Helmut Fuchs und Albrecht Koch in Reinhardtsgrimma
Der Termin im Spätsommer bzw. Herbstanfang ist im Rahmen der Konzerte an der Silbermann-Orgel in der Kirche Reinhardtsgrimma in jedem Jahr ein besonderer, denn er findet jeweils in der zum Erntedank geschmückten Kirche statt. Der Sonntag (22. September) fiel noch dazu auf den Termin des kalendarischen Herbstanfangs. Da paßte es doch prächtig ins »Bild«, daß sich der veranstaltende und in diesem Fall auch musizierende Domorganist Albrecht Koch (Freiberg) einen Partner eingeladen hatte, der das Kolorit noch mehr aufzuwerten versprach. Helmut Fuchs, Solo-Trompeter der Sächsischen Staatskapelle Dresden, überließ er dabei sogar den etwas größeren, weil funkelnderen Teil.
Die meisten Stücke des Programms über blieben die beiden in der Zeit der Silbermann-Orgel, präsentierten mit Georg Friedrich Händels Suite in D (HWV 341), Johann Friedrich Faschs Trompetenkonzert D-Dur (FWV L:D1) und Georg Philipp Telemanns Sonate in D (TWV 41:1) die Werke dreier Zeitgenossen, die sich an Festlichkeit geradezu überboten. Dabei konnte man prächtig vergleichen, welcher barocke Glanz nun heller blinkte: jener von Helmut Fuchs‘ Trompete oder der Silbermann-Orgel? Verblüffend war die Makellosigkeit, mit der Helmut Fuchs solch zungenbrecherische Werke spielte, was unwillkürlich zur Frage bzw. Feststellung führte, daß auch Händel in London über famose Trompeter verfügt haben muß. Doch die Orgel spielte keineswegs nur die »zweite Geige«, fand Albrecht Koch doch traumwandlerisch und ohne Unterbrechung geschmeidig schöne Begleitregister und vernachlässigte die eigenen Solostimmen dabei nicht. Schließlich mußte er manche zweite Trompete, ein Horn oder eine Flöte des Orchesters aus der Originalbesetzung mit darstellen.

Darüber hinaus bot das Konzert der Orgelreihe mit Werken wie dem Präludium und Fuge a-Moll (BWV 543) von Johann Sebastian Bach auch Silbermann pur. Mit einem zunächst absteigenden Motiv im Präludium erbaut, gewann die Fuge mit ihren Spielfiguren luftige Freiheit. Für den Choral »Jesus bleibet meine Freude« (aus der Kantate »Herz und Mund und Tat und Leben«, BWV 147) freilich war Helmut Fuchs bereits wieder zur Stelle. Jetzt, um neben der virtuosen Zier zuvor die Kantabilität seines Instruments vorzuzeigen. Albrecht Koch führte die samtenen und schmeichelnden Klänge der Orgel vor, die hier den Basso continuo ausfüllte.
Eine stupende Spieltechnik allein macht es letztlich nicht, man muß sich ebenso in Klangfarben, Atmosphäre und Zeiten hineinfinden. Dies beherrscht Helmut Fuchs offenbar spielend – im wahrsten Sinn des Wortes. Trotzdem schien das Cantabile »For you« von Enrico Pasini schlicht ein programmatischer Mißgriff, der nicht mehr als zeigen konnte (oder sollte?), daß Fuchs noch dieses Fach zu »bedienen« in der Lage ist. Zwar war Pasini originär Organist und Orgellehrer, viele seiner eigenen Kompositionen, die sich an Jazz und Pop annäherten oder versuchten, diese Stilarten mit dem Barock zu verbinden, blieben eher unterhaltsam und »leicht«. Was an sich natürlich gar nichts macht, nur fiel das Stück in der konzisen Folge der anderen Werke einfach aus dem Rahmen. Hätte eine Trompetensonate von Arcangelo Corelli, selbst wenn es ein weiteres Stück Barock gewesen wäre, nicht besser hineingepaßt und gleichfalls eine Vielfalt darstellen können?
Wieviel spannender als Pasini waren Allegro con spirito, Andante quasi Allegretto und Maestoso aus den Choralnachspielen Opus 107 von Christian Heinrich Rinck! Das con spirito erfüllte beseelt die Kirche, bevor das Werk eine tänzerische Leichtigkeit gewann und schließlich aufstrahlend abschloß. Das stellte auch Johann Ludwig Krebs‘ Choralvorspiel »Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘« (Krebs-WV 500) ein wenig in den Schatten, das vor Pasini erklungen war. Zwar sind Krebs‘ gefällige, feingliedrige Stücke meist ein Gewinn, wobei der Komponist sich hier in Variationen erging, die Spannkraft war bei Rinck jedoch größer.

Mit Telemanns Sonate, die kein bißchen kleiner schien als die Concerti von Händel oder Fasch, kehrten Albrecht Koch und Helmut Fuchs quasi an den Ausgangspunkt zurück. Der Barocke Glanz, egal ob von Trompete oder Orgel, strahlte letztlich doch am hellsten! Das unterstrich noch einmal die Zugabe, das Prélude aus Marc-Antoine Charpentiers Te Deum.
23. September 2024, Wolfram Quellmalz
Zum Abschluß der Reihe spielen am zweiten Weihnachtstag Jan Katzschke und das Ensemble Corona Harmonica eine weihnachtliche Vesper.
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