Musikalische Vesper mit Michael Hasselt in Loschwitz
Dem Gesang war Francesca Caccini in vielen ihrer Werke gefolgt, wie Gedichtvertonungen. Um so schöner, daß der Charakter der Verse in der Übertragung auf das Cembalo nachempfunden blieben! Variable Tempi, Quasi-Atempausen und Betonungen schienen die Worte »Maria dolce Maria, come soave tanto …« zu halten, obwohl sie nicht gesungen waren. Dazu verfügt Michaela Hasselts Instrument – außen schlicht schwarz nur mit einer Zierlinie – über einen satten, reichen und goldenen Klang. Die Spielerin entfachte damit eine Fülle der Darstellungskraft, wie in der Beherztheit, die das Madrigal gewann.

Nach dieser Innigkeit des Gesangs öffnete mit Leonora Duartes Sinfonia 2 à 5 de duodesimi toni (ebenso eine Bearbeitung) ein mehrstimmiger Klang heller Akkorde den Erlebnisraum nicht einfach, , als habe jemand die Tür zum Licht aufgerissen! Offene Akkorde und Übergänge zwischen gemäßigten und schnellen Satzteilen sorgten zusätzlich für eine Bereicherung.
Mit einer anonym überlieferten Toccata e Passacagli per cembalo blieb die Tür des Erlebnisraumes weit offen. Die Toccata, von einem kurzen Prélude eingeleitet, spendierte den Zuhörern jenes typische Perlen, das man zwar erwarten konnte, das trotzdem um einige Grade angenehmer Volltönigkeit erweitert war. Die Passacaglia – im Vergleich zur freieren Ciaconna der Form nach strenger, entwickelte danach eine verblüffende tänzerische Freizügigkeit und eine Kantabilität vor allem in den Obertönen.

Berühmte Komponistinnen, Teil 2, links: Anton von Maron: Portrait von Marianne Martinez (Marianne von Martines, 72 x 55 cm, circa 1780), Haydnhaus Wien, rechts: François de Troy: Portrait von Elisabeth Jacquet de la Guerre (Ölfarbe auf Leinwand), Verbleib unbekannt, Bildquellen: Wikimedia commons
Pfarrer Christian Lehnert nahm im Andachtsteil Bezug auf die Sinnlichkeit des Lebens und einen sinnenfreudigen Glauben, was er mit dem Hörerlebnis verband, nicht zuletzt dem filigranen Klang des Cembalos.
Dieser Klang, ebenso typisch wie das »silbrige« darin, wurde in Marianne Martinez‘ Sonate da cimbali in G hörbar. Damit stellte Michaela Hasselt neben drei berühmten Komponistinnen des Programms eine solche vor, die manchen vielleicht, wenn überhaupt, nur dem Namen nach bekannt war. Ihre Musik zu hören war um so erfreulicher, offenbarte sich darin doch nicht einfach nur ein lokales Zeitkolorit, das sie im Umfeld Mozarts einordnen ließ (die Wienerin wurde zwölf Jahre früher geboren), sondern eben jener filigrane, feingliedrige Klang, wie er aus der Zeit der Empfindsamkeit hervorgegangen war. Gleichzeitig schien das Andante nicht nur einen Moment des Innehaltens darzustellen, sondern eine innere Frage (oder gar eines Nachrufs) wie man ihn in manchen Sonaten Mozarts findet. Das Allegro assai schloß Michaela Hasselt ausgesprochen lebensfroh und mit einem Nachdruck.
Élisabeth Jacquet de La Guerre zählte damals wie heute zu den bemerkenswertesten Komponistinnen ihrer Zeit mit einem umfangreichen Œuvre in verschiedenen Gattungen. Darunter zwei Bücher mit Cembalo-Suiten. Eine der Suiten, »L‘ inconstante« (die Wankelmütige), vergoldete mit seinen quicklebendigen (filigranen) schnellen und den volltönenden langsamen Sätzen die knappe Vesperstunde. Besonders stark fielen der tänzerische, aber mit Impetus vorgetragene Courante, die beschwingte Gigue sowie die freizügige Chaconne mit einer einfallsreichen Variationsvielfalt aus – so schön kann der Wankelmut also sein!
15. August Wolfram Quellmalz
Nächste Musikalische Vesper in der Loschwitzer Kirche: 28. August, Gamben und Stimmen, mit Christiane Gerhardt (Leitung)