Konzert zum Telemann-Jahr

Nuria Rial in der Dresdner Frauenkirche

La Stagione Frankfurt machten am Sonnabend mit ihrem Leiter Michael Schneider Station in Dresden, Georg Philipp Telemann galt in dessen Gedenkjahr ein Schwerpunkt des Programms. Eine seiner Kantaten und eine Arie Nicola Antonio Porporas galten dabei dem Auftritt der katalanischen Sopranistin Nuria Rial. Gleichzeitig begrüßte die Stiftung Frauenkirche auch zahlreiche Spender und Paten der Frauenkirche.

Georg Philipp Telemann ist ein langes Laben vergönnt gewesen. Seine Kreativität blieb ihm bis ins hohe Alter erhalten, so daß uns – anders als bei Purcell, Mozart oder Schubert beispielsweise – eine Vielzahl von Werken überliefert ist. Gedenkjahre wie das gegenwärtige sind eine Gelegenheit, aus dieser Fülle zu schöpfen. Die Ouvertüren-Suite D-Dur TWV 55:D23 von 1763 ist ein Beispiel dafür, daß der Komponist noch im vorgerückten Alter (er zählte bereits über achtzig Jahre) nichts von seinem Ideenreichtum und der gestalterischen Könnerschaft verloren hatte. La Stagione führten die Eleganz der Suite vor, strichen feine Bläsersoli (Flöten, Fagott) heraus, legten aber auch den Wechsel der Satzfolge sowie die Mehrteiligkeit der Sätze (Ouverture, Menuet) auf anregende Weise offen. Zwei Mal wird die muntere Folge durch eine beruhigende Plainte (ohne Flöten) unterbrochen – eine Wiederholung ohne Langeweile.

Mit einem Ausschnitt aus Nicola Antonio Porporas »Il verbo in carne« (die Wahl eines Weihnachtsoratoriums überraschte etwas, bei Porpora oder Telemann hätte sich auch »zeitgemäßeres« gefunden) betrat Nuria Rial den Altarraum, wobei Michael Schneider die glanzvolle Arie nicht allein, sondern mit der ihr verbundenen Sinfonia sowie der nachfolgenden Pastorale erklingen ließ. Nuria Rial ist mit Werken der Telemann- und Händel-Zeit berühmt geworden, doch beschränkt sich ihr Repertoire keineswegs auf diese Stars, sondern umfaßt vielmehr auch Kompositionen von Joaqcín Rodrigo, Francisco Guerrero oder Emilio de’Cavalieri. So scheint sie auch mit Porpora »auf du« zu sein, brachte seine blühenden Farben mit inniger Leuchtkraft hervor. Fein und nuanciert war ihr Sopran, von großer Klarheit und einer Wandelbarkeit in der Dramatik des Textes.

Im Orchester waren bereits die Farben Naturhörner hinzugekommen, die vor allem in der Pastorale wunderbar schimmerten, gleich im Anschluß traten sie bei Mozart ganz prägnant hervor. Für die Sinfonie A-Dur KV 134 wechselten die Streicher nun auf moderne Bögen, La Stagione klang damit tatsächlich »größer«.

Es waren allesamt Meisterwerke, die das Publikum an diesem Abend zu hören bekam. Auch Georg Philipp Telemanns dramatische Kantate »Ino« zählt dazu. Ihr Stoff aus den »Metamorphosen« Ovids erzählt von der Rettung Inos, die sich und ihren Sohn in einer Situation der Ausweglosigkeit in den Tod stürzt, um sich der Mezzelung durch ihren wahnsinnigen Gatten zu entziehen. Die Kantate erzählt den Stoff relativ zügig (zumindest den dramatischen Teil), so daß sich die gesamte zweite Hälfte bereits auf die Geschichte nach der Rettung Inos, ihre Dankbarkeit und ihre neu erworbenen Unsterblichkeit bezieht.

Nuria Rial blieb eine feinsinnige, wenn hier auch etwas gleichförmige Erzählerin. Besonders ausgestaltet gelang ihr die vorletzte Arie und der Dank (»O! Mein Dank soll nicht ermüden,«) der Ino. Belebt wird das Werk dramatisch durch Telemanns Darstellung des rauschenden Meeres (Streicher) sowie den Tanz der Trionen, welcher Inos Rettung angekündigt.

Mit der Arie »Komm o Schlaf und laß mein Leid« der Agripina aus der Oper »Germanicus« bedankte sich die Sopranistin für den Applaus und brachte noch einmal Telemann zu Gehör. Das Orchester erwies sich einmal mehr als einfühlsamer Partner, dessen Blockflöten im Trio mit dem Gast Sangen,

17. September 2017, Wolfram Quellmalz

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