Ensemble Fürstenmusik präsentiert im Bergpalais von Schloß Pillnitz musikalische Kostbarkeiten
Am Sächsischen Hof wurde viel Kunst gesammelt – Gemälde, Skulpturen, Porzellan, auch Zeichnungen und Kalligraphien. Selbst das Staumaterial zum Schutz japanischer Teeservice‘ in den Transportkisten wurde sorgfältig ausgewählt: die Katagami-Papierschablonen dienten ursprünglich für das Bedrucken von Kimonostoffen (bei uns in Heft 16). Für den Hof tätige Architekten wie Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune ließen sich von Japanischen Kunstgegenständen und der Architektur anregen und banden sie in ihren Bauwerken ein (unter anderem Japanisches Palais). Schloß Pillnitz prunkt nicht nur selbst mit Chinoiserien und japanischem Dekor, in seinem Park steht eine japanische Kamelie, die 1775 / 76 nach Europa kam, zunächst London, und dann – als eine von vieren und letzte noch lebende – nach Dresden geschenkt wurde. Achtzehnhunderteins ist sie in Pillnitz eingepflanzt worden.
Der umfangreiche Schloßkomplex beherbergt heute drei Museen, darunter das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Fast zufällig ist das Museum zu seiner Musikinstrumentensammlung gekommen, als es nach dem Krieg eine spielbare große Amati-Viola der Sächsischen Staatskapelle überlassen bekam. Das Instrument wird auf die Zeit um 1628 datiert, also jene Jahre, in denen Heinrich Schütz die Hofkapelle leitete (und Instrumente erwerben ließ). Die Viola da braccio hat bis heute einen schönen, vollen Klang, wie man am Sonnabend wieder erleben konnte, als das Ensemble Fürsten-Musik zu Gast war. Es hatte noch eine ganze Reihe weiterer Instrumente dabei.
Anne Schumann spielte neben der Barockvioline die Viola da braccio, Caspar Erler die zweite oder alternierende Violine, Klaus Voigt eine weitere Viola sowie die um den Hals gehängte Viola da spalla, die fast ein Markenzeichen von ihm geworden ist. Sebastian Knebel saß am Gräbner-Cembalo, dem zweiten Instrument des Konzerts aus Museumsbeständen.

Das Ensemble Fürsten-Musik ist in seiner Besetzung in bezug auf Ergänzungen und besondere Stimmen flexibel. Diesmal war Altus Stefan Kunath die ergänzende Variable und bot gleich zu Beginn ein Salve Regina von Johann Anton Reichenauer. Das beeindruckende Stück um den geschmeidigen Alt und die im Duett singenden, sehr verschiedenen Violen stammte übrigens nicht nur aus dem Schranck No. II der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, sondern dort aus dem Kern der Kurfürstinnensammlung von Maria Antonia Walpurgis, deren 300. Geburtstag die Fürsten-Musik vor zwei Jahren gefeiert hat – der Fundus ihrer Sammlung ist längst nicht erschöpft und wird sicher noch weitere Nachblüten erleben.
Es blieb an diesem Nachmittag oft bei kantablen Stimmen, auch wenn es »nur« instrumentale waren. Johann Gottlieb Janitschs Sonata da camera a quattro war so eine Repertoirebereicherung und ein Fundus-Fund, ließ sie doch wie eine »Triosonate plus« vor allem Violine, Viola pomposa und Viola da spalla in Duetten und Terzetten singen. Außerdem fiel der aufgewertete Anteil des Basso continuo mit dem klangschönen Cembalo auf – im Grunde hatte Janitsch bereits den Weg eines Quartetts mit vier gleichwertigen Partnern beschritten. Seine musikalischen Einfälle waren köstlich und weit mehr als nur einem dialogischen Prinzip folgend, denn sie schlossen sozusagen die Anrede an den und die Verabschiedung des Gesprächspartners ein.
Mit Johann Adolph Hasse (»Si vaga giovanetta« aus der Oper »Asteria«) und Johann Gottlieb Graun (Sonata a tre) gehörten zwei der bekanntesten historischen Dresdner Musikerpersönlichkeiten zum Programm. Während Hasses ursprünglich für seine Frau Faustina Bordoni entstandene Arie bei allen Girlanden und vokalen Volten gerade mit Leichtigkeit bezauberte, rief Graun einen opernhaft emotionalen, zunächst melancholischen Eindruck hervor. Aus dem Adagio erhob sich sein Werk aber in die luftigen, fröhlichen Höhen des Allegro assai. Noch tiefer berührte danach Hasses »Sempre a si vaghi rai« (»Meine Seele wird diesen bezaubernden Augen für immer treu sein«) aus der Oper »Orfeo«. Orfeos Arie war praktisch ohne virtuose oder aufgesetzte Effekte, ganz auf vertiefte Gefühle ausgerichtet und später eine angemessene Zugabe!
Zuvor durfte im offiziellen Programmteil aber zunächst Johann Gottlieb Graun mit einer Sonata für zwei Violinen nachlegen. Nach Hasses hingebungsvollem Orfeo begann die Sonate – wiederum mit einem langsamen Satz einleitend – passend mit Seufzermotiven. Über das Allegretto steigerten sich die Violinen, virtuos zwitschernd zunächst, bis ins jubilierende Allegro.
Der vorläufige Abschluß bot eine weitere Entdeckung aus dem Schranck No. II: »Fu troppo audace« von Andrea Bernasconi aus der Oper »Temistocle«. Die dramatische Geschichte um den Feldherrn Temistocle hat unter anderem auch Johann Christian Bach für das Mannheimer Hoftheater vertont. Andrea Bernasconis Fassung ist mehr als dreißig Jahre früher entstanden (1740, Padua), doch der kurze Ausschnitt (»Es war zu viel gewagt«) deutete eine große Dramatik an.
5. JUli 2026, Wolfram Quellmalz
Das Kunstgewerbemuseum Dresden feiert in diesem Jahr sein 150jähriges Jubliäum. Auch wenn die Museumsräume im Schloß Pillnitz wegen Umbaumaßnahmen derzeit geschlossen sind, bleibt das Museum durch die Konzertreihe der Alten Musik im Bergpalais wahrnehmbar. Später im Jahr werden unter anderem die beiden Cembali im Konzert erklingen. Zunächst stehen am kommenden Sonnabend (11. Juli, 17:00 Uhr) aber Harfe und Gambe im Mittelpunkt.
