Ein Fest für die Blockflöte(n)

Meisterkonzerte feiern auf Schloß Albrechtsberg ein Jubiläum

Die größten Bereicherungen ergeben sich mitunter, wenn man Randpunkte, äußerliche Aspekte oder Anlässe miteinander verbindet. Seit einigen Jahren gehören die Meisterkonzerte auf Schloß Albrechtsberg zum Moritzburg Festival. Manche Künstler kehren aus Moritzburg wieder, anders als dort kommen aber auch feste Ensembles, wie Streichquartette. Der Schwerpunkt der präsentierten Literatur liegt in der Regel zwischen Wiener Klassik und Romantik. Doch in diesem Jahr ist es anders – weil das Schloß in Moritzburg, Stammsitz des sommerlichen Kammermusikfestes, sein 300. Jubiläum feiert, bilden Werke aus dieser Zeit den Schwerpunkt in den vier Meisterkonzerten 2026.

Wie gut, daß Max Volbers und Alexander von Heißen vor zehn Jahren am Morgen nach der Brexit-Entscheidung nicht nur eine Idee hatten, sondern diese in der Folge auch in die Tat umsetzten: Musik aus London nahmen sie unter die Lupe und landeten – hier verbinden sich die Äußerlichkeiten – vor 300 Jahren bei einem Höhepunkt der englischen Musikgeschichte. Denn nach dem Schotten Tobias Hume und den Engländern Matthew Locke und Henry Purcell bestimmten ausländische Komponisten die Musikwelt der Metropole – »Fachkräfte aus dem Ausland« sozusagen, wie Max Volbers im historischen Rückblick augenzwinkernd feststellte.

Alexander von Heißen und Max Volbers im Kronensaal von Schloß Albrechtsberg, Photo: NMB

Die Melange mit vielen deutschen, italienischen, flämischen und französischen Einflüssen war damals schon köstlich, für die im Konzert präsentierten Spezereien galt das nicht minder. Und oft vermischten sich die Nationalitäten, wie bei Georg Friedrich Händel – »Il caro Sassone«, in Halle an der Saale gebürtig, brachte den italienischen Stil nach London.

Händels Sonate für Flöte und Cembalo h-Moll (HWV 367a) barg in sich schon eine Vielfalt, die bis zur Hornpipe, einer urenglischen Musikgattung, reichte. In manchen Girlanden und Verzierungen der Blockflöte meinte man sogar, die Schule einer Lehrerin Max Volbers‘, Dorothee Oberlinger, herauszuhören. Doch der junge Virtuose ist nicht nur versiert auf seinen Instrumenten, er verfügt in Spiel und Präsentation seinen eigenen, individuellen Ausdruck – nichts da also von »Abziehbild«!

Der erfrischende Eindruck einer vitalen Vielfalt lag nicht allein in den Werken, sondern hing ganz wesentlich mit der Interpretation zusammen. Insofern spielte Max Volbers auch nicht eine Blockflöte, sondern hatte etwa zehn Instrumente vom Sopranino bis zum Tenor mitgebracht, was den Klangreichtum über die Lage der Oktaven hinaus bereicherte.

Das schöne war, daß Alexander von Heißens Cembalo dem insofern entsprach, daß sich der Spieler nicht auf eine Begleitung im musikalischen Hintergrund und wenige Soli beschränkte. Im Gegenteil: das Instrument hat Alexander von Heißen mit entworfen und war beim Bau behilflich. Sicher, weil er bestimmte Qualitäten bzw. Charakteristiken wollte. So verfügt das Instrument nicht nur über einen leisen Lautenzug, wunderbar für die Andacht langsamer Andante-Sätze, es hat gleich zwei Achtfuß-Register (normalerweise haben Cembali nur eins).

Alle meine Flöten – das waren noch gar nicht alle, denn mindestens eine hatte Max Volbers in der Pause zum Warmspielen mitgenommne, Photo: NMB

Alexander von Heißen nutzte diese Bandbreite für eine unerwartete Ausdruckskraft, zeichnete also nicht nur Konturen nach oder fügte Betonungen gegenüber der Flöte ein, sondern gestaltete dynamische Verläufe, die man bei einem Cembalo so gar nicht erwartet. Manches davon war regelrecht dramatisch!

Auf dieser Basis konnten die Koloraturen der Flöte noch besser funkeln, wie bei Giuseppe Matteo Alberti, der die Verzierungen, bei Händel noch vom Interpreten auf die Melodie gesetzt, tiefer in diese eingewoben hatte. Wobei – Stichwort »Koloratur« – tatsächlich einige ursprünglich gesungene Werke auf dem Programm standen, wie Alessandro Scarlattis »Vieni o sonno« (aus »Pirro e Demetrio«), Händels »The lass of Patie’s mill« (von William Babell transkribiert für Cembalo solo) oder Johann Christoph Pepuschs »Cease you funning«. Bei letzterem war die instrumentale Fassung für das Konzert wohl bekömmlicher, denn wie sagte Max Volbers: »Der Text ist ziemlich versaut«.

Neben den bekannten Namen gehörten die damals berühmter, heute (fast) vergessener Komponisten zum Programm. Eine Aria con variationi von Giovanni Stefano Carbonelli, Jacques Paisibles Suite a-Moll sowie das Cibell by Sgnr. Baptist von (wahrscheinlich) John Loeillet sorgten dafür, sie dem Vergessen ein Stück zu entreißen. Auch Spitzenmusiker aus Händels Orchester, wie Babell oder Carbonelli, wurden so wieder ins Gedächtnis gerufen

So geriet der Auftakt zu einem munteren Virtuosenspiel im besten Sinn – Arcangelo Corellis »Folia« brauchte daher noch eine Zugabe, Händels »Lascia ch’io pianga«.

4. März 2026, Wolfram Quellmalz

Max Volbers und Alexander von Heißen haben ihr Programm »Foreign Masters« auf CD aufgenommen, erschienen bei Berlin Classics. Nächstes Konzert der Reihe: 28. April (Schloß Albrechtsberg, Kronensaal), 19:30 Uhr, Sandra Lied Haga (Violoncello) spielt Werke von Johann Sebastian Bach und Zoltán Kodály

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