Reihe Altes und Neues Testament mit Bach, Beethoven und Kritikern
Werke Johann Sebastian Bachs und Ludwig van Beethovens bilden die Grundlage der Reihe »Altes und Neues Testament«, die Kantor Robin Gaede an der Christuskirche Strehlen vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen hat. Am jeweils letzten Dienstag des Monats stehen Stücke der beiden Komponisten im Mittelpunkt, wobei sich der Schwerpunkt gern einmal verschieben darf. Außerdem wird die Programmfolge um korrespondierende Werke bereichert, etwa von Zeitgenossen oder von lokalen, vergessenen Urhebern.
In dieser Woche mußte Robin Gaede eine kurzfristige, krankheitsbedingte Absage des Tenors hinnehmen. Allerdings hatte der Kantor gerade am Sonntag mit dem »Wassersommelier und Feingeist« (Programmankündigung) André Uhlig einen Abend mit Orgelmusik und unveröffentlichter Lyrik André Uhligs in der Christuskirche gestaltet. Das lief offenbar gut, denn André Uhlig kehrte am Dienstag noch einmal zurück, diesmal ins Gemeindehaus, wo das »Alte und Neue Testament« auf einem wunderbar historischen Bechsteinflügel präsentiert wird.

Zur vierzehnten Ausgabe standen Werke in F-Dur auf dem Programm, Johann Sebastian Bachs Italienisches Konzert (BWV 971) sowie Ludwig van Beethovens sechste Klaviersonate. Neben der Tonart verbinden Momente der Unbeschwertheit die Stücke, wie Robin Gaede meinte. Weitere Parallelen finden sich in den nachdenklichen, melodiösen Mittelsätzen.
Der Wassersommelier schenkte seinem Pianisten großzügig nach, trug trotz der kurzen Frist aber keine »verwässernden« Texte bei. Keine Gedichte diesmal, denn das hatte es ja erst zwei Tage zuvor gegeben, dafür brachte André Uhlig zeitgenössische Kommentare und Kritiken mit, die er in Ausschnitten vorlas. Durch den direkten Bezug und die knappe Länge wirkte dies selbst zwischen den Sätzen nicht störend.
In Johann Sebastian Bachs Concerto zeigte vor allem in den Ecksätzen eine der Ankündigung gemäße Frohgemutheit, während der zweite nachdenklich oder gar bedenklich daher schritt, von Robin Gaede mit temporär anschwellendem Baß betont.
Der von uns verehrte Bach wurde zu seinen Lebzeiten durchaus kritisiert und war nach seinem Ableben – zum Nachteil der Witwe – zunächst vergessen. André Uhlig präsentierte zeitgenössische Kommentare und Ausschnitte aus einer damals anonym veröffentlichten Kritik Johann Adolf Scheibes, der Bach Attribute wie Anmut und Natürlichkeit absprach. Bach, erinnerte Uhlig, habe auf solche Kritik nicht persönlich, sondern durch einen rhetorisch begabteren Freund (Birnbaum) beantwortet.

Da war Ludwig van Beethoven viel direkter: »Was kümmert mich seine elende Geige, wenn der Geist zu mir spricht!« schrieb der als Reaktion auf technische Einwände Ignaz Schuppanzighs. Allerdings waren da wohl nicht nur die Temperamente und Rücksichtnahmen von Bach und Beethoven anders, sondern generell die Verhältnisse. Denn zwischen Beethoven und Schuppanzigh lag keine ganze Generation wie bei Bach und Scheibe, zudem haben sie in Wien eng zusammen gearbeitet: das Schuppanzigh-Quartett hat fast sämtliche späten Beethoven-Quartette uraufgeführt. Und schließlich sind technische Einwände eines Beteiligten etwas anderes als Häme oder (anonyme!) Kritik.
So oder so durfte sich Beethoven noch etwas frohgemuter und ungestümer zeigen. Wie schon in vergangenen Konzerten bewies Robin Gaede gerade bei ihm viel Gestaltungssinn mit Variabilität – die Synkopen des letzten Satzes waren nicht metrisch, sondern mit Gefühl gesetzt.
Das Publikum im Strehlener Gemeindehaus wird langsam größer und wünschte sich noch mehr. Robin Gaede improvisierte deshalb zu Lyrikzeilen von André Uhlig. Der Autor gab dem Kind oder einem lieben Menschen mit »Einsicht« gute Wünsche mit auf den Weg, Robin Gaede brachte Bach, Beethoven und noch ein paar Zeitgenossen in einen musikalischen Einklang.
25. Februar 2026, Wolfram Quellmalz
Im kommenden Monat können sich Besucher gleich vier Termine in Strehlen eintragen. Nach einem Liederabend (8. März), einem Kammerkonzert (13.) und einem Orchesterkonzert »Glückwunsch Mozart« (21.) schließt »Ates und Neues Testament«, diesmal mit Johannes Sell, den Monat ab (31.).
André Uhlig als Wassersommelier im Internet: https://www.wasserpur.info/