Mittendrin spektakulär

Asamkirche München bietet für Auge und Ohr höchsten Genuß

Was macht man zwischen zwei Besuchen der Münchner Opernfestspiele [unsere Berichte zu »Alcina« und »Rusalka« folgen in den nächsten Tagen nach der Erstveröffentlichung in der Tagespresse] an einem freien Tag, vor allem: Abend? Man geht ins Konzert. An sich ist das Angebot derzeit nicht mehr so groß wie sonst, die meisten Bundesländer haben die Ferien längst begonnen, viele Theater und Konzertveranstalter sind in der Sommerpause. Doch ein paar Veranstalter, vor allem Kirchen, bieten dafür Extras.

Vor vielen Jahren hatten wir während unserer alljährlichen München-Besuche die Asamkirche kennengelernt. Ein spektakuläres Beispiel für die effektvolle Architektur des Spätbarock. Hier gibt es eine Reihe »Musiksommer«, die reizvoll schien. Natürlich kann sich hinter solchen Titeln auch ein Touristenangebot minderer Qualität verbergen, doch zeigte sich schnell, daß die Beteiligten ernsthafte, ambitionierte Musiker sind und die Programme täglich wechseln.

Markus Wolf und Stefan Moser im Konzert in der Asamkirche München, Photo: NMB

Am Mittwoch gestalteten der Konzertorganist und -cembalist Stefan Moser und Markus Wolf, Konzertmeister des Bayerischen Staatsorchesters (das wir in den beiden oben genannten Aufführungen erlebten) eine konzentrierte Stunde und einen bis in die Besetzung abwechslungsreichen Abend. Denn jeder der beiden Musiker trat solistisch auf, dazu wechselte Stefan Moser »lückenlos« zwischen Cembalo und Orgel. Statt Pausen in den Übergängen spielte Markus Wolf jeweils einen Satz Johann Sebastian Bachs.

Mit Bach und Mozarts galt das Gros des Programms zwar zwei der berühmtesten Namen, doch mit Evaristo Felice Dall’Abaco stand gleich einer der »berühmtesten unbekannten« Komponisten am Anfang. Für Gelegenheitsbesucher absolut nicht geläufig, gilt er Alte-Musik-Freunden doch als einer der größten seiner Zeit. Seine Sonata Nr. 4 Opus 1 a-Moll erwies sich denn auch als Schau- oder vielmehr Hörstück, denn es vereinigte die zwitschernde Violinstimme mit der Ruhe eines stetigen Basses. Ob die Violine eher nach Lerche oder nach Sopranistin klang, war wohl eine Frage der Auffassung und des Temperaments (oder der Erfahrungen mit Singvögeln und Sopranistinnen). Das Cantabile lebte nicht nur von der Stimme allein, sondern von einem klangvollen Rhythmus.

Johann Sebastian Bach spendierte einen großen Mittelteil des Programms, zunächst mit der Sarabande aus der Solopartita Nr. 2 / BWV 1004). Das andächtige Schreiten, das dem Werk allein schon innewohnt, war hier noch um eine Noblesse bereichert, einen Klang, der sich im Raum entfaltete – in diesem Raum um so reizvoller!

Stefan Moser war in der Zwischenzeit an die Stöberl-Orgel gewechselt, an der er Bachs Präludium und Fuge Es-Dur präsentierte – ein Lieblings-Präludium des Autors, wie NMB-Leser wissen, denn es ist eines der lebensfrohesten. Das ließ sich auch diesmal finden, die Fuge bot darüber hinaus neben der bewundernswerten Struktur des Aufbaus ebenso einen frohen Lebensimpuls.

Markus Wolf hatte seinerseits in der Zwischenzeit die Empore erklommen, von wo beide Musiker Bachs Sonate für Violine und Tasteninstrument A-Dur (BWV 1015) spielten. Dunkel, süß, geradezu erdig erklang das Dolce, verspielt in beiden Stimmen das Allegro. Auch im Presto rauschten Violine und Orgel nicht nur im Tempo, sondern behielten ihre feine Artikulation des liedhaften Themas bei.

Links: Deckengewölbe der Asamkirche (Photo: NMB), rechts: Teil der Innengestaltung: Legende des Heiligen Bruno, der in drei Seelenmessen erlebt, wie sich der Leichnam des berühmten Lehrers Cenodoxus aufrichtet und sich in Selbstanklage dem Göttlichen Gericht unterwirft (Cenodoxus hatte sich der Selbstüberschätzung und Eitelkeit schuldig gemacht, beliebte Barocktragödie, Bildquelle: Wikimedia commons)

Eine besondere Freude war danach Wolfgang Amadé Mozarts Adagio – Largo – Adagio (für die Flötenuhr, KV 594). Bedenkt man, daß der junge Mozart in Salzburg Domorganist gewesen ist, muß man feststellen, daß herzlich wenig von seiner Orgelkunst überliefert wurde! Um so wertvoller sind solch kleinen Stücke, die einen getragenen Charakter mit dem Klang von Silberglöckchen im Mittelteil vereinen.

Johann Sebastian Bachs Largo aus der Solosonate Nr. 3 (BWV 1005), bei dem Markus Wolf die verblüffende (Schein)zweistimmigkeit allein vorspielte, war der Übergang, um Stefan Moser Zeit zu geben, wieder ans Cembalo zu wechseln.

Mozarts Sonate G-Dur (auch mit Flöte und Tasteninstrument bekannt) war ein perlender Abschluß, dessen figurative Schönheit und Feinheit sich wunderbar in den Raum der Asamkirche fügte.

23. Juli 2026, Wolfram Quellmalz

Stefan Moser ist in vielen Konzerten solo und mit anderen Musikern zu erleben:

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