Nachwuchsorganist beim Dresdner Orgelsommer

Karl Joseph Eckel in der Kreuzkirche

Während der Sommerferien ersetzt der Orgelsommer in der Dresdner Kreuzkirche jeweils die Kreuzvespern am Sonnabend. Am vergangenen Sonnabend war Karl Joseph Eckel zu Gast, den aufmerksame Besucher zum Beispiel bereits im Rahmen von Veranstaltungen der Silbermann-Gesellschaft erlebt haben. Der 1998 geborene Organist und Chorleiter arbeitete bereits als Assistent von Albrecht Koch in Freiberg, repräsentierte die Silberstadt Freiberg 2017 beim Internationalen Verband European Cities of Historical Organs in Brüssel und ist Assistent des Thomaskantors Andreas Reize.  Nach seinem derzeitigen Amt als Assistenzorganist an der Hildebrandt-Orgel in der Wenzelskirche Naumburg tritt er in wenigen Wochen schon, am 1. August, ein neues an und wird Kirchenmusiker am Dom St. Marien in Zwickau. Es scheinen sich also nicht nur Talente, sondern auch ein großer Gestaltungswille bei Karl Joseph Eckel zu vereinen. Zum Orgelsommer brachte er Werke von Dieterich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Johann Ludwig Krebs, Robert Schumann und Maurice Duruflé mit.

Karl Joseph Eckel, Photo: © Ron Kuhwede

Gleich für den Beginn hatte sich Karl Joseph Eckel ein besonderes Feinschmeckerstück vorgenommen, Dieterich Buxtehudes Toccata ex F (BuxWV 156). Hoch virtuos und rhythmisch komplex sorgte es für musikalisch erfrischende Sommerstimmung. Die spielerischen Motive verdichteten sich, hoben choralähnliche (wie ein Vogelchoral) Abschnitte hervor. In Stufen »schraubte« sich das Werk über mehrfach fugierte Abschnitte in lichte Höhe, aus der der Organist das Plenum der Jehmlich-Orgel funkeln ließ – das hätte genausogut der feierliche Abschluß der Dreiviertelstunde sein können!

Dagegen wirkte Johann Ludwig Krebs‘ Trio in Es-Dur, so hübsch es ist, irgendwie »kleiner«, trotz all der entzückenden Ornamentik. Bachs berühmtester Schüler hat den Lehrer eben nicht überragt.

Um so höher darf man Robert Schumanns Studien bzw. Fugen über den Namen BACH Opus 60 schätzen. Die zweite, »lebhaft«, beeindruckte mit ihrer Komplexität, ungeachtet dessen, daß mancher Organist Schumann eine echte Orgelprofession absprechen mag. Nein, bei weitem nicht! Karl Joseph Eckel bewies, daß man solches Pianistenwerk beachten darf!

Meister Bach kam schließlich in der ganzen Erhabenheit seines Präludium und Fuge e-Moll (BWV 548) zu Gehör, bevor Maurice Duruflé  mit dem Choral varié über das Thema »Komm‘, Schöpfer [Geist]« aus Prélude-Adagio et Choral varié sur le thème du »Veni creator« Opus 4 dem rhythmisch und strukturell glitzernden Anfang ein stimmungsvolles Ende im plein jeu entgegensetzte.

1. Juli 2024, Wolfram Quellmalz

Der Gast des nächsten Konzertes beim Orgelsommer (6. Juli, Kreuzkirche Dresden, 15:00 Uhr) ist bereits länger am Dom St. Marien in Zwickau tätig, als sein künftiger Kollege vor »Vorspieler« auf der Welt ist, seit 1997. Domkantor Henk Galenkamp stellt am Sonnabend Joseph Gabriel Rheinbergers Orgelsonate Nr. 8 sowie César Francks Choral Nr. 1 in den Mittelpunkt seines Programms.

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Spendenaufruf für die Kirche Großröhrsdorf und aktuelle Informationen: https://www.kirche-grossroehrsdorf.de/

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