Das schlaue Gretchen

Kinderoper feierte Premiere auf Semper 2

Weihnachten gehört die Oper der Familie: Während auf der Hauptbühne der Semperoper der »Nußknacker« seine Runden dreht, gibt es seit Donnerstag auf Semper Zwei ein Angebot, daß sich speziell an Kinder ab acht Jahren richtet: die Junge Szene des Hauses hat Martin Smolkas »Das schlaue Gretchen« in einer Inszenierung von Andrea Kramer dorthin gebracht. Wobei es sich genaugenommen um keine reine Oper handelt, sondern eine Mischform mit vielen gesprochenen Texten. Die Musik spielt nicht immer, unterstreicht hier und da, malt mit Geräuschen aus, sorgt für Effekte, dazwischen singen die Akteure natürlich – keine großen Arien – sondern szenisch herausgewobene Passagen.

Rätsel lösen

Fünf winzige Menschen leben im hohen Gras und haben sich aus weggeworfenen Verpackungen von Kaffeekeksen, Orangensaftpackungen und Zahnpasta ein Schloß gebaut. Mit Streichhölzern, Garnrollen und Nägeln – für sie riesige Dinger – bauen sie sich, was sie brauchen, vom Roller bis zum Königsthron. Stefanie Stuhldreier (Bühnenbild und Kostüme) hat inclusive überdimensionaler Grashalmer eine phantasievolle Umgebung gebastelt, ein Schloß mit vielen Türen, Klappen und Rutschen, zudem läßt sich alles blitzschnell umbauen – großartig!

Gretchen (Larissa Wäspy), Fischersfrau (Sarah Alexandra Hudarew), Müller / Pferdehändler (Gerald Hupach), Fischer / Ochsenhändler (Rupert Grössinger), König (Alexander Ritter), Photo: Sächsische Staatsoper, © Ludwig Olah

Und was machen die fünf im Gras? Sie necken einander, streiten manchmal, lösen Rätsel. Oder spielen Rollenspiele, wie von einem König, der seinem Volk eine paradoxe Aufgabe stellt: jemand soll nachts, bei strahlender Sonne, langsam, aber ganz schnell zu ihm kommen ohne Geschenk, aber mit Geschenk …

Das schlaue Gretchen (Larissa Wäspy), die Tochter der Fischer, knackt die Nuß und fährt zum König (Alexander Ritter), den sie prompt von seinem Thron stößt – der König ist begeistert und nimmt sich Gretchen zur Frau. Lang geht es aber nicht gut, denn dem König fehlt das Geschick, sein Land zu führen oder – darum geht es ja – kluge Rätsel zu stellen und schlaue Antworten zu finden. Das wiederum kann Gretchen, der eine Lösung für die Situation einfällt.

Das Quintett vervollständigen Rupert Grössinger (Fischer / Ochsenhändler), Sarah Alexandra Hudarew (Fischersfrau) und Gerald Hupach (Müller / Pferdehändler). Alice Rossi vom Jungen Ensemble des Hauses sang zur Premiere die Partien Gretchens von der Seite, während Larissa Wäspy spielte und die Dialoge sprach. Thomas Leo Cadenbach leitete ein kleines Projektorchester.

So witzig vieles ist, in einem gelingt der Spagat nicht ganz: die Geschichte würde an sich mehr Turbulenz und Witz im Ablauf vertragen – oder mehr Spannung. Beides fehlt leider, und so fällt es zwar leicht, der Handlung und dem Text zu folgen, was gerade für die Kinder gut ist (zur Premiere waren auch einige unter acht Jahren dabei) dennoch ergeben sich immer wieder einige Längen – nicht glücklich bei einem Stück von gerade 55 Minuten!

Bühne und Kostüme gleichen dies jedoch teilweise aus, und manch witzige Idee sorgt für einen Spaß, an dem die ganze Familie teilhaben kann.

23. Dezember 2022, Wolfram Quellmalz

Martin Smolka »Das schlaue Gretchen«, Semper Zwei, Termine unter:

http://www.semperoper.de

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