Junge Meister der Klassik im Dresdner Piano Salon

Auftakt zur neuen Saison mit Eugene Mursky

Im ersten Konzert der Reihe »Junge Meister der Klassik« standen drei Komponisten im Mittelpunkt: Frédéric Chopin, Claude Debussy und Sergej Rachmaninow.

Der in Taschkent geborene Eugene Mursky begann nicht mit einer federleichten Einleitung, etwa einer Étude oder einem Nocturne, sondern setzte gleich die Phantasie f-Moll Opus 49 an den Anfang. Erzählerisch, rhapsodisch führt Chopin hier einen weiten Bogen, Eugene Mursky folgte ihm spannungsreich. Ob in abgesetzten Wiederholungen oder dem ruhigen Mittelteil – Zurücknahme und geschickt gewählte Rubati nahmen hier von Beginn gefangen, das Andante schien wie ein Lied ohne Worte. Von hier kehrte Eugene Mursky um so mitreißender zum Thema, um das sich die Phantasie rankt, zurück.

Das liedhafte, erzählerische, wohnte auch fünf Mazurken des Polen inne. Der Pianist formulierte aus Rhythmik und volkstümlicher Gesanglichkeit eine slawische Idiomatik, die zwingend schien. Von nicht weniger erzählerischer Kraft war das Scherzo b-Moll, mit dem der erste Programmteil abschloß. Ganz klar: Chopin hat weit mehr als ein paar geniale Einfälle für den Salon gehabt. Sensibel und emotional lotete Eugene Mursky die Spannweite der Werke aus.

Mit sechs Préludes aus dem Livre II. Claude Debussys wandelte sich der Pianist vom Erzähler zum Zeichner. Musikalischen Motive (u. a. »Feuilles mortes« und »Les Fées sont d’exquises danseuses«) waren hier die Grundlage, aus denen er Schattenbilder schuf, voll farbiger Szenen, aber auch voller Reflexe. Imagination ist ein wesentliches Kennzeichen der »Impressionisten«, seien es nun Maler oder Komponisten gewesen. Gleichzeitig band Eugene Mursky die sechs Werke zu einem stimmigen Zyklus bzw. Bilderreigen.

Viel bildgewaltiger und ausufernder ist die Sprache Sergej Rachmaninows gewesen. Seine zweite Klaviersonate Opus 36 stand am Ende des Programms. Auch sie verläuft in Episoden, die Eugene Mursky plaudernd, perlend und elegant erzählte, vor allem, wenn er plötzlich loszulassen schien. Doch zwischen diesen Tupfern gebärdet sich Rachmaninow überschäumend, berstend, stürmisch – oder laut, wie Eugene Mursky selbst meinte. Etwas lauteres als Rachmaninow könne man kaum spielen, sagte er abschließend mit einem Augenzwinkern, und bot dem Publikum deshalb etwas wunderschönes als Zugabe: Noch einmal Claude Debussy, »Claire de lune«.

16. September 2017, Wolfram Quellmalz

Tips:

Weitere Konzerte der Reihe finden Sie hier: http://www.jungemeisterderklassik.de

Am Montag bringt NDR Kultur in der Sendung »Musica« eine Aufnahme von Sergej Rachmaninows zweiter Klaviersonate mit Eugene Mursky.

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