Akademie mit Orchesterqualität

Montagskonzert des Moritzburg Festivals

Einst kamen in der Langen Nacht viele Trio- und Quartettformationen der Moritzburg Festival Akademie zusammen und das Publikum konnte einen Preis wählen. Das war sogar noch etwas originalere Kammermusik als heute mit dem kürzeren Programm und meist größeren Formationen. Das Wetter trug dennoch zu einem Quentchen Originalcharakter bei, denn wegen ausgesprochener Kühle und Regengefahr zog das Montagskonzert in den Ersatzspielort der Moritzburger Kirche um.

»So herum« konnte es allen eigentlich recht sein, denn noch am Vortag war das Picknick im Park von Schloß Wackerbarth von einer Absage verschont geblieben, als es rechtzeitig – und hier mit einem Programm kleinerer Ensembles – zu regnen aufgehört hatte. Um die 500 Besucher (!) hatten sich vom grauen Morgen nicht abschrecken lassen – ein schöner Erfolg!

Immerhin feiert die Moritzburg Festival Akademie ihr zwanzigjähriges Bestehen in diesem Jahr. Insofern gab es auch am Montag kein wirklich kurzes Programm, sondern sechs Werke höchst unterschiedlicher Besetzung und teils ungewohnter Art.

Edvard Griegs Suite »Aus Holbergs Zeit« gab gleichzeitig, das sollte sich mit Beethoven am Schluß wiederholen, einen Einblick in die Orchesterarbeit der Akademie, die am Sonnabend beim Konzert im Kulturpalast im Mittelpunkt stehen wird. Die beherzte Darbietung war keine Serenade zum Einschlummern, sondern zum Aufwachen! Mit bärigen Kontrabässen und teils scharfen hohen Streichern erfuhr die Suite ein ungeahntes Temperament. Gleichzeitig stellten sich mit Angelina Dong und vor allem Miranda Isbitts zwei engagierte Konzertmeisterinnen vor.

Edvard Grieg mit den Streichern der Moritzburg Festival Akademie, vorn Angelina Dong (links in blau) und ihr gegenüber Miranda Isbitts (mittig in schwarz), Photo: MBF, © Oliver Killig

Einundvierzig Akademistinnen und Akademisten gibt es in diesem Jahr, von fünf Kontinenten und aus vielen Ländern. Manchmal ergeben sich zufällige Schwerpunkte, wie mit einem spanischen Hornquartett: Natasha Dryden Silva, Álvaro Padín Rosal, Pedro Mullor Boix und Irene Sala Zornoza stammen alle von der Iberischen Halbinsel, studieren aber an verschiedenen Hochschulen. Sie boten Franz Strauss‘ Stücke für Hornquartett, in dem sich Fanfarenmotive und Waldromantik verbanden. Temperament war gefragt, der Kantabilität eines Quartetts fehlte nur hier und da ein wenig die Gleichzeitigkeit.

Dmitri Schostakowitsch hat in Dresden eigentlich immer einen Bonus. Seine Zwei Sätze für Streichoktett Opus 11 wurden, da ebenso emotional wie differenziert geboten, entsprechend gewürdigt. Gleichzeitig ist das Frühwerk stets eine interessante Repertoirebereicherung, verrät es doch bereits viel über Tonsprache und Motive des Komponisten.

Nicht nur in den Streichern ein starker Jahrgang – Moritzburg Festival Akademie, Photo: MBF, © Oliver Killig

Wolfgang Amadé Mozarts Fantasie f-Moll (KV 608) gehört auf der Orgel zu den gern gespielten Werken des gebürtigen Salzburgers. Schließlich hat »Wolferl« ausgerechnet für eines seiner eigenen Instrumente wenig Notiertes hinterlassen. Das ursprünglich für eine Flötenuhr geschriebene Stück ist daher für Organisten ein willkommener Ausgleich, fand aber auch viele (zeitgenössische) Bearbeiter. Hannah Rauch (Flöte), Elisa Kiess (Oboe), Anna Marija Kubecka (Klarinette), Viktoriia Saienko (Fagott) und Pedro Mullor Boix (Horn) boten als Bläserquintett eine ausgefeilte und ausgewogene Variante, die einzelne Stimmen ebenso fein hervortreten ließ, wie die fugierten Abschnitte eng verknüpft blieben.

Mit Carl Schuberth (Allegro moderato aus dem Streichoktett E-Dur Opus 23) und Jean Françaix (Quintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott & Horn) standen zwei Exoten auf dem Programm, die auch eine kleine Umbesetzung vertrugen: Um die Einsätze der Akademisten gerecht zu verteilen, durfte Gabriel Jose Rodriguez Martinez mit dem Kontrabaß anstelle eines Violoncellos übernehmen. Den führenden Bogen spielte noch einmal Miranda Isbitts, bevor Daniël Spies (Flöte), Viola Weiskopf (Oboe), Yeomin Yun (Klarinette), Louisa Sieveke (Fagott) und Natasha Dryden Silva Françaix‘ pfiffiges Quintett belebten.

Temperament und Vehemenz kann man den Akademisten in diesem Jahr bei jeder Gelegenheit attestieren. Manchmal dürfte es dennoch weniger sein – Max Bruchs Finale. Allegro molto aus dem Streichoktett B-Dur fehlte ein wenig die sinfonische Gediegenheit, die dem Stück innewohnt, bzw. war sie vom spielerischen Übermut übertrumpft.

Beethoven in Bläserbearbeitung – wie oft durfte dennoch ein Kontrabaß mitwirken, Photo: MBF, © Oliver Killig

Mit Ludwig van Beethoven hatten schon die ersten Akademie-Jahrgänge Berührung. Das Andante cantabile sowie Finale. Allegro molto aus der Sinfonie Nr. 1 C-Dur (Bearbeitung für Bläser von Georg Schmitt, 1817) war beinahe eine Harmoniemusik. Am Sonnabend gibt es die Akademisten dann wirklich sinfonisch.

18. August 2026, Wolfram Quellmalz

Konzerttip: »Alles im Fluß«, 22. August, 19:30 Uhr, Kulturpalast, Moritzburg Festival Akademie, Albrecht Mayer (Oboe), Josep Caballé Domenech (Dirigent), Werke von Smetana, Mozart (EA), Wagner und Schumann

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