Dem Himmel ein Stück näher

Mendelssohns »Elias« mit der Sächsischen Staatskapelle

Das Terzett »Hebe deine Augen auf«, mehr noch »Denn er hat seinen Engeln befohlen« gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Stücken Felix Mendelssohns, die in Wunschkonzerten immer wieder zu hören sind. Das letztere, eine Psalmvertonung (Psalm 91), hatte der Komponist ursprünglich als achtstimmige a-cappella-Mottete geschrieben, aber accompagniert auch für sein Oratorium »Elias« verwendet. Wenn man dieses derart »beflügelt« hört wie im Palmsonntagskonzert mit Daniele Gatti und der Sächsischen Staatskapelle Dresden, erhöht sich die Ausstrahlung sogar noch einmal.

Engelsterzett: Rosalia Cid und Maria König (beide Sopran), Michèle Losier (Alt), dahinter / verdeckt: Daniel Behle und Georg Zeppenfeld, Daniele Gatti, Im Orchester: Sebastian Fritsch (Konzertmeister Violoncello der Sächsischen Staatskapelle), Photo: Sächsische Staatskapelle, © Oliver Killig

Dabei beginnt das Werk eher dunkel mit der Schwere des Textes »So wahr der Herr, der Gott Israels lebet, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn«, dessen Bürde Baß Georg Zeppenfeld spürbar werden ließ. Doch mit dem erwachenden Orchester, den fein abgestuften Gruppen der Violen, zweiten Violinen, Bläser … wurde ein Atem spürbar, den Daniele Gatti in der zweiten Aufführung am Montag nicht mehr abreißen ließ. Vielleicht trug die entspannte Atmosphäre – der Chefdirigent schien glücklich mit seinem Orchester vereint – dazu bei, diesen Eindruck hervorzuheben oder zu unterstreichen.

So »erwachte« Elias zu großer Lebhaftigkeit, die ihm ein voller Orchesterklang mit dynamischen Verläufen verlieh, die aber immer klar und durchhörbar blieb. Ein Plus, das auch die Sänger und der Sächsische Staatsopernchor in bester Verständlichkeit für sich ummünzten. Dasselbe galt für die Solisten aus den Reihen des Chores. Elena Patsalidou, Maria König Sopran, Alice Hoffmann und Hyunduk Na Alt bildeten das Extraquartett, das den eigentlichen Solisten gegenüberstand bzw. zwischen Chor und Orchester für einen »Himmelseffekt« sorgte.

Daniele Gatti, Sächsische Staatskapelle Dresden, Photo: Sächsische Staatskapelle, © Oliver Killig

Kruzianer Aaron Maka (»Ich sehe nichts«) verstärkte diesen Eindruck aus dem Proszenium heraus sogar noch. Im eigentlichen Quartett überzeugten vor allem Rosalia Cid mit ihrem leuchtenden Sopran sowie Daniel Behle und Georg Zeppenfeld. Während der Bassist seine erfahrene Ausdrucksstärke mit Leichtigkeit ausspielte und dramatische Anleihen aus der Oper erkennen ließ, waren beim Tenor von Daniel Behle Anleihen sowohl beim Konzert wie der Oper und dem Liederabend erkennbar. Die Schlankheit vertrug sich wie die Dramatik nicht nur mit Mendelssohn, sie unterstrich die Rollen (Obadjah und Ahab) lebhaft – eine gewinnbringende Interpretation! Im Gegensatz dazu blieb der Eindruck von Michèle Losier matt. Sie bot weder Strahlkraft noch einfühlsame Wäre, so daß sich letztlich nicht einmal sagen ließ, ob sie nun eher Alt oder mehr Mezzosopran ist. Auch ihre Herbheit konnte Michèle Losier nicht nutzen, um einen besonderen Ausdruck zu unterstreichen.

Gesamtkunstwerk »Elisa«: Sächsische Staatskapelle, Sächsischer Staatsopernchor, Solisten, Photo: Sächsische Staatskapelle, © Oliver Killig

Doch der positive Eindruck überwog nicht nur, er sorgte auch dafür, »Elias« nicht in einzelnen »Nummern«, sondern als Gesamtkunstwerk wahrzunehmen. Das begann mit dem Chor »Hilf, Herr!«, der so viel heller und (wegen seiner Dynamik) zuversichtlicher klang als manches »Kyrie«, und schloß mehr als nur die oben genannten Engels-Gesänge ein. Immer wieder begeisterte gerade Georg Zeppenfeld als Elias mit einem geradezu flammenden Feuer, wie in »Rufet lauter! Denn er ist ja Gott«. Kurz darauf wiederum wandelte sich Elias zum berührenden Künder (»Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, laßt heut kund werden, daß du Gott bist und ich dein Knecht«). Kein Wunder, daß dadurch auch im Publikum eine große Ruhe spürbar war. Selbst zwischen den beiden Teilen des Oratoriums gab es nur ein kleines Räuspern. Im Finale schien Felix Mendelssohn beseligend an die Choräle Johann Sebastian Bachs anzuschließen.

31. März 2026, Wolfram Quellmalz

Das Palmsonntagskonzert wurde aufgezeichnet und ist am 8. Mai ab 20.03 Uhr auf MDR Klassik und MDR Kultur zu hören.

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