Musica Affecta Prag zu Gast
»Con spirito« wollte die Sächsische Mozartgesellschaft am Ostermontag ihrem Publikum Musik präsentieren, wobei das musikalische Mittel »Con spirito« nicht nur für den »Geist« oder »geistvoll« steht, sondern auch für die lebhafte Begeisterung, die es auslöst. Musica Affecta aus Prag wußten diese auf alten Instrumenten zu vermitteln, also eigentlich ein wenig vor der Zeit Mozarts, aber gerade noch dessen Kindertage berührend.
Anna Mazáčková (Traversflöte und Leitung), Hana Kohout (Blockflöte), Filip Zaykov (Barockvioline), Lukáš Hrnčárek Barockvioloncello) und Markéta Vepřeková (Cembalo) spielten vor allem in den führenden Melodiestimmen in wechselnder Besetzung und begannen eine Generation vor Mozart bei Carl Philipp Emanuel Bach. »Er ist der Vater, wir sind die Buben« hatte Wolfgang Amadé anerkennend über den fortschrittlichsten der Bach-Söhne gesagt. Die Triosonate d-Moll (H. 569 / Wq 145) war nicht nur ein Beispiel der Gattung, die an diesem Abend schöne Blüten vorzeigte, es sorgte mit den luftigen Stimmen von Flöte und Violine, wobei ersterer die größeren Höhen zugestanden blieben, für eine musikalische Erfrischung im Blauen Saal des Schlosses. Sich spiegelnde Melodieverläufe paßten zu dessen Inneneinrichtung, die Gelassenheit des Ausdrucks und elegant bemäntelte Virtuosität (Flöte) standen für die Epoche der empfindsamen Musik.

Der Stil wird heute oft nur als Übergang zwischen Barock und Klassik gesehen, auf jeden Fall war er noch prägend in Mozarts Kinderjahren und nahm bereits Elemente der Romantik voraus. Wolfgang Amadés Sonate für Cembalo, Flöte und Violoncello weist schon die Werkzahl, KV 12, als Frühwerk, wenn nicht Kinderstück aus. Ein hübsches Werklein, das die gastgebende Gesellschaft einbezog, dennoch spürte man, daß es noch nicht an Mozarts spätere Kompositionen oder Carl Philipp Emanuel Bachs Triosonate heranreichte.
Dagegen war Johann Sebastian Bach, mit dem es gleich zwei Generationen zurück ging, auf der Höhe seines Schaffens. Seine Violinsonate G-Dur (BWV 1021) lebte vor allem von der Gesanglichkeit der langsamen Sätze und der virtuosen Schau des abschließenden Presto, während das Vivace an zweiter Stelle eher einem Intermezzo glich – sonst ist es oft umgekehrt, die langsame Einleitung hat dann eher die Funktion eines Préludes. Die »kleine« Sonate stellt aber hohe Ansprüche an die Spieler, und so ging dem Ensemble beim Notenblättern kurz der direkte Anschluß und Fluß des letzten Satzes verloren.
Nach der Pause durfte Vater Bach als einziger sogar noch ein zweites Mal erklingen. Triosonaten waren damals schon beliebt, weil sie neben zwei führenden Melodieinstrumenten den Basso continuo gleichberechtigt einbezogen. Die Beliebtheit führte zu vielen Bearbeitungen, in diesem Fall war die Sonate ursprünglich für Orgel entstanden (BWV 525), wurde nach C-Dur, A-Dur und B-Dur transponiert und erfreut sich in der Rekonstruktion (BWV 1039) großer Beliebtheit. Nicht nur, weil die drei Stimmen sich auf verschiedene Instrumente übertragen lassen (neben Flöten und Violine ist die Oboe ein Favorit), sondern wegen ihrer Kantabilität – dem Thomaskantor und Schöpfer vieler Kantaten begegnet man immer wieder instrumental-gesanglich.
Diese Qualität oder Eigenart spielte Musica Affecta auch an anderer Stelle aus: Mit Jan Dismas Zelenka und Johann Georg Benda hatte das Prager Ensemble nicht nur zwei böhmische Komponisten im Programm, sondern zwei, die nach Sachsen bzw. Dresden kamen und sich dort niederließen (Benda ging später nach Berlin). Zelenkas Sonate für Oboe, Fagott und Basso continuo, hier mit Travers- und Blockflöte präsentiert, zeigte die beiden Instrumente im Gleichklang, in der Schwebung, die bei Annäherung entsteht, sowie im kontrastierenden Gegenüber. Bendas Sonata Nr. 1 für Traversflöte und Cembalo wiederum verband die Eleganz der Empfindsamkeit mit den durchaus noch spürbaren Effekten der Virtuosität, aber auch der Pausen, die Aufmerksamkeit fordern.
Als krönenden Abschluß hatte sich Musica Affecta eine weitere Triosonate aufgehoben. Der zu Lebzeiten deutlich über Bach geschätzte Georg Philipp Telemann zeigte in F-Dur (TWV 42.F8) eine erstaunliche Geschlossenheit von Blockflöte und Violine, fast schon sinfonisch!
7. April 2026, Wolfram Quellmalz
Die Sächsische Mozartgesellschaft lädt ab 8. Mai zum Sächsischen Mozartfest ein.