Ergötzliche Streichtrios

Meisterkonzert auf Schloß Albrechtsberg

Die Reihe der »Meisterkonzerte« bringt immer wieder Musiker nach Dresden zurück, die schon einmal beim Moritzburg Festival zu Gast gewesen sind. Violinist Noah Bendix-Balgley beispielsweise ist 2008 Konzertmeister der Festival Akademie gewesen, heute füllt er die gleiche Position bei den Berliner Philharmonikern aus. Auch seine beiden Partner Benedikt Schneider (Viola) und Sarah Wiederhold (Violoncello) sind regelmäßig als Solisten oder Stimmführer in großen Orchestern zu finden. Neben Studienkursen bei Christoph Poppen verbindet alle drei eine Liebe zur Kammermusik – einige Jahre bildeten sie gemeinsam mit Hed Yaron Mayersohn das Athlos-Quartett.

Für das Konzert am Donnerstagabend hatte das Trio drei Werke auf den Pulten liegen, die eines verband – der Charakter gehobener Unterhaltung. Während Festivalintendant Jan Vogler sonst gerne ein unbekanntes Werk mit einer Wiederentdeckung und einem »Klassiker« kombiniert, gab es dieses Mal also einen beinahe programmatischen Rahmen. Allerdings spiegelten die Stücke von Jean Françaix, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart in Anlage und Aussage den Divertimento-Charakter ganz individuell wider.

Jean Françaix‘ Streichtrio ist von einer unterhaltenden Leichtfüßigkeit geprägt, die man bei dem aus Le Mans stammenden Komponisten häufig findet. Was jedoch nicht bedeutet, daß er nur trivial geschrieben hätte und einem »Unterhaltungsschema« gefolgt wäre. Anders als die drei übrigen Sätze, welche Noah Bendix-Balgley, Benedikt Schneider und Sarah Wiederhold belebt und pointiert spielten, verströmte das Andante mit gedämpftem Duktus viel warme Gesanglichkeit.

Welten trennen das Werk jedoch vom Opus 9 Nr. 3 Ludwig van Beethovens. Voller Motivverquickungen beginnt es, überrascht den Hörer mit einer Komplexität, die man sonst eher im Quartett findet. Dem Trio gelang es, die Vergnüglichkeit zu bewahren, ein musikalisches Lächeln zu zaubern – trotz der »Schicksalstonart« c-Moll. Zart, eine friedliche Ruhe verströmend, gelang das Adagio con espressione. »Mit Ausdruck« bedeutet noch lange nicht, laut oder gewaltig zu spielen. Zart und beseelt ging das Trio nach einem versonnenen Scherzo und dem Finale auch zu Ende.

Nach der Pause stand Mozarts KV 563 auf dem Programm. Als einziges der drei Werke trägt es die Divertimento-Bezeichnung auch im Namen. Allerdings ging dem Trio hier leider das Maß verloren. Das flotte Tempo des Beginns behielten die Musiker leider fast bis zum Ende bei. Gehetzt klang Mozart zwar keineswegs, aber überbetont, überakzentuiert. Manche Phrasierung wirkte schärfer, als sie sollte, so kam dem Stück die Mozartische Gelassenheit abhanden. In den Variationen des vierten Satzes kam dies weniger zum Tragen, denn die Charakterisierungen können von den Gegensätzen der Stimmen profitieren. Vor allem bereitet es den drei Musikern offenbar nach wie vor keine Mühe, sich aufeinander einzustimmen.

Die dreistimmige Invention BWV 788 Johann Sebastian Bachs in der Fassung für Streichtrio war eine feine Zugabe, aber auch hier hätte man sich noch ein wenig mehr Gelassenheit gewünscht.

31. März 2017, Wolfram Quellmalz

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