ein Satz Christian Petzolds (Cembalokonzert F-Dur) führte zu Beginn des Einweihungskonzertes im Rahmen der Reihe Alte Musik im Kunstgewerbemuseum gleich in die Zeit des Rokoko – verspielt und feingliedrig. Auch ein Stück von Johann Daniel Silbermann selbst – als einziger Musiker seiner Familie schrieb er eigene Werke – war zu hören, sowie natürlich Johann Sebastian Bach, bei dessen Stücken sich wohl am besten vergleichen läßt. Und siehe da – das Silbermann-Cembalo zwitschert nicht nur, es hallt hin und wieder ein wenig, aber klangvoll, nach.
Jan Katzschke lobte die »sagenhafte handwerkliche Qualität« des Instruments und gab bis zum »Italienischen Konzert« Klangbeispiele – die Feinheit des Cembalos eignet sich also besonders für Werke, die artikuliert werden wollen. Daß man nebenbei ein wenig die Mechanik hört, erhöht den historischen Reiz und den Wert der erhaltenen Originalität eher, als daß es stören würde. Bleibt zu hoffen, daß man das Instrument in den kommenden Jahren im Rahmen der Alte-Musik-Reihe des Museums immer wieder hören kann.
12. Oktober 2025, Wolfram Quellmalz