Im Wechsel der Gemüter

7. Kammerabend in der Semperoper

Kammerabende des Tonkünstlervereines erfahren durch drei »Zutaten« eine besondere Färbung: Neben den in der Staatskapelle engagierten Musikern werden oft befreundete Kollegen eingeladen, regelmäßig erklingen Kompositionen von Kapellmitgliedern, und schließlich werden bekannte Werke in anderen Fassungen oder Besetzungen vorgetragen, als man sie sonst kennt. Im Sonntagskonzert waren alle drei Extras enthalten.

Jean Françaix ist nach seinem Jubiläum vor fünf Jahren wieder näher an den Konzertalltag gerückt. Gerade seine kleineren Stücke werden gern genommen, da sie etwas exotisch außerhalb des Standardrepertoires stehen, gleichzeitig aber zugänglich sind. Françaix hat Klänge gern durch besondere Kombinationen oder Spielanweisungen angeregt, so auch in seinem Trio für Flöte, Violoncello und Klavier. In leichtfüßigen Episoden läßt der Komponist hier die Instrumente »plaudern«, schafft einerseits eine enge Umklammerung der Stimmen, steigert aber durch Wechsel der Temperamente auch die Spannung. Eine Ausnahme ist sein relativ beruhigter zweiter Satz, den das Ensemble Bento (Klavier: Paul Rivinius als Gast, Sabine Kittel / Flöte sowie Anke Heyn / Violoncello) zart und beseelt wiedergab.

Doch so anregend dies war, fehlte dem Stück schließlich doch ein Kern, ein Kontrast, eine Schattenseite. Diese gab es mit Petr Popelkas »Kleiner Suite für Flöte, Violoncello und Klavier«, welche durch abgründige Welten mäanderte. Die »Suite« ist ein wenig ein Sextett, denn jeder der Spieler muß zumindest einmal kurz sein Instrument wechseln: Sabine Kittel griff zunächst zum Triangel, Anke Heyn zum Glöckchen. Sie kommentierten mit hellen und dunkleren Tönen die beiden Motive (dunkler und heller) des Klaviers. Nach dem Preludio kratzte Paul Rivinius im La danza notturna mit den Fingern auf den Saiten seines Flügels, statt sie anzuschlagen. Im Verbund mit den Triopartnern erstand so eine eigentümliche Klangwelt, als sei jemand (der »Erzähler«) nach dem Preludio eingeschlummert und höre die Musik entfernt in seinem Traum, durch Kissen und Wände gedämpft und verzerrt. Wunderbar, wie die drei Spieler hier mit Finesse in ihren Stimmen nach Tönen forschten! Sie Serenata schließlich klang geradezu grotesk, spukhaft, düster. Das Zerrbild eines Märchens, das endet, als bliebe eine defekte Spieluhr stehen. Kein bißchen weniger grotesk, nun aber jazzig belebt, folgt abschließend La Marcia – mit einem Trommelschlag des Pianisten.

Die harmonische Feinabstimmung des Trios kam nach der Pause Felix Mendelssohn-Bartholdys Trio Opus 66 zugute – eigentlich ein Trio für Klavier, Violine und Violoncello, diesmal jedoch übernahm die obertonreiche Flöte den Violinpart. Dabei blieb der innige Zusammenhalt der Stimmen erhalten, ohne daß die helle Stimme übermäßig an Gewicht gewonnen oder sich über die beiden anderen Instrumente erhoben hätte. Der Charakter des Stückes blieb hier nicht unberührt, was vor allem im vierten Satz auffiel, der in der Originalbesetzung intimer klingt. Der Elfencharme des Scherzos dagegen wird durch diese Besetzung sogar noch betont. Und: hier vermochte jedes der drei Instrumente zu singen!

27. März 2017, Wolfram Quellmalz

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