»Nimmer wird mein Schloß dir hell«

Ausstellung »Bilderwelten« von Lieselotte Theil-Hurshell fängt Musik ein

Auf gleich drei Ausstellungen in Prag und Dresden kann die in Wien geborene Bildende Künstlerin Lieselotte Theil-Hurshell derzeit stolz blicken. Am Dienstag wurde die jüngste, »Bilderwelten«, im Amtsgericht Dresden eröffnet. Dort sind neben neuen Werken auch solche zu sehen, die nach dem Umzug der Hurshells nach Sachsen bzw. Dresden entstanden, im Erzgebirge etwa, im Gößner-Stollen, oder auf der Baustelle der Frauenkirche. Steine gehören zu jenen Themen, die es Lieselotte Theil-Hurshell angetan haben. Das besondere bei ihr: sie malt nicht nach Skizzen oder Photos, ihre Gemälde entstehen vor Ort, werden dadurch noch einmal stärker vom diesem Ort beeinflußt. So wie auf der Baustelle der Frauenkirche. Die Künstlerin war während des Wiederaufbaus die einzige, die sich dort aufhalten, über die Gerüste klettern durfte – mit Farben, Leinwand und Staffelei.

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen: »Stadt unter Wasser« von Lieselotte Theil-Hurshell, Photo: privat

Die Zeugnisse von damals sind jetzt im Erdgeschoß des Amtsgerichtes zu sehen. Weiter oben in der vierten Etage wird es musikalischer, besonders zur Vernissage am Dienstag. Denn die Ausstellungseröffnung wurde von Musik begleitet. Das Elbhang-Quintett ist sozusagen das hauseigene Ensemble (mit Sabine Meng und Clara Jacob / Violine, Petra Dahm / Viola, Sebastian Schellong / Violoncello und Philip Socher / Klavier), denn die Musiker sind hauptberuflich als Juristen tätig. Sie spendierten dem Anlaß einen Musik vor allem von Georg Gershwin. Der liegt dem Quintett nahe, weshalb einige Titel den Weg ins Programm fanden (»Swansee«, »The man I love«). Nun hat Lieselotte Theil-Hurshell ausgerechnet (noch) nicht nach Gershwin gemalt, sondern nach Wagner, Strauss, Liszt oder Berlioz – quasi »passend für den Ort« wurde der »Weg zum Schafott« für den Titel des Ausstellungsplakates ausgewählt. Das Elbhang-Quintett bezog sich dennoch direkt auf die Bilder bzw. deren Inspirationsquellen, spielte »Elsas Brautzug« aus Wagners »Lohengrin« und fand für »The man I love« eine Bearbeitung mit einer Tristan-Einleitung (!).

Die Musik ist aber für die Künstlerin mehr als nur Inspiration oder Ausgangspunkt. Ihr Mann, der Dirigent und Musikwissenschaftler Michael Hurshell, offenbart ihr mit Hintergrundmaterial und Noten jeweils vertiefte Einblicke in die Werke, bevor das Malen beginnt. Dann, im Pirnaer Atelier, beginnt der eigentliche Prozeß: »Wenn im Atelier die Klänge aufblühen, beginnt der Pinsel wie von allein seinen Weg zu finden«, sagt Lieselotte Theil-Hurshell.

Das war auch bei Béla Bartók so. Daß »Herzog Blaubarts Burg« die einzige Oper des Komponisten blieb, führt Michael Hurshell auf ein fatales Fehlurteil der Jury zurück, die das Werk zunächst ablehnte, sonst hätte uns der Komponist, der sich leider vom Urteil beeinflussen ließ, einige weitere Opern geschenkt, ist sich Hurshell sicher. Seine Frau hat die sieben Räume der Burg Blaubarts, in die Judith blickt, im Bild festgehalten. Eine Folterkammer, eine Waffenkammer, eine Schatzkammer, einen Tränenteich

Das Elbhang-Quintett vor einer Arbeit der Künstlerin »Feuer« (zum »Ring« Richard Wagners), Photo: NMB

Was in der Musik düster, gefährlich und geheimnisvoll ist, hat Lieselotte Theil-Hurshell mit ihren Farben in Szene gesetzt, durchaus mit Licht, obwohl Blaubart zu Judith sagt »Nimmer wird mein Schloß dir hell«, doch legt sie die zwiespältige Welt des Herzogs und seine Verführungskraft offen. Selbst der verborgene Garten, zunächst farbenreich schön, läßt deutlich ahnen, daß das Rot nicht einer Blüte entstammt, sondern auch hier nichts anderes als Blut ist.

Am faszinierendsten ist vielleicht die siebente, dunkelste Kammer, in der Judith Blaubarts Frauen findet – lebend oder in der Erinnerung? Von der Seite betrachtet verändert sich die Farbgebung, aus blau wird grau, dafür treten die Gesichter gespenstisch reliefhaft hervor. Daß der Bartók-Zyklus ausgerechnet im Bereich des Familiengerichts hängt, sei als Fußnote nachgetragen.

Holger Schindler, Präsident des Amtsgerichts, und Staatsministerin Barbara Klepsch (Grußwort) freuten sich am Dienstag, der Reihe Kunst und Justiz einen Ausstellung hinzufügen zu können, in der sich zwei Künste ganz besonders verbinden. Die Musik scheint in den an der Wiener Schule des Phantastischen Realismus angelehnten Bildern weiterzuklingen.

22. April 2026, Wolfram Quellmalz

Bis 30. September: »Bilderwelten«, Arbeiten von Lieselotte Theil-Hurshell im Amtsgericht Dresden, Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 8:00 bis 16:00 Uhr, Freitag 08:00bis 14:00 Uhr

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