Silvesterkonzert des Sächsischen Vocalensembles in der Dresdner Annenkirche
Für sein traditionelles Silvesterkonzert hatte sich das Sächsische Vocalensemble eines der schönsten Werke der Chorliteratur vorgenommen: Antonio Vivaldis Gloria D-Dur (RV 589). Wir hatten das helle Jubelwerk zuletzt mit dem Dresdner Kreuzchor im Advent gehört [unser Bericht: https://neuemusikalischeblaetter.com/2025/12/03/heller-schein-des-adventlichtes/]. Nun stand es, gemeinsam mit dem Dixit Dominus (HWV 232) von Georg Friedrich Händel gleich noch einmal auf dem Programm. Gleich zwei Stücke mit großer Magnetkraft – die Schlange vor der Annenkirche war lang, das Haus fast bis auf den letzten Platz besetzt.
Chorleiter Matthias Jung konnte wieder auf die Unterstützung der Batzdorfer Hofkapelle vertrauen, die nicht nur für eine lebendige Musiziertradition steht, sondern in der Zeit der Werke einen Schwerpunkt findet. Das war gleich zu Beginn im Gloria in excelsis Deo zu spüren, dessen Leuchtkraft von Oboe (Xenia Löffler) und Trompete (Helen Barsby) unterstrichen wurde. Im Gegenüber des Cum sanctu spiritu am Ende fand dies einen festlichen Rahmen.

Der Chorklang stand dem zunächst noch etwas nach, schien nicht so homogen, allerdings besserte Matthias Jung hier nach und fand zu einer ausgewogenen Stimmverteilung und einem geschlosseneren Eindruck.
Nach dem Jubel des Beginns ging es aber verhalten, fast tragisch weiter, denn die Bitte um Frieden (Et in terra pax) war ein wenig von einer Dunkelheit ummantelt, als spiegelte sie die derzeitige Lage oder Nachrichten (?). Um so schöner, daß mit dem Laudamus te (Wir loben dich, Solisten Johanna Ihrig / Sopran und Dmitry Egorov / Altus) wieder ein Aufwärtstrend einsetzte.
Die hellere Stimmung setzte sich schließlich durch, nicht zuletzt durch Sätze wie das von der Oboe begleitete Sopransolo Domine Deus, Rex caelestis (Herr Gott, König des Himmels). Wie schon oft hatte Matthias Jung Chor, Chorsolisten und die herausgestellten Solisten immer wieder in einen Zusammenhang gebracht, etwa durch die gemeinsame Aufstellung (oder durch die Trennung Soli betont). Die positive Grundstimmung schlug schließlich auf den Chor durch (Qui tollis peccata mundi / Der die Sünden der Welt hinwegnimmt). Altus Dmitry Egorov gestaltete sein Solo (Qui sedes ad dexteram Patris / Der du zur rechten des Vaters sitzt) zu einem regelrechten Triumph, von der Batzdorfer Hofkapelle tatkräftig unterstützt.
Bei Händel mußten die Bläser schließlich pausieren, denn dieser hatte alle Botschaft auf die Stimmen und die Streicher übertragen. Konzertmeister Daniel Deuter oblag es zunächst, die italienischen Verzierungen gekonnt einzuflechten und seine Stimme wirkungsvoll zu präsentieren (auch noch zum sechsten Teil Dominus a dextris turis / Der Herr ist zu deiner Rechten) – es blieb bei der positiven Grundstimmung. Bei Dmitry Egorov lagen dennoch ein paar Schönheitsvorteile, weil seine Stimme an diesem Abend besonders geschmeidig schien (Solo: Virgam virtutis tuae emittet Dominus ex Sion / Das Zepter deiner Macht sendet der Herr aus Zion). Bei Chor wurden dagegen noch kleine Unausgewogenheiten spürbar, wie etwas schneidenden Sopranen (Juravit Dominus et non poenitebit eum / Geschworen hat es der Herr und es wird ihn nicht gereuen).
Orchestral für manche überraschend waren die »eisigen« Streicher vor dem Duett De torrente in via (Aus dem Bach wird er trinken) – solch flirrende, tremolierende Klänge kennt man aus Vivaldis »Winter«, aber schon Henry Purcell hat sie schon lange Jahre vorher eingesetzt.
Das Eis war letztlich gebrochen, wesentlich war der Glorienschein, den das Sächsische Vocalensemble noch einmal mit der Wiederholung von Vivaldis Gloria-Beginn spendierte.
2. Januar 2026, Wolfram Quellmalz
Mit dem Konzert begann die Jubiläumsspielzeit des Sächsischen Vocalensembles. Im kommenden Jahr feiert es sein 30jähriges Bestehen. Als nächstes Konzert steht am 3. April in der Annenkirche neapolitanische Passionsmusik auf dem Programm.
