Junges Musikpodium gastiert erstmalig bei den Dresdner Musikfestspielen
Alle zwei Jahre treffen sich Schülerinnen und Schüler des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik Dresden mit Kommilitonen aus verschiedenen Konservatorien Frankreichs und Italiens für einen Workshop »Barock Biennale« im Veneto. Schüler aus Castelfranco und Matera gehörten bereits ebenso zum Jungen Musikpodium Dresden – Venedig (JMP) wie sogar aus Litauen, 2025 waren Straßburg und Livorno neben Dresden stark vertreten. Die Konzerte im Anschluß an den Workshop in Dresden fanden diesmal nicht kurz nach dem »Barock Biennale« oder im Herbst statt, sondern wurden ins Folgejahr und diesen Monat verlegt. Nach einer öffentlichen Probe in der Villa Rothermundt durfte die Musik am Freitag zunächst für den Kreis der Förderer und Freunde an einem ganz besonders geschichtsträchtigen Ort erklingen, der Schloßkapelle, wo Heinrich Schütz einst gewirkt hatte. Am Sonntag gab es eine Wiederholung im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele im Palais im Großen Garten – da fiel es schwer zu entscheiden, welches Konzert oder welcher Ort der bedeutendere war.

Das Palais zumindest entspricht stärker den Palazzi des Veneto, wo Antonio Vivaldis Musik einst zuerst erklungen ist. Doch auch andere Orte haben eine Bedeutung für das JMP, denn die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) beherbergt heute viele originale Werke und Abschriften von Antonio Vivaldi und anderen Komponisten. Gabriele Pro, der Maestro di violino und Künstlerische Leiter des JMP, hatte eigens für die aktuelle Ausgabe eine Notenausgabe von Johann Georg Pisendels Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo in g-Moll (JunP I.1) aus den Handschriften der SLUB für das JMP eingerichtet. Es erklang in den Konzerten als Wiederaufführung in unserer Zeit.
Vor allem trugen aber das Orchester des JMP und seine Solisten bei. So übernahm Tabea Klein die Führung für Johann Friedrich Faschs Konzert für Violine und Orchester D-Dur (FWV L:D5), das mit zwei Hörnern (Arthur Klein und Simone Bortolus) bereits ein wenig Jagdatmosphäre verströmte. Neben den kleinteiligen Figuren der Solovioline gehörte eine kantable Passage mit Bläserbegleitung im Mittelsatz zu den Besonderheiten Faschs.

Johann Joachim Quantz hatte einst, in Dresden beginnend (später Potsdam / Berlin), die Flöte auf ein neues Niveau gehoben. Lara Charlotte Langbein und Victoria Bianchini führten dies mit dialogisierenden Stimmen im Konzert für 2 Flöten und Streicher g-Moll (QV 6:8a) vor. Das Amoroso con sordini (Satzbezeichnung) entwickelte bereits deutlich den galanten Stil, bevor auch Quantz in der Manier à la Vivaldi virtuos abschloß.
Die Alumna des JMP, Benedetta Zanotto, zeigte an diesem Vormittag ihre Vielseitigkeit in drei Arien. Natürlich hatte Antonio Vivaldi mit »Or che cinto ho il crin d’alloro« (aus »Giustino«, RV 717) sowie »Leggi almeno tiranna infedele« (aus »Ottone in Villa«, RV 729) den Vortritt. Im ersten Fall freut sich der General eines Heeres, mit Lorbeer geschmückt, auf seine Thronbesteigung, was Benedetta Zanotto in den Koloraturen frohlocken ließ. Die Hörner trugen dazu bei, die Situation mit typischen Crescendo-»Rampen« auszumalen. Ungewöhnlich, aber authentisch war Gabriele Pro als Primus inter pares – er stand mit seiner Violine vor dem Orchester, dirigierte, spielte aber gleichzeitig (auch ohne dezidierte Solistenrolle) mit.

Im zweiten Opernausschnitt litt Cajo Silio schmachtend an der Treulosigkeit eines Tyrannen – in typischer Largo-Manier und mit einem feinen Orchesterpiano, durch das die Laute von Maestro und Mentor Ivano Zanenghi perlte, war dies einer der Höhepunkte des Konzerts.
Zumindest in der Tiefe des Ausdruckes, denn in Sachen Virtuosität überboten ihn Gabriele Pro und das JMP sogleich mit Pisendels anspruchsvollem Konzert. Benedetta Zanotto zeigte sich noch einmal von einer anderen Seite in Georg Friedrich Händel »Agrippina« (HWV 6). »Come nube che fugge dal vento«, die Arie Neros, enthielt einigen Aufruhr und vielleicht auch Provokation (Neros gegenüber der Kaiserin Agrippina).

Ob bei Antonio Vivaldi die Largo-Sätze die schönsten sind, konnte man am Ende im Concerto für Violine und Orchester F-Dur RV 569 schwer sagen, denn Nikolai Litsoukov spielte sowohl die virtuosen Ecksätze (mit Hörner à la chasse) als auch das fließende Grave derart souverän und ausdrucksvoll, daß man sich mit einiger Verwunderung erinnern mußte, hier noch einen Schüler zu hören und keinen Meisterstudenten vor dem Abschluß.
Im kommenden Jahr will das JMP wieder zu seinem Workshop nach Italien aufbrechen. Alberto Busettini (General Manager des JMP) hat bereits viele Ideen, wie es sich dort entwickeln kann. Danach (Sommer in zwei Jahren) soll das JMP auch wieder nach Dresden kommen – wenn es genug Freunde für die Finanzierung findet. Die Leitung und Stefan Heinemann (Präsident des JMP) arbeiten daran.
Das Publikum wollte die jungen Musiker am Sonntag nicht eine Zugabe ziehen lassen. Hoffen wir, daß das JMP nicht wie das kleine Boot springend im Meer umhergeworfen wird, wie es Adelaide, in Händels Oper »Lotario« erzählt. Als Zugabe, noch einmal mit Benedetta Zanotto, gelang die Arie »Scherza in mar navicella« köstliche!
8. JUni 2026, Wolfram Quellmalz
Das Junge Musikpodium freut sich über Freunde und Spender!