Rosensonntag mit dem Dresdner Kreuzchor

Dresdner Kreuzvesper vor dem vierten Sonntag der Fastenzeit

Der vierte Sonntag der Fastenzeit wird auch Rosen- oder Brotsonntag genannt. In der Dresdner Kreuzkirche wurde der Vorabend wieder zu einem besonderen Ereignis. Kreuzkantor Martin Lehmann ließ sich diesmal von seinem Chordirigenten Sebastian Herrmann vertreten, an der kleinen Wegscheider-Orgel wechselten sich Kreuzorganist Holger Gehring für die liturgische Musik und Sebastian Knebel ab, der mit dem Dresden Consort den Dresdner Kreuzchor begleitete.

Bereits zum Einzug phantasierte Holger Gehring über »Jesu meine Freude«, was im Verlauf im Thema und auch inhaltlich wiederkehren sollte. Wilfried Krätzschmars Introitus für den Sonntag Laetare erinnerte als Wiederbegegnung an den ersten Jahrgang der neuen, vom Kreuzchor in Auftrag gegebenen Einleitungen. Aufsteigend in der Melodie bereits im ersten Vers steigerte sich der zweite Abschnitt im Wechsel zwischen den asymmetrischen Teilchören in immer hellere Gefilde und erreichte vor dem Lobpreis (»Ehre sei …«) einen starken, geschlossenen Klang. Diese beeindruckende Homogenität ist derzeit nicht das einzige Merkmal des Dresdner Kreuzchores.

»Madonna im Rosenhag«, anonyme Kopie nach Martin Schongauer (Ölfarbe auf Holz, 44,3 x 30,5 cm, Mitte 16. Jahrhundert), Isabella Stewart Gardner Museum, Boston, Bildquelle: Wikimedia commons

Besonders schön ist es, wenn Jubilare nicht nur gelegentlich bzw. anläßlich einmalig bedacht, sondern wenn sie nachhaltig gewürdigt werden. Im Fall von Andreas Hammerschmidt ist eine Tradition wieder aufgegriffen worden, von der man nur hoffen darf, daß sie weiter gepflegt wird – Hammerschmidts Œuvre ist zu wertvoll, es wieder beiseite zu legen. »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz« (aus: »Sechsstimmige Fest- und Zeit-Andachten«) sowie »Kommet her zu mir alle« (aus »Musicalischer Andacht, Erster Theil«) waren zwei Beispiele dafür, vom Dresden Consort vielfarbig mitgestaltet. Daß Kruzianer immer wieder und immer öfter solistisch mitwirken, ist man mittlerweile gewohnt, aber daß die Soprane Gustav Haenchen und Benjamin Morgenstern für »Kommet her zu mir alle« auf die Stütze eines Dirigats verzichteten, war höchst ungewohnt. Hut ab vor der Initiative und dem Mut, zumal es mit einem Gelingen verbunden war!

Es ging vergleichbar weiter, denn auch bei Leonhard Lechner (»Dieweil Gott ist mein Zuversicht«, aus: »Neue Geistliche und Weltliche Teutsche Lieder / mit fünff und vier Stimmen«) war ein kleines Solistenensemble eingebunden. Der helle, schwebende Charakter profitierte besonders von der Homogenität des Chores. »Mein süße Freud auf Erden« (ebenfalls von Leonhard Lechner, aus »Newe Gaistliche und Wellttliche Teutsche Gesanng sampt zwayen Lateinischen«) ergänzte die stimmungsvolle Musik um die Facette besonderen Kirchenliedgutes, das auf schlichte Weisen zurückgeht.

Holger Gehring hatte bereits in der Vorwoche eine Choralpartita über »Jesu, meine Freude« gespielt. Dem Werk von Johann Gottfried Walther fügte er nun eine Schwesterkomposition von Friedrich Wilhelm Zachow an, in der sich erneut farbige Register mit Solo- und gemischten Stimmen abwechselten und in ein freudvolles Tutti mündeten.

Mit einem Chorsolisten, Valentin Seifert (Bariton), und Henry Purcells »An Evening Hymn« (Abendlied) ging es in beeindruckend dunkler Farbe, aber einem Aufwärtsgestus weiter. Franz Richter und Adam Eckhardt (Baß) belebten die versetzten Zeilen in »Fürchte dich nicht« (SWV 296) von Heinrich Schütz, bevor Thomas Tallis (noch aus der Generation vor Purcell) mit der Motette »If ye love me« den Aspekt der Freude durch hymnischen Ausdruck vertiefte.

Als wäre das nicht genug Spannweite gewesen, fügte der Kreuzchor zum Abschluß romantische Titel an: Der weihevolle Charakter Albert Beckers »Einen anderen Grund kann niemand legen« wuchs aus dem von den Männerstimmen getragenen Beginn, in den sich nach und nach die höheren einmischten. »Komm, Trost der Welt« von Christian Lahusen schloß, nun noch einmal a cappella geboten, den ganzen Trost ein, bevor einem weiteren Jubilar der Vorjahre, Charles Villiers Stanford, mit »Nunc Dimittis« (»Herr, nun lässtest du deinen Diener«) mit seinem berückend geschlossenen Klang die letzten Worte vorbehalten blieben. Der Klang schien sich zu öffnen, und mit einer belebenden Dynamik erneut in hymnische Sphären vorzustoßen.

16. März 2026, Wolfram Quellmalz

Die kommende Kreuzvesper gestalten der Philharmonischer Chor Dresden und Iris Geißler (Leitung) mit Kompositionen von Ernst Friedrich Richter, Johann Kuhnau, Georgius Bardós, Anton Bruckner, Heinrich Kaminski, Antonio Lotti, Zoltán Kodaly, Felix Mendelssohn, Johann Sebastian Bach und Knut Nystedt, Orgel: Kreuzorganist Holger Gehring, Liturg: Pfarrer Holger Milkau

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