Zwischen Tradition und Zukunft

Nachgeholt: Konzert des Mozart-Vereins Dresden

(Diese Veröffentlichung hat sich wegen der vorrangigen Berichterstattung für die Tageszeitungen und Reisetätigkeit leider etwas verzögert.)

Laienchöre und -orchester sind ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil der Musiklandschaft. Sie können auf eine große Zahl Mitglieder blicken und sind in Netzwerken organisiert. Für die Beteiligten bedeutet dies einen regelmäßigen wöchentlichen Termin des gemeinsamen Musizierens, darüber hinaus werden sie aber auch öffentlich wirksam.

Der Mozart-Verein zu Dresden e. V. wurde bereits 1896 gegründet, kann also über eine Tradition von 130 Jahren bzw. zwei Jahrhundertwenden zurückblicken. Nicht nur in seinem Festjahr ist das Orchester des Mozart-Vereins in einem Frühjahrs- und einem Herbstkonzert zu erleben.

Veranstalterplakat

Bereits am vorletzten Wochenende gab es dazu in Dresden Gelegenheit (18. April: Himmelfahrtskirche Leuben, 19. April: Meißen, Vorkonzert am 29. März in Radebeul). Wobei das schöne an solchen Konzerten ist, daß der eigentliche Zweck des gemeinsamen Musizierens oft noch mit einem anderen verbunden wird, denn die Konzerte des Traditionsvereins sind oft Gelegenheiten für junge Talente zu öffentlichen Auftritten.

Am Sonnabend in der Himmelfahrtskirche waren gleich drei davon zu erleben: Eliana Esther Rovner (11 Jahre) und Philip Soldatov (12 Jahre) besuchen das Sächsische Landesgymnasium für Musik, Yevheniia Holubiatnykova (12 Jahre) das Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden.

Sie hatten sich anspruchsvolle Literatur auf die Notenpulte gelegt, also solche, die technische Virtuosität ebenso verlangt wie Ausdruckskraft. Das Orchester des Mozart-Vereins ließ am Nachmittag unter der Leitung von Vladyslav Vorobel zunächst seinen Namensgeber aufleben und spendierte mit der Ouvertüre zu »Figaros Hochzeit« eine musikalische Erfrischung. Doch gleich darauf gab es mit Yevheniia Holubiatnykova ein »Schwergewicht« unter den Violinkonzerten, Satz 1 aus Max Bruchs Opus 26. Die junge Violinistin schenkte aber nicht nur den auffälligen Herausforderungen die nötige Aufmerksamkeit, sondern auch der kantablen Einleitung.

Gehört Max Bruchs erstes Violinkonzert zu den absoluten Publikumslieblingen (auch unter Violinisten, was den Komponisten einst verdroß), ist Musik von Henryk Wieniawski eher Kennern ein Begriff. Sein Scherzo tarantelle ist ohne Vorspiel, kommt sozusagen von null auf hundert, was für das Orchester nicht weniger eine Umstellung bedeutet (zudem mit wenig geläufiger Literatur). Eliana Esther Rovner meisterte die Sprünge und Läufe des Scherzos mit tänzerischer, behender Leichtigkeit. Noch ein Vorteil solcher Konzerte: man hört Stücke, die im Konzert selten zu erleben sind. Teils, weil der Aufwand für die Orchester groß ist, teils, weil sich Solisten nach dem Studium nicht mehr heranwagen oder eine intensive Vorbereitung wie im Studium kaum noch realisieren können.

Philip Soldatov ließ in diesem Sinne Dmitri Kabalewskis Violinkonzert C-Dur folgen. Auch hier »funkte« es von Beginn an, standen sich Tremoli, Spielfiguren des Solisten und üppige Orchesterfarben gegenüber. Den festlichen Abschluß, Wolfgang Amadé Mozarts Sinfonie Nr. 31, konnten wir leider nicht mehr hören, sondern mußten zum Abenddienst aufbrechen (Rezensentenschicksal).

28. April 2026, Wolfram Quellmalz

Die nächsten Gelegenheiten, das Orchester des Mozart-Vereins zu erleben, gibt es im Herbst, am 7. und 8. November. Genaueres zu den Spielorten und dem Programm wird auf der Internetpräsenz des Mozart-Vereins rechtzeitig veröffentlicht:

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