Faszinierende Solistin

Hilary Hahn und das Orchestre Philharmonique de Radio France im ersten Palastkonzert der Spielzeit

Mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France begannen am Sonnabend die zu den Dresdner Musikfestspielen zählenden Palastkonzerte. Vor allem war es ein großer Auftritt der amerikanischen Violinistin Hilary Hahn, die in den letzten Jahren unter anderem mit dem HR-Sinfonieorchester und Brahms bei den Musikfestspielen zu Gast gewesen ist. Diesmal hatte sie Jean Sibelius‘ Violinkonzert auf dem Programm, ein Standardwerk, das sie vor zehn Jahren – hochinteressant in der Kombination mit dem Violinkonzert Arnold Schönbergs – eingespielt hat. Ihr Ton ist klar, glasklar bis zur Fragilität zuweilen, füllt oft majestätisch eine Sphäre über dem Orchester aus.

In Sibelius‘ Violinkonzert reicherte Hilary Hahn diesen Ton um einen süßen Schmelz an, doch maßvoll, dem Charakter ihres Klangs treubleibend. Pure Süßlichkeit ersparte die Violinistin dem Werk. Dafür spendierte ihm das Orchester manche dunkle Tiefe oder Ferne. Mikko Franck, Musikalischer Direktor des Klangkörpers, suchte Ruhepunkte, die er als Basis nutzte, einen großen Klang aufzubauen. Auch wenn es manchmal etwas an Präzision fehlte, war dieses »Schöpfen« doch eindrucksvoll und entsprach dem Werk. Gewöhnungsbedürftig war eher, daß Franck nach rechts neben das Pult trat und sich den Instrumentengruppen zuwandte – Violoncelli und Kontrabässen hatte er dabei oft im Rücken, Hilary Hahn stand er als Partner genau gegenüber, nur das Pult trennte sie.

Dem Ausdruck oder der Dynamik schadete dies nicht, und doch waren Hilary Hahns Zugaben, Bach, das vielleicht noch größere Erlebnis. Einer zauberhaften Sarabande aus der Partita d-Moll mußte sie schließlich noch die Gigue anfügen – ein (Bach-)Rezital mit ihr zu den Musikfestspielen, das wäre doch etwas…

Mit Sibelius war übrigens noch lange nicht Schluß, denn Mikko Franck wählte den »Valse triste« seines Landsmannes später noch als Orchesterzugabe und Schlußpunkt.

Begonnen hatte der Abend französisch mit Maurice Ravels »Le Tambeau de Couperin«. Feinheiten und Detailgenuß, Klangsinn und prägende Rhythmen waren hier tonangebend. Mikko Franck wollte offenbar mehr, als nur die Formel »französisches Orchester spielt französische Musik« bedienen. Antreibend formulierte er die Prélude, ließ ihr eine Fourlane von großer Leichtigkeit folgen, schenkte dem Menuet Geruhsamkeit und stachelte das Publikum mit einem aufpeitschenden Rigaudon gleich zu großem Applaus an. Die französische Färbung kostete er fein aus, setzte dem Schimmer der Oboen einen subtilen Flötenklang entgegen (I. Satz), den II. prägten elegant die Klarinetten, während abschließend die Blechbläser für gehörigen Furor sorgten.

Den entfachten sie auch bei Beethoven. Die fünfte Sinfonie packte Mikko Franck mit straffen Tempi, aber gemäßigt, ließ die Ruhepunkte jedoch leider meist aus bzw. zu kurz kommen. Eine Ausnahme war der Einsatz der Hörner im Allegro con brio. Gerade die Hörner durften mehrfach eindrucksvoll »wetterleuchten«, das Orchester begeisterte mit einem geschmeidigen, dunklen Streicherklang. So blieben schließlich kaum Wünsche offen.

2. September 2018, Wolfram Quellmalz

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