Jesu meine Freude

Kammerchor der Kreuzkirche Chemnitz a cappella in der Kreuzkirche Dresden

Während der Passionszeit war in vielen Kirchen Musik in Form von Konzerten oder Kantaten nicht erlaubt. Es galt, das Wort durch schlichtere Formen des Gesangs zu vermitteln, manchmal von einem Basso continuo begleitet, manchmal auch ohne diesen. Der Kammerchor der Kreuzkirche Chemnitz griff diese Tradition mit seinem Leiter, Kantor Steffen Walther, auf und präsentierte in der Dresdner Kreuzkirche a-cappella-Werke.

Steffen Walther schwor seinen Kammerchor vorab mit dem Kanon Dona nobis pacem ein. An den Beginn der Vesper aber hatte er Giovanni Pierluigi da Palestrinas »Descendi in hortum nucum« (»Zu meinem Nußgarten bin ich herabgestiegen«) gesetzt, in dem sich die Homogenität des Chores zunächst über den Verlauf kräftigte. Der zweite Palestrina-Titel, »Osculetur me« (»Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes«), tonal viel höher gelegen und auch im Charakter lichter, entfaltete mit seiner Schwebung eine beflügelnde Wirkung!

Nach den beiden Motetten aus dem 16. Jahrhundert spielte Kreuzorganist Holger Gehring Johann Gottfried Walthers großartige Choralpartita über »Jesu, meine Freude« auf der Wegscheider-Orgel und führte vor, welche Farben dort in den Registern versteckt sind. Zwischen zarten Flöten, dunklen, schattigen Variationen, figurativ umspielten und fröhlich strahlend »wanderte« das bekannte Kirchenlied, bevor es in einer prächtigen Fuge gipfelte.

Im verborgenen blühender Krokus empfängt die ersten Gäste, Photo: NMB

Daran schloß sich die wohl berühmteste Fassung von »Jesu meine Freude« mit Johann Sebastian Bachs gleichnamiger Motette (BWV 227) an. Das ausdrucksstarke Werk verlangte dem Chor alles Können ab. Der Kammerchor der Kreuzkirche Chemnitz konzentrierte sich auf dramatische Kernpunkte wie das »Trotz« (fünfte Strophe) und ließ die Spannung danach nicht abreißen. Das galt auch kürzere Textpassagen: »So aber Christus in euch ist« blieb, hier mit dem Wiegen der Zuversicht gestärkt, präsent.

Superintendent Christian Behr nahm das ursprüngliche Lied und dessen Entstehung nur fünf Jahre nach Ende der Dreißigjährigen Krieges zum Ausgangspunkt seines Wortes zum Sonntag und um eine Brücke zu schlagen zu unserer Zeit und der Situation jetzt.

Mit zwei weiteren Motetten, diesmal aus der Hand Max Regers, ging die Kreuzvesper zu Ende. Das »Agnus Dei« lief zielgerichtet auf seinen Kern, hier im Schlußwort »Jesu« festgehalten, zu, während das »Nachtlied«, geschlossen und zur Ruhe findend, die Gemeinde in den Abend entließ.

9. März 2026, Wolfram Quellmalz

Kommenden Sonnabend gestaltet das Dresden Consort und der Dresdner Kreuzchor die Kreuzvesper. Auf dem Programm stehen unter anderem Kompositionen von Wilfried Krätzschmar, Andreas Hammerschmidt, Henry Purcell, Heinrich Schütz und Thomas Tallis.

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