Moritzburg Festival verweilte an der Donau
Was macht das musikalische Potential von Flüssen aus, die in diesem Jahr beim Moritzburg Festival (MBF) die Programmtitel vorgeben? Die Landschaften und Regionen, durch die sie fließen, oder die Städte, die sie verbinden? Die Donau durchzieht nicht nur die Pannonische Tiefebene oder die Wachau, sie fließt auch durch Städte wie Bratislava, Budapest oder Passau. Wien allein schon gibt viel Musik vor – da waren beim MBF zwei Abende schnell ausgefüllt.
Nachdem am Dienstag Mozart, Brahms und Schubert vorgelegt hatten, zeigte der Mittwoch, daß neben dem Aspekt der Regionalität die Zeit große Unterschiede offenbart: 150 Jahre umspannte die Entstehungszeit der Werke, was sich gleichwohl weltumwälzend anfühlte.
Dabei war schon Wolfgang Amadé Mozart seiner Zeit voraus, schien doch sein weit in die Romantik gelehntes spätes Streichquintett D-Dur (KV 593) schon die Klangwelt Franz Schuberts zu eröffnen. Claire Wells und Fiona Khuong-Huu (Violinen), Nicholas Swensen und Lars Anders Tomter (Violen) sowie Andrei Ioniță (Violoncello) fügten dem wegen drohenden Regens in die Kirche verlegten Konzert mit Mozarts Quintett das erste Genußmittel bei. Mit einem Andante-Prélude beschworen sie einen goldenen Ton, der die Stimmen innig verschlang (wie in Schuberts Quintett mit zwei Violoncelli), wonach freilich die einzelnen Stimmen bis zum Paar der Violen immer feiner ausgearbeitet waren. Dem Cello von Andrei Ioniță kam eine Sonderrolle zu, denn nicht immer stand es im »Kreis« mit den übrigen Streichern, sondern ihnen im Kontrast gegenüber, wenn es zum Beispiel dunkel einen Rhythmus punktierte. Das gelöste Spiel der Stimmen war typisch Mozart, der hier der ersten Violine manches Sologezwitscher gönnte, aber für ein schönes Gegenüber in zwei Alt-Lagen (wieder die Violen) gesorgt hatte.
Der »Sprung« zu Béla Bartók »Kontraste« für Violine, Klarinette & Klavier schien danach gewaltig. Auf Mozarts verspielten und gediegenen Witz folgte eine große Expressivität. Guido Sant’Anna sorgte gleich zu Beginn für Pizzicati, die gleichermaßen rauh und sanft sein konnten, während die Klarinette von Julian Bliss dem wilden auf und ab virtuoser Sprünge die Krone aufsetzte. Anton Gerzenberg streute zunächst rhythmische Fixpunkte ein, ließ den Klang im zweiten Stück (Pihenö / Ruhe) zunächst hintergründig donnern, bevor er den Klang schärfer ausformte und – nun als hellen Donner – trillern ließ. Julian Bliss behielt als »Vorturner« nicht nur in einer Kadenz die Oberhand bzw. war die Hauptattraktion des Trios.

Wiewohl solche Kategorien oder Rangstufen in der Kammermusik kaum gelten. Das zeigte nicht zuletzt Johannes Brahms‘ Klavierquintett f-Moll (Opus 34), für das Cellist Jan Vogler einen überdurchschnittlichen Probenaufwand bekannte. Gemeinsam mit Anton Gerzenberg, Guido Sant’Anna sowie Hina Khuong-Huu (Violine zwei) und Lars Anders Tomter fand er in Brahms wechselhaften ersten Satz sowohl die schwärmerische Hingabe als auch eine aufgewühlte, (freudig) erregte Stimmung.
Das grenzte teilweise schon ans sinfonische und offenbarte bis in Pizzicati Kontraste von hell und dunkel, als sich im zweiten Satz Guido Sant’Anna und Jan Vogler in unterschiedlichen Lagen (auf beiden Instrumenten) antworteten. Das melancholische Tropfen gönnte der zweiten Violine gar ein Pause, bevor die Schwärmereien im dritten einen Höhepunkt erklommen.
Das verlangte von den Interpreten alles ab, und manchmal vereinzelten die Stimmen ein wenig, zudem waren manche (Klavier) sehr herausgehoben, als habe sie Bartóks Expressivität angesteckt. Doch spätestens im letzten Satz stellte sich der gewohnte, dicht gefügte Quintettklang wieder ein. Zuvor hatten die fünf im Scherzo gezeigt, wie man ein Tempo immer wieder steigern kann, ohne in zügellose Raserei zu verfallen.
Der Mitteldeutsche Rundfunk hat das Konzert im Rahmen des ARD-Radiofestivals übertragen. Dort kann es in der Audiothek nachgehört werden (ARD Sounds)