Jahresabschluß von Orgel plus in Altkaditz
Natürlich läßt sich ein Musikfreund nicht von einem Regenguß erschüttern, und sei er noch so kalt. Erst recht nicht, wenn es eines der Konzerte »Orgel plus« in der Emmauskirche Altkaditz betrifft, schließlich gibt es nur drei Termine im Jahr, die mag man ungern verpassen. So zumindest dachten am Freitag offenbar viele, denn trotz aufkommenden Regens waren so viel Besucher da wie sonst auch, die Gemeinde hatte für das gesellige Beisammensein danach diesmal drinnen in der Hinterkirche alles hergerichtet – die alte Linde draußen, die sonst ein Dach dafür bietet, hat sich über den Regen sicher gefreut.
Diesmal gab es das bisher wohl größte »plus«, denn mit dem Ensemble Tresonare waren nicht nur gleich drei Musiker zu Gast, sie multiplizierten zudem die Anzahl der Stimmen: Elke Voigt, Kantorin an der Martin-Luther-Kirche, spielte die Orgel und sang, Bariton Clemens Heidrich übernahm außer den Liedtexten das Vorlesen von Gedichten Hermann Hesses, Cellistin Juliane Gilbert wechselte ebenfalls einmal zur Continuoorgel – auch dieses Orgel plus gab es erstmalig. Schließlich erklangen sogar noch Flöte (Juliane Gilbert) und die Schellen eines Tamburins (Clemens Heidrich).
Am Freitag stellte Tresonare ihr Programm »zeitvermählte sommerklänge« vor, das – mit Variationen – hier und da bereits erklungen ist und auf CD erschien. Eine kleine Überraschung gab es gleich zu Beginn, denn das Programm wurde von einem Ausgang eröffnet, César Francks Sortir in F-Dur an der Orgel (Elke Voigt), das fröhlich gegen den zunehmenden Regen tönte. Auch Claudio Monteverdis Laudate Dominum, von Clemens Heidrich vorgetragen, stärkte den positiven, zuversichtlichen Eindruck.
Clemens Heidrich war außerdem für die Rezitationen verantwortlich, und trug Sommergedichte oder solche, deren Stimmung zum Sommer paßte, von Hermann Hesse vor. »Nachts, wenn das Meer mich wiegt«, »Eine Stimme singt in der Nacht« oder »Abends gehen die Liebespaare« setzten zwischen den Musiktiteln lyrische Gegenpunkte.
Die reine Musik umschloß Johann Sebastian Bach (Prélude aus der Cellosuite d-Moll, im Gegensatz zu den anderen Titeln nachdenklicher, sowie Quia fecit mihi magna aus dem Magnificat), Heinrich Schütz‘ »Ihr Heiligen, lobsinget dem Herrn« (SWV 288), aber auch Claudio Monteverdis »Venite, venite«. Für die Begleitung standen neben der großen Orgel die kleine und das Cello zur Verfügung, wobei sich die Continuoorgel noch in Sachen »Flötigkeit« mit einer echten Blockflöte maß. Jean Langlais‘ Agnus Dei war einer der beeindruckendsten Teile, zudem führte er mit Violoncello als Baß gleich zum nächsten über, denn zum Programm des Ensembles Tresonare gehörten Improvisationen über verschiedene Themen (»Psalm 67 »Fürchte dich nicht«, Choral »Verleih uns Frieden«).
Das war fast ein »Überplus«, jedoch kam gerade diese Mischung bei vielen gut an. Nach dem fröhlichen Ausklang (Hans Leo Haßlers »Tanzen und springen«) sowie der Zugabe (Abendsegen aus »Hänsel und Gretel«) blieben viele noch für Gespräche.
22. August 2026, Wolfram Quellmalz

CD des Ensembles Tresonare zum Programm