Kantor Robin Gaede spielte Bach, Beethoven und Überraschungen
Seit 2024 ist Robin Gaede Kantor an der Christuskirche Strehlen. Bald schon rief er hier eigene Konzertreihen ins Leben, von denen »Neues und Altes Testament« die bisher vielleicht nachhaltigste Wirkung entwickelt und nach und nach ein Stammpublikum gewinnt. Das »Neue und Alte Testament« (immer am letzten Dienstag des Monats) macht Robin Gaede allerdings nicht an der Bibel, sondern musikalisch bei Bach und Beethoven fest.
Beide standen wieder am Dienstagabend auf dem Programm, zur zwölften Auflage der Reihe war es bei Beethoven sogar »pünktlich« die zwölfte Klaviersonate, doch auf solche Übereinstimmungen oder abgezählte Fakten kommt es gar nicht an, im Gegenteil: Robin Gaede hatte Musik ausgewählt, die er in der Stimmung als passend zur Weihnachtszeit empfindet, selbst wenn diese nicht immer thematisiert wurde.
Mit Präludium und Fuge Es-Dur aus Johann Sebastian Bachs »Wohltemperiertem Clavier II« (BWV 876) wurden zwei Elemente deutlich, die den Abend über prägend bleiben sollten, manchmal nacheinander, manchmal sogar gleichzeitig: Während das Präludium einem wogenden, allmählichen Fluß folgte, trat in der Fuge eine erhobener Singstimme klar hervor. Gerade dieses Betonen der Melodie- (oder Sing)stimme verwies stärker auf das Ende, das einen Erlösungsmoment in Noten gefaßt zu haben scheint. Für Robin Gaede stellte das Werkpaar die wachsende Freude und den Weihnachtssegen dar.

Mit Wilhelm Weismanns Partita über »Es ist ein Ros entsprungen« gab es die erste Überraschung des Abends, denn der Komponist und Musikwissenschaftler ist – zumindest in eigenen Werken – nahezu vergessen. Mit dem Liedthema beginnend, hat Weismann verschiedene Variationen über »Es ist ein Ros« angefertigt, zunächst mit Läufen, die das Thema umspielen. Die Stimmen werden jedoch zunehmend komplexer, so daß das Thema manchmal in den Hintergrund rückt. In der fünften Variation verband Robin Gaede Weismanns jazzige Auslegung mit einem Beethoven’schen Aplomb.
So stimmungsvoll und bilderreich blieb es nicht nur, es wurde mit Claude Debussys Suite bergamasque hinsichtlich der Bilder sogar reicher. Debussys Prélude ist gegenüber Bach freilich viel rhapsodischer, im Menuett wechselten fließende und pointierte Figuren. Das Mondlicht von »Claire de Lune« wurde bedachtsam immer heller, schimmernder.
Nach der Pause, zu der das Publikum zu einem kleinen Imbiß eingeladen war, stand das »Neue Testament« auf dem Programm. Im Scherzo von Ludwig van Beethovens Klaviersonate As-Dur (Opus 26) offenbarte sich dabei der originale Aplomb des Komponisten. Der Beginn hatte erneut bei einem liedhaften Thema und dessen Variationen gelegen. Das ließ an Mahlers Wunderhorn-Vertonung von »Bald gras ich am Neckar« denken, hob aber auch den Wechsel bzw. die Übergänge der Variationen das beschaulich ausklingende Ende hervor.
Das Scherzo – Allegro molto zeigte sich als Ausbund von Energie geradezu sprunghaft – eine Energie und Sprungkraft, wie man sie sich auch für den Jahresbeginn wünscht! Der dritte Satz offenbarte mit seinem Wandel im Trauermarsch, der einen hellen Moment (des Erinnerns?) einschließt, einen großen Kontrast, eine weite Anlage und einen großen Überblick. Wie schon Bach zuvor spendierte Beethoven seinen Zuhörern am Ende einen Moment der Aufhellung oder Erlösung. Solcherart durfte das folgende Allegro entspannt fließen.
Einem weiteren Prélude, diesmal von Sergej Rachmaninow, hatte Robin Gaede Rainer Maria Rilkes Zeilen zu »Advent« vorangesetzt, denn in Rachmaninows Stück fand der Kantor die geschriebenen Worte wieder. In der Tat ließ sich solches mit perlenden Läufen, Tupfen und hellen Blitzen (Schneeflocken, Lichter) imaginieren. So leicht und impressionistisch kennt man den Komponisten kaum – als träfen Rachmaninow und Debussy aufeinander!
Neben dem Imbiß hatte die Pause auch dazu gedient, dem Publikum Gelegenheit zu geben, die liebsten Weihnachtslieder zu notieren. Zum Abschluß improvisierte Robin Gaede eine Auswahl von »Maria durch ein Dornwald ging« bis »Oh du fröhliche« (zum Mitsingen). Obwohl dies schon die Zugabe war, genügte es noch nicht. Eine phantasievolle Improvisation von »Stille Nacht« mit jazzigen Anklängen beendete den Abend.
31. Dezember 2025, Wolfram Quellmalz
Nächster Termin von »Altes und Neues Testament«: 27. Januar, 19:00 Uhr, Gemeindehaus Dresden-Strehlen
Sehr schöner Text – und gerade diese Idee von „persönlicher Weihnachtsmusik“ trifft für mich einen Nerv. Nicht einfach nur das bekannte Programm runterspielen, sondern wirklich Stimmung schaffen: Bach mit innerer Ruhe, Beethoven mit Kraft und Spannung, dazu Überraschungen und Improvisation. Genau so entsteht dieser besondere Zauber, bei dem man sich als Zuhörer nicht „bedient“, sondern gemeint fühlt.
Als Pianist in Bayern liebe ich genau solche Momente: wenn Musik nicht laut sein muss, aber trotzdem den ganzen Raum trägt. Ob festlich zur Weihnachtszeit, warm im Hintergrund beim Empfang oder ganz nah und emotional bei einer Trauung. Diese Mischung aus klassischer Eleganz und persönlicher Note ist für mich das Schönste am Klavierspielen.
Wer in Bayern einen Pianisten sucht, der genau diese Atmosphäre auf ein Event bringt: http://www.event-pianist.com.