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Ensemble Bento bei den Meisterinterpreten Dippoldiswalde

Wenn man in einer Standardbesetzung der Kammermusik auftritt, sind Programme mit einem Klassiker, einer Wiederentdeckung und einem neuen oder unbekannten Werk meist reizvoll. Das Ensemble Bento kann dies sogar noch etwas variieren, denn nicht eine Violine, sondern die Flöte spielt hier in den höchsten Lagen. Sabine Kittel, Soloflötistin der Sächsischen Staatskapelle, hat das Trio mit der Orchesterkollegin und Cellistin Anke Heyn sowie dem als freier Pianist in München lebenden Paul Rivinius ins Leben gerufen.

Ihre Programme sind so vielseitig wie der Name – »Bentō« bezieht sich auf eine japanische Tradition, Speisen auf besondere Weise anzubieten. Dabei werden verschiedene Speisekomponenten bzw. Bestandteile in einem Kästchen präsentiert, aber durch kleine Wände oder Scheiben voneinander getrennt. Neben dem optischen Effekt erhöht dies die Kombinationsmöglichkeit, gleichzeitig wird die Individualität der einzelnen Zutaten gewahrt.

Die Komponenten am Sonntagnachmittag in den Parksälen Dippoldiswalde hießen Mendelssohn, Weber und Gaubert, mit welchem das Entdecken für viele wohl schon begann. Auch in den Sätzen hatten die Komponisten über die üblichen Bezeichnungen wie Allegro oder Scherzo hinaus variiert und »fremde Künste« einbezogen: Begnügte sich Carl Maria von Weber noch mit einem Andante espressivo, dem er ein »Schäfers Klage« voranstellte (also immerhin in der Musik blieb), hatte der französische Komponist Philippe Gaubert Trois Aquarelles vertont: »Par un clair matin«, »Soir d’Automne« sowie »Sérénade«.

Das Ensemble Bento entstand nach einem Treffen beim Kilkenny Arts Festival in Südirland, Eine Freundin lebte nicht weit von dort und nahm dieses pittoreske Spinnennetz auf, Photo: Stefanie Brußig

Der klare Morgen des ersten Stückes brachte die Kraft des Sommers mit, dessen Sonnenflimmern das Klavier zeichnete, während Flöte und Violoncello in führender Melodie den Tag kraftvoll bejubelten. Auch der Herbstabend des zweiten Stückes wahrte, nun mit vielen Wechseln der Anteile von Flöte und Cello, pittoreske Züge, während dem Klavier manche beruhigende Untermalung vorbehalten war. Doch weder der Abend noch der Herbst waren für Philippe Gaubert lau – das dritte Stück entwickelte sich geradezu ungestüm, fast aufmüpfig! Daß die Stimmen dabei so sauber und klar konturiert blieben, stützte die Begeisterung für das Stück.

Nach dieser Entdeckung war die Überraschung bei Carl Maria von Weber kaum kleiner. Zwar gehört sein Trio g-Moll Opus 63 zu den bekannteren Werken, wird aber durchaus nicht so oft präsentiert – Klavier- oder Streichtrios sind einfach weit häufiger als mit einer Flöte. Insofern konnte das Publikum seinen Spaß haben und hätte den Komponisten des »Freischütz« vermutlich auch dann erkannt, wenn er nicht auf dem Programm gedruckt gestanden hätte. Das »hinter dem Rücken« der Flöte vollführte Neckspiel von Violoncello und Klavier beendete das letztere mit einem eleganten Lauf – an sich umschlossen sich bei Weber die drei Stimmen dichter als bei Gaubert.

Mit dem Scherzo ließ Carl Maria nicht nur seine volkstümliche Seite und Opernstoffe durchblicken, er verteilte die Rolle des jeweiligen Sängers auch »gerechter«. Und siehe da – das Cello hatte einiges zu singen! Sabine Kittel holte sich ihre Flötenanteile aber, vom Pizzicato des Violoncellos kommentiert, zurück – so schlimm kann »Schäfers Klage« vielleicht doch nicht gewesen sein.

Nach der Pause stand Felix Mendelssohns Trio d-Moll Opus 49 auf dem Programm. Es ist ursprünglich mit einer Violine besetzt, und daß es »früher üblich« war, Violinen gegen Flöten oder Oboen zu tauschen, weil die Stimmlage paßt, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich daraus eine Schwierigkeit ergibt: während der Atem des Geigers (solange er geht), keinen direkten Einfluß auf die Bogenführung hat, muß der Flötist (wie die Flötistin) irgendwann Gelegenheit bekommen, Atem zu schöpfen. Das hatte Mendelssohn ursprünglich gar nicht konzipiert. Insofern ist es um so höher zu bewerten, daß Sabine Kittel diese Schwierigkeit nicht nur meisterte, sondern dabei eine saubere Phrasierung bot.

Zunächst war das Trio geradezu schwärmerisch verbunden, in den Mittelsätzen zeigten sie typische Mendelssohn-Qualitäten, den Liedcharakter oder die Luftigkeit, hervor. Das Finale spitzte die Dramaturgie noch einmal zu. Das Publikum war begeistert – zu recht – und bekam als Zugabe einen der schönsten Triosätze von Felix‘ Schwester Fanny: das Andante (Lied) aus dem Trio Opus 11.

2. März 2026, Wolfram Quellmalz

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