Himmlisch schön

Valer Sabadus, Christophe Dumaux und die Cappella Gabetta zelebrieren feinste Musik in der Frauenkirche

Andres Gabetta ist mit seinem Kammerensemble und verschiedenen Solisten regelmäßig in der Frauenkirche zu Gast, kennt den Raum also bestens. Darüber hinaus verfügt er aber über ein großes Einfühlungsvermögen, ist nicht nur kongenialer Begleiter, sondern versteht es auch, Musik schweben zu lassen. So wieder am vergangenen Sonnabend, als er nicht nur ein Concerto grosso Giovanni Benedetto Plattis (nach Arcangelo Corellis Violinsonate Nr. 10) und eine Sonata a quattro von Angelo Ragazzi Opus 1 Nr. 8 aus der Luft zu schöpfen schien. Fließend, strömend, von wunderbar weich und himmlisch wiegend (die Sarabande aus dem Concerto grosso) bis feurig reicht die Ausdruckspallette der Cappella, wobei sie auch in letzterem Fall in allen Stimmen durchhörbar blieb. Selbst in der Begleitung von Nicola Antonio Porporas »Salve Regina« perlte die Laute des Basso continuo – ein Fest für Hinhörer und Entdecker!

Das Hauptaugen- und -ohrenmerk aller (Musiker wie Konzertbesucher) galt an diesem Abend jedoch Valer Sabadus und Christophe Dumaux, welche sich gemeinsam mit der »Litanie per la Beata Vergine« Gennaro Mannas vorstellten. Strahlend ließ Sabadus seinen Sopran verströmen, während Dumaux‘ Alt nicht nur in der Stimmlage, sondern auch im Timbre deutlich dunkler gefärbt, dafür aber durchdringender war. Vielleicht hätte, zumindest für Manna, eine Altistin mit wärmerer Stimme noch besser zu Valer Sabadus gepaßt, vielleicht war es schlicht eine Frage der Disposition. Im Laufe des Abends glichen sich beide Sänger jedenfalls immer weiter an, fanden in Giovanni Battista Pergolesis »Stabat Mater« zu betörender Übereinstimmung.

Vor Pergolesi, der den glänzenden Schlußpunkt markierte, erklangen zwei unterschiedliche Vertonungen des Salve Regina – neben Porpora (Solist: Sabadus) Antonio Vivaldi (RV 618, Dumaux). Antonio Vivaldis Werk ist das sinnlichere, Christophe Dumaux‘ anschmiegsamer Alt unterstrich dies mit berührender Schlichtheit. Valer Sabadus beindruckte vor allem mit Mühelosigkeit, zudem konnte er innerhalb kürzester Intervalle große dynamische Räume durchschreiten – nicht immer bildete Strahlenglanz den Abschluß. Dabei fanden sie in der Cappella Gabetta eine angemessene Begleitung, welche selbst ein Streicherecho (Manna) fein zu artikulieren wußte.

Dem »Stabat Mater« galt die ganze Hingabe der beiden Solisten, die Cappella ließ schon ein einleitendes Unisono golden schimmern. Da Feinheit und Brillanz gleichermaßen verfügbar waren, konnten Sänger und Instrumentalisten sowohl Stimmungen beschwören, als auch dem Text unterlegte Akzente betonen. Wenn etwa die Last der Schuld, welche Jesus auf sich genommen hat, so schwer drückt, »daß sein Blut zum Himmel raucht« (Übersetzung des lateinischen Textes: Richard Wagner), dann wurde dieses vibrierend rauh fast greifbar. Gleich darauf schien sich die Musik mit »seine Seele von sich haucht« aufzulösen. So endet das Werk musikalisch (mit der Hoffnung der Seele auf das Paradies) mit (Hoffnungs-)Schimmer und einem in Noten gesetzten »So sei es« (»Amen«).

2. April 2017, Wolfram Quellmalz

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