Rameau / Couperin

Clément Lefebvre legt erste Solo-CD vor

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Im Sommer meldete sich mit Clément Lefebvre ein weiterer junger Pianist auf dem CD-Markt. »Ein weiterer«? Es lohnt, hier genauer hinzuhören. Schon sein Programm macht neugierig: Suiten von Philippe Rameau und François Couperin. Schon wegen des Programms liegt der Vergleich mit Lefebvres Landsmann Alexandre Tharaud, der 2007 eine ganze CD mit Werken François Couperin vorgelegt hat, nahe. Übrigens hat Tharaud für die damals eine hoch gelobte Einspielung wie Clément Lefebvre einen Yamaha-Flügel verwendet.

Den Vergleich muß der junge Franzose nicht scheuen, weder in der Zusammenstellung seiner Auswahl noch in der Qualität. Ein wenig silbriger klingt Lefebvre manchmal, dafür etwas weicher, gedämpfter. Während sich Alexandre Tharaud dem Cembalo-Klang nähert, nutzt Clément Lefebvre das Potential des modernen Flügels stärker aus, ohne stark zu romantisieren – die Klarsichtigkeit geht den Werken niemals verloren.

Einen großen Teil der Spannung erzeugt er durch die gekonnt genutzten Kontraste, sowohl in der Folge der Kompositionen (Rameau / La Dauphine – Couperin / Stücke aus dem dritten und vierten Buch Pièces de clavecin – Rameau / Suite en la aus Nouvelle suites de pièces de clavecin) als auch innerhalb der Werke.

Francois Couperin (1668 bis 1733) und Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) waren zwar fast durch eine Generation getrennt, aber dennoch Zeitgenossen. Die beiden auf der CD enthaltenen Suiten bzw. Zusammenstellungen entstanden während der späten 1720er Jahre. Beide Komponisten waren herausragend, auch als Musiker, und damit individuell dem Zeitgeschmack enthoben – sie prägten ihn, nicht umgekehrt, insofern haben ihre Werke einen eigenständigen Charakter.

Jean Philippe Rameaus »La Dauphine« eröffnet den Reigen. Das Einzelstück, zur Hochzeit Maria Josephas von Sachsen mit Louis Ferdinand de Bourbon geschrieben, einem Anlaß, der die Tochter Friedrich August II. zur Dauphine (zur Frau des Thronfolgers) machte, ist ein perlendes Entré.

Rameau klingt manchmal ein wenig brillanter, während Couperin eine teilweise leicht schwermütige Gedankenfülle zu offenbaren scheint. Schon »Le point do jour« enthält einen »innensichtigen« Impuls, während das nachfolgende »Les Rozeaux« – einer der bekanntesten Sätze Couperins – in traumverhangenen Weiten entschwebt, aus denen den Zuhörer der Harlekin (»L’Arlequin«) weckt.

Charmant spielt Clément Lefebvre mit Virtuosität, läßt sie stets leicht daherkommen wie in »Les petits moulens à vent«, kostet aber auch die versunkene Selbstbespiegelung von »La Couperin« aus.

Die Allemande von Jean-Philippe Rameau schließt Lefebvre bei gleicher Tonart und im Gestus bündig an Couperins letztes Stück »Le dodo, ou l’amour au berceau« an. Berückend ist die Eleganz, die der Pianist in der Courante entwickelt, erst mit »Les trois mains« – und erneut mit großer Behendigkeit – wechselt er bedächtig das Temperament, daß er in »La triopmphe« wahrlich auskostet. Diesen Sinn für Stil, eben für Eleganz, beweisen Jean-Philippe Rameau und Clément Lefebvre noch einmal zum Schluß, denn nicht mit dem Jubel des Triumphes enden die Suite und die CD, sondern mit einer charmanten Gavotte, die sich in Variationen vollendet steigert.

Clément Lefebvre, »Rameau / Couperin«: Klavierwerke, erschienen bei evidence

7. September 2018, Wolfram Quellmalz

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