Emmauskirche jetzt täglich offen

Zweites Orgel-plus-Konzert in Altkaditz

Die Sommerkonzertreihe »Orgel plus« in der Emmauskirche Altkaditz feierte am Freitag mit dem zweiten von drei Konzerten nicht nur ein kleines Bergfest, sondern den Beginn eines neuen Angebots: Seit dem Wochenende setzt die Gemeinde das Konzept »verläßlich geöffnete Kirche« der Evangelischen Kirche in Deutschland um. Und das nicht nur mit einem Mindeststandard der geforderten fünf Tage in der Woche – von Ostern bis Ende September ist die Emmauskirche nun jeden Tagen zwischen 12:00 und 18:00 Uhr geöffnet. Durchaus mutig, denn »verläßlich geöffnete Kirche« bedeutet nicht, das Haus offenstehen zu lassen. Abgesehen davon, daß Vandalismus und Diebstahl vorgebeugt werden muß (in Altkaditz wurde in der Vergangenheit ein Kruzifix entwendet), sollen vor allem Besucher betreut werden, Ansprechpartner bereitstehen. Die engagierte Umsetzung liegt überwiegend in den Händen vieler ehrenamtlicher Helfer. Wünschen wir ihnen, daß sich positive Erfahrungen bald einstellen, schließlich liegt das Haus attraktiv am Elberadweg und ist als historisches Bauwerk ein Blickfang, im Hof laden Bänke unter der alten Linde zum Verweilen ein.

Signet der »verläßlich geöffneten Kirche« an der Fassade der Emmauskirche, Photo: NMB

Diese Vorzüge bzw. Einladung nehmen alljährlich bereits jene Besucher wahr, die zu Konzerten einkehrten. Am Freitag setzten die ausgebildete Cellistin und Musikschullehrerin Franziska Boxberger in der Funktion des »Plus‘« und der Kirchenmusiker Philipp Göbel die Reihe nach dem Auftakt im Juni fort. Auch Philipp Göbel gibt seine Erfahrungen weiter und unterrichtet am Kirchenmusikalischen Seminar der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland inHalle.

Für das Orgel-plus-Konzert hatten sich beide Werke aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen ausgewählt. Gleich zu Beginn gab es den Bologneser Komponisten Domenico Gabrielli zu entdecken. Der Cellist hat zahlreiche Opern und Vokalmusik sowie einige Oratorien geschrieben, unter seinen Instrumentalwerken findet sich aber auch eine Sonata in G, in der Gabrielli den Gesang auf dem Cello eingefangen hat. Die Orgel umfaßte das Violoncello anfangs warm, nach einem aufgeweckten Allegro fanden beide Instrumente im Largo zur vielleicht stärksten Partnerschaft des Abends. Dem Prestissimo mit seinem frohen Charakter hätte man durchaus ein Liedthema im Geiste von »Geh aus mein Herz« unterlegen können – zumindest an diesem Abend und zu diesem Anlaß suggerierte dies das versteckte Motiv.

Die Klangvielfalt- und -fülle der Jehmlich-Orgel trat in der Folge mehrfach beeindruckend hervor. Zunächst mit einem Solowerk, Dieterich Buxtehudes Praeludium g-Moll (BuxWV 149), das überraschend dunkel mit einem mahnenden Motiv im Pedalbaß begann. Mehrfach wird das Motiv gewandelt und gehoben – wie meist bei Buxtehude ist das Praeludium aufwendig und mehrteilig. Philipp Göbel ließ es kunstvoll bis in die imponierende Fuge wachsen und in einem strahlend triumphierenden Akkord ausklingen.

Eine der beliebten Triosonaten Johann Sebastian Bachs (BWV 529) führte die Musik in C-Dur nach Gabrielli / Buxtehude in die nächste Generation. Heiter, aber spieltechnisch anspruchsvoll lebhaft setzten vor allem die Ecksätze die virtuosen Ansprüche hoch, im Largo konnte man hören, auf den Emporen auch beobachten, wie ein Motiv auf der Orgel wandelt, zunächst nur im Pedal erklang, dann aber ans Manual weitergegeben wurde.

Mit Percy Eastman Fletcher gab es nach dem Geistlichen Wort (Pfarrerin Annegret Lattke) einen musikalischen Umschwung. Vor allem die Festival Toccata hatte ein wenig von »virtuoser Jahrmarktsmusik«. Kein Wunder – Fletcher hat vor allem für Militär- und Blaskapellen geschrieben. Zudem war die Orgel in seinem Heimatland England schon früh in Konzertsälen etabliert, wo sie die Funktion von Orchestern übernahm und nicht zuletzt zu Unterhaltungsanlässen spielte. Die zuvor erklungene Fountain rêverie beeindruckte vor allem mit der sinnbildlichen Darstellung sprudelnder Wasserläufe.

Gabriel Fauré gehörte zuletzt ein ganzer Block mit drei Stücken. Den besonders bekannten und wegen der Gesanglichkeit für die Orgel-plus-Kombination geeigneten Sicilienne (Opus 78) und »Après un rêve« (aus den Trois Mélodies Opus 7) folgte als musikalischer Abschluß die Romance Opus 69. Wie immer war der Abend damit aber noch nicht beendet. Vor dem Beginn des geselligen Beisammenseins wurde aber noch das blau-weiße Signet der »verläßlich geöffnete Kirche« an der Außenmauer der Emmauskirche enthüllt.

4. Juli 2026, Wolfram Quellmalz

Letzter Termin Orgel plus in Altkaditz: 21. August, 19:30 Uhr

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