Noch einmal an der Krippe versammelt

Dresdner Kreuzchor schließt Bachs Weihnachtsoratorium ab

Am Sonnabend gingen in der Dresdner Kreuzkirche mit den Kantaten IV bis VI aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium die Andachten und Aufführungen der Weihnachtszeit zu Ende – einen Nachklang wird es bis zur Kreuzvesper zu Lichtmeß am 31. Januar noch geben. Die hohen Feiertage fanden mit den drei Teilen zum Fest der Beschneidung Christi (IV. Kantete) zum ersten Sonntag nach Neujahr (V.) und zum Epiphaniasfest (VI., 6. Januar) einen Beschluß.

Wobei dies – schließlich ist Weihnachten das Fest der Geburt Christi – einen Anfang im Ganzen darstellte. Zwischen Dankbarkeit (»Fallt mit Danken, fallt mit Loben«) und der Gewißheit froher Aussicht (»Nun seid ihr wohlgerochen«) spannten die drei Kantaten noch einmal auf, was zum Grundstein des Christentums führte.

Kantaten IV bis VI des Weihnachtsoratoriums mit dem Dresdner Kreuzchor und der Dresdner Philharmonie, Leitung: Kreuzkantor Martin Lehmann, vorn: Michael Mogl als Evangelist, Photo: Dresdner Philharmonie, © Oliver Killig

Kreuzkantor Martin Lehmann hatte den Chor dafür wieder in Form gebracht oder hat die Form gehalten, wie man wohl sagen kann, vom Solo des Echosoprans (Kruzianer Fritz Hedrich) bis zum Gesamteindruck. Der Kreuzchor schien dabei noch einmal fokussierter, nicht zuletzt wegen der Aufstellung der Stimmen. Die Soprane, die als Choral dem Rezitativ »Immanuel, oh süßes Wort!« gegenüberstehen, sorgten im räumlichen Zentrum der Bühne für einen geschlossenen, starken Eindruck, bewahrten sich dennoch den schlanken Klang.

Überhaupt kamen wesentliche Botschaften und durch Affekte unterstrichener Mitteilungen erneut vom Kreuzchor, der dabei einen souveränen, unaufgeregten, um kein Jota artifiziellen Eindruck vermittelte. Gerade diese Ausstrahlung von Licht und Ruhe vermittelte noch einmal das Weihnachtswunder, bei dem der Choral »Ich steh‘ an deiner Krippen hier« erneut zum Mittel- und Höhepunkt geriet. Gerade weil er (wie zuletzt) a cappella vorgetragen war, überragte er noch die instrumental ausstaffierten Chorteile und Choräle. Da hätte Martin Lehmann den folgenden Evangelistentext gar nicht so zügig anschließen sollen!

Zweiter Teil des Weihnachtsoratoriums in der Dresdner Kreuzkirche, Dresdner Kreuzchor, Kreuzkantor Martin Lehmann, Solisten: Joanne Lunn (Sopran), Britta Schwarz (Alt) und Michael Mogl (Tenor / Evangelist), Photo: Dresdner Philharmonie, © Oliver Killig

Dagegen schienen die Solisten diesmal gebremst oder nicht auf der Höhe. Am besten trat noch Altistin Britta Schwarz hervor, die im Terzett mühelos gegen Sopran und Tenor bestand – ihr »schweigt!« schien beinahe ultimativ. In der makellosen Verständlichkeit gab es bei ihr keine Abstriche, dennoch war eine Minderung des Glanzes gegenüber ihrer Normalform spürbar.

Oder war bei dem Quartett »der Wurm« drin? Henryk Böhm, ebensogut verständlich, konnte an seine Leitung im Advent, als er für zwei Aufführungen der Kantaten I bis III kurzfristig eingesprungen war, vor allem hinsichtlich der Gestaltung nicht anschließen, auch wenn er im genannten Gegenüber mit den Chorsopranen stark begonnen hatte – später schien er dagegen ein wenig atemlos. Sopranistin Joanne Lunn vermochte wie Tenor Michael Mogl nicht zu überzeugen. Beide klangen vor allem in der Höhe bemüht und ließen eine gestalterische wie teils intonatorische Sicherheit vermissen. So ging noch mancher Kontrast, wie die Gefahr für das Jesuskind durch Herodes, in Harmlosigkeit verloren.

Dafür waren viele Verläufe durch die Dresdner Philharmonie nicht nur farbig, sondern mit vielen Nuancen illustriert, wie der samtenen Auflösung nach den gesungenen Worten »des Todes Furcht« (Kantate IV), welche die Gefahr instrumental sogleich bannte.

Solopart in der Dresdner Philharmonie: Johannes Pfeiffer (Oboe), Photo: Dresdner Philharmonie, © Oliver Killig

Wie gewohnt stellten gerade die Oboen (Johannes Pfeiffer und Isabel Kern) als Duettpartner oder Echo (Isabel Kern als Oboenecho Fritz Hedrich gegenüber auf der Empore) wesentliche und tragfähige Stimmen. Gegenüber Konzertmeisterin Eva Dollfuß, die das bewährte Ensemble der Philharmonie anführte, war Brieuc Vourch als führende zweite Violine neu dabei. Er bestand nicht nur den stimmlichen Part in der Tenorarie »Ich will nur die zu Ehren leben« tadellos, sondern bewies zudem die Präsenz eines Stimmführers, der nicht nur eine Orientierung hat, sondern diese ebenso vermitteln kann, vom Eigenanteil des fugierten Duetts mit der Konzertmeisterin zu schweigen.

In Sachen Festlichkeit unterstrichen besonders die Hörner (Kantate IV) mit ihrer weichen Klangfärbung und die Trompeten im Glanz des festlichen Endes (VI) die Wirkung der Weihnachtsbotschaft. Neben dem KrippenChoral hatten die Trompeten mitgewirkt, den Eingangschor der sechsten Kantate zu einem weiteren Höhepunkt wachsen zu lassen.

11. Januar 2026, Wolfram Quellmalz

Am kommenden Sonnabend gestaltet das Vocal Concert Dresden unter der Leitung von Peter Kopp die Kreuzvesper.

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