Musikalische Toleranz

Collegium 1704 beschließt Spielzeit mit Purcell und Byrd

Am Freitag fand bereits das letzte Konzert der Reihe Musikbrücke Prag-Dresden in der Annenkirche statt. In relativ kleiner Besetzung waren die Prager Musiker diesmal angereist bzw. zumindest nicht als ein Orchester, sondern in gleich vielen Gruppen: Violinen, Viola und Violoncello waren jeweils nur einfach besetzt, keine Bläser diesmal, dafür gab es eine üppige Continuogruppe mit zwei Lauten und Harfe (welche ebensooft solistisch hervortraten) sowie ein Gambenconsort. Auch der Chor war mit jeweils zwei Sängern pro Stimmlage (incl. Countertenören) kleiner als sonst, doch konnten Soli vielfältig besetzt werden. Gleichzeitig war eine Fünfstimmigkeit gegeben, wie sie für die Lieder und Anthems William Byrds und Henry Purcells benötigt wird.

Werke der beiden Komponisten erklingen hierzulande verhältnismäßig selten, was angesichts deren betörender Schönheit eigentlich gar nicht nachzuvollziehen ist – daß man Purcell zum Beispiel den »Orpheus Britannicus« nannte, kann man mit nahezu jeder Note nachvollziehen. Beide lebten übrigens in Zeiten, welche in bezug auf die Religion (anglikanischer Puritanismus versus Katholizismus) recht konfliktreich und wandelbar waren und haben teilweise Musik für beide Glaubensrichtungen geschaffen. Etwa, weil die Chapel Royal des Königs bzw. der Königin der einen und der Komponist selbst der anderen Religion angehörte.

Im Gegensatz zu den Programmen sonst mit meist einem oder wenigen Werken erklangen am Freitagabend verschiedene Lieder aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Geistliche, auf Psalmtexten beruhende Werke, aber auch (teilweise ein wenig freche) Kunstlieder, Anthems (Hymnen) und ein Lullaby (Wiegenlied). Immer wieder wechselte dabei die instrumentale und vokale Zusammensetzung – eine gute Gelegenheit, zu erleben, wie die Musiker des Collegiums andächtig aufeinander hören, wenn die einen pausieren und den anderen lauschen. Gleiches gilt für den Dirigenten Václav Luks, welcher in den Gesangsstücken Energien bündelte und hymnische Gesänge freisetzte, den eingeschobenen Instrumentalstücken aber zuhörte und Konzertmeisterin Helena Zemanová die Führung überließ.

Geradezu zwingend war schon Henry Purcells »Hear my prayer« (Höre mein Gebet, Z 15), dem nicht nur die pausierende Cellistin versunken folgte. Um so wirkungsvoller war die pure Freude des darauffolgenden »Rejoice in the Lord always« (Z 49) mit den Solisten Benno Schachtner (Countertenor), Václav Čížek (Tenor) und dem beindruckenden Hugo Oliveira (Baß). In Consort Songs von William Byrd konnten Helena Hozová und Barbora Kabátková (Sopran) sowie Rupert Enticknap (Countertenor) zusätzlich mit reicher Ausgestaltung prunken, wobei letzterer äußerst lebendig über anständige und törichte Frauen nachsann. Helena Hozová glitzerte in der Höhe dafür um so mehr (»La verginella«). Immer wieder bündelte Václav Luks die erfrischenden Einzelstimmen zu Quartetten oder einem charakteristischen, berührenden Chor.

Besonderen Zauber verströmten einmal mehr die Instrumentalisten in Phantasien und Sonaten, nicht allein durch die prominenten Lauten (Jan Krejča und David Bergmüller) und Harfe (Johanna Seitz). In den Liedern erwies sich das Gambenconsort (Vittorio Ghielmi, Salomé Gasselin, Christoph Urbanetz und Corinna Metz) als Untermalung von gesanglicher Qualität. Das Orchester wiederum fügte dem noch seine leuchtenden Farben hinzu, in den Sinfoniettas ebenso wie in der Begleitung. Manchmal meinte man fast, doch Holzbläser zu vernehmen.

Hymnisch war auch der Schluß vor der Sommerpause mit einer Wiederholung von Purcells »Hear my Prayer«.

21. April 2018, Wolfram Quellmalz

Die Jubiläumsspielzeit (die zehnte) der Musikbrücke Prag-Dresden beginnt am 23. Oktober mit Werken von Heinrich Ignaz Franz Biber und Jean-Baptiste Lully in der Annenkirche Dresden. Nähere Informationen unter: http://www.collegium1704.com

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