Als wäre der Adventskalender durcheinandergekommen

ZDF-Adventskonzert in der Frauenkirche

Der Sonnabend hatte schon etwas Besonderes: die Weihnachtsmärkte waren geöffnet, das ZDF-Adventskonzert in der Dresdner Frauenkirche fand mit Publikum statt – beides gab es in den letzten beiden Jahren so nicht (gefühlt noch länger). Geblieben ist, daß in der kalten Jahreszeit Sänger mitunter kurzfristig absagen müssen – diesmal Piotr Beczała, für den mit dem Schweizer Mauro Peter aber ebenso kurzfristig Ersatz gefunden wurde.

ZDF-Adventskonzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der Dresdner Frauenkirche (von links): Matthias Wollong und Lukas Stepp, Übertragung auf dem Neumarkt, Kammerchor der Frauenkirche, Photo: Sächsische Staatskapelle, © Markenfotografie

Geblieben sind ein recht gemischtes Programm des Konzerts und die Rücksichten, die man bei Fernsehaufzeichnungen nehmen muß: Aufstell- und Moderationspausen, Mikrophone neu ausrichten, gegebenenfalls die Maske korrigieren. Dirigentin Marie Jacquot ließ nicht nur dies gelassen passieren, sie zeigte sich auch souverän im Umgang mit der Vielfältigkeit.

Davon hätte es aber durchaus weniger sein dürfen, immerhin heißt es ja auch »Adventskonzert«. Daß sich dann doch eine ganze Menge Weihnachtstitel darin fanden, schien nicht nur etwas »voreilig«, sondern wegen der Kleinteiligkeit der Programmpunkte auch durcheinander. Oder sollte man froh sein, daß zur Ouvertüre von »Hänsel und Gretel« (immerhin keine Weihnachtsoper) nicht noch die Hexe durchs Kirchenhaus flog?

Dirigentin Marie Jacquot, Solisten und Sächsischer Staatsopernchor, Mauro Peter, Photo: Sächsische Staatskapelle, © Markenfotografie

Vielleicht wird sich dereinst eine stringentere Programmgestaltung finden lassen, weniger Stücke, aber nicht nur in Sätzchen präsentiert zum Beispiel. Denn mit Antonio Vivaldis Gloria: »Gloria in excelsis Deo« gab es zu Beginn einen festlichen Einstieg, der vor Ort wie fürs Fernsehpublikum kaum schöner hätte sein können. Später zelebrierten Matthias Wollong und Lukas Stepp das Vivace aus Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen (BWV), schlank und agil nicht nur sie beide, sondern auch die Sächsische Staatskapelle mit einem herrlichen Basso-continuo-Kern – davon bitte mehr!

Mit dem Sächsischen Staatsopernchor gab es neben Vivaldis Gloria später noch Wolfgang Amadé Mozarts Credo aus der Krönungsmesse (KV 317), woran neben Mauro Peter noch Diana Damrau, Nicole Chirka und Martin-Jan Nijhof mitwirkten – freilich war es da schon recht »bunt« geworden. Diana Damrau hatte mit viel Vibrato »Erwache, frohlocke, o Tochter Zion« aus Händels Messias gesungen (deutsch mag es leichter verständlich sein, das englische Original ist schöner!), der liederfahrene Mauro Peter zeigte sich bei Max Reger (»Mariä Wiegenlied«) und Charles Gounod (»Noël«) von einer eher süß-romantischen Seite.

Für adventliche Stimmung sorgte Frauenkirchenkantor Matthias Grünert. Als Leiter des Kammerchors der Frauenkirche mit ruhigen a-cappella-Stücken (Michael Praetorius »Der Morgenstern ist aufgedrungen« und Hans Leo Hassler »Verbum caro factum«) sowie als Organist (César Franck »Grand Chœur, Sortie pour Noël«) – Praetorius‘ doppeltes Jubiläum (350. Geburtstag, 300. Todestag) hatte die Frauenkirche im eigenen Programm mehrfach begangen, wie auch das bevorstehende (200. Geburtstag) von César Franck am 10. Dezember. Vielleicht sollte das gastgebende Haus künftig mehr Verantwortung bei der Programmplanung übernehmen?

Dann zumindest hätte man die letzten beiden »Nummern« vermeiden können: René Kollo hat zwar in der vergangenen Woche auch ein Jubiläum gefeiert (85. Geburtstag) und tritt am Nikolaustag mit Jay Alexander in der Lukaskirche auf, doch sein Lied »Weihnachtsfriede« sowie das abschließende Weihnachtsmedley hatten kaum mehr als Fernsehunterhaltungsformat. Obwohl – so gerecht soll es sein – darin das volkstümliche »Midden in der Weihnacht« von Martin-Jan Nijhof ausgesprochen schön präsentiert wurde.

27. November 2022, Wolfram Quellmalz

Die Aufzeichnung des Adventskonzerts aus der Dresdner Frauenkirche wird am 11. Dezember 17:55 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Schon seit gestern kann man es dort in der Mediathek finden.

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