Kilian Nauhaus beim Dresdner Orgelsommer
Den dritten Sonnabend des Orgelsommers in der Dresdner Kreuzkirche bestritt Kilian Nauhaus von der Französischen Friedenstadtkirche Berlin (Französischer Dom). Er hatte für den Termin, der naturgemäß viele Neugierige und Touristen anzieht, Repertoireklassiker von Johann Sebastian Bach mit Werken von Komponistinnen und Komponisten kombiniert, die man eigentlich mit dem Klavier oder der Kammermusik verbindet.
So konnte Fanny Mendelssohns Präludium F-Dur überraschen – nichts weniger als ihre eigene Hochzeitsmusik (mit dem Maler Wilhelm Hensel) war dies. Über stehendem Baß stimmt das Präludium ein frohes choralartiges Thema an, in dem Kilian Nauhaus die Leuchtkraft von Fanfarenmotiven mit schwimmenden Klängen der Romantik verband.
Mit Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitung »Schmücke dich, oh liebe Seele« (BWV 654) präsentierte das Programm danach ein echtes Choralthema, zudem war das Stück als »Fänger« für das (Gewohnheits)publikum bestens geeignet. Das gesangliche Thema, bedächtig vorgetragen, vermittelte gleichzeitig den innigen Charakter des Chorals.

Nach solcher Innigkeit konnten Robert Schumanns Harmonien für einen Moment geradezu spröde erscheinen. Doch Langsam, nach und nach schneller und stärker (Nr. 1) sowie Mit sanften Stimmen (Nr. 3) aus den Sechs Fugen über den Namen BACH (Opus 60) vermittelten Schumanns bedachtsamen Bach-Zugang und wuchsen in der Strahlkraft.
Wem das zu gering schien oder zuwenig Aufwind hatte, der fand solchen in Bachs »Wo soll ich fliehen hin« (oder »Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not«, aus den Schübler-Chorälen, BWV 646), das mit einer eingängigen Melodie für einen luftigen, erfrischenden, also belebenden Eindruck sorgte.
Auch Clara Schumann hat sich mit Orgelmusik auseinandergesetzt, als sie sich gemeinsam mit ihrem Mann (erneut) mit Kontrapunktik beschäftigte. In diesem Zusammenhang hatten sich beide einen Pedalflügel kommen lassen und Robert seine Studien in Canonischer Form (Opus 56) geschrieben. Präludium und Fuge d-Moll aus Opus 16 (Nr. 3) gehören zu Claras Beiträgen und hatten spürbar einen Choralbezug (oder Ähnlichkeit im Duktus von »Wer nur den lieben Gott läßt walten«). Kilian Nauhaus bewahrte insofern also einen Bachnachklang, denn Johann Sebastian Bach war für Clara und Robert Schumann oft ein zentraler Punkt der Auseinandersetzung.
So durfte eine weitere Choralbearbeitung des Meisters, »Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter« (»Lobe den Herren, den mächtigen König«, BWV 650) nicht fehlen. Erneut blieb der sommerlich-frohe Eindruck erhalten – ein programmatisches Gegengewicht oder eine spektakuläre Entdeckung ganz anderer Art als Ergänzung wäre durchaus wünschenswert gewesen.
Kilian Nauhaus blieb allerdings konsequent bei seiner Betrachtung von Bach und den Romantikern und fügte Felix Mendelssohns zweite Orgelsonate (c-Moll, Opus 65 Nr. 2) an. Ein kräftiger, energischer Zugriff verband sich darin mit großer Ruhe, aber auch Leuchtkraft.
Einen »Ausbruch« gab es dennoch, als Zugabe: Franz Schuberts Ständchen »An die Musik« (D 547).
20. Juli 2026, Wolfram Quellmalz
Am kommenden Sonnabend spielt Jens Wollenschläger (Tübingen) im Orgelsommer der Dresdner Kreuzkirche.