Weihnachtsoratorium in Großerkmannsdorf
Den Satz in der Titelzeile hörte man am Donnerstagabend nach der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (Kantaten I bis III aus BWV 248) in der Kirche Großerkmannsdorf gleich mehrfach – und viele dachten wohl so, ohne es laut auszusprechen. Ringsum herrschte – wenn auch ohne geschlossene Schneedecke – winterliche Witterung, von Lichtern umgeben empfing das Gotteshaus von Großerkmannsdorf auf dem Kirchberg die Besucher. Schon das Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Gebäude kann mit seinen zahlreichen Malereien und Verzierungen den Besucher verzücken – die Jehmlich-Orgel, mittlerweile 110 Jahre alt – vermag dies derzeit (noch) nicht (wieder). Das Instrument ist ausgebaut und harrt der Restaurierung, wofür noch Spenden gesucht werden.
Das musikalische Rückgrat im Weihnachtsoratorium stellten die Dresdner Kapellsolisten, die sich im Altarraum gemeinsam mit dem Vocal Concert Dresden drängten. Sie forcierten hier und da beachtlich, wohl nicht zuletzt, um dem musikalischen Festglanz noch die Farbe hinzuzufügen, denn – das überraschte den Erstbesucher – die Kirche verfügt über eine unerwartet trockene Akustik! Vom kirchentypischen Nachhall war praktisch nichts zu spüren, was beim Hören zunächst eine Umstellung bedeutete. Für Chor und Orchester sicher auch, doch gelang es ihnen mit vereinten Kräften, einen »blassen« Eindruck zu vermeiden, schon deshalb, weil sie die Freude am Spiel und am Stück zu vermitteln wußten.

Unter den Solisten, Carolina Ullrich (Sopran), Annekathrin Laabs (Alt), Christian Pohlers (Tenor) sowie Andreas Scheibner (Baß) stachen besonders die jeweils tieferen Stimmen heraus, wobei Annekathrin Laabs die größere Emotionalität ihrer Rolle(n) souverän ausspielte, während Andreas Scheibner sicher und sozusagen als leuchtendes Beispiel stimmlicher Strahlkraft voranging. Carolina Ullrich konnte zwar in puncto Farbe und Emotionalität durchaus Eindruck hinterlassen, doch schien ihr Vibrato (vor allem für die Engelsstimme) teils weit übertrieben. Christian Pohlers zeigte ebenfalls deutlich »Einsatz«, indes ging ihm die mühelose Selbstverständlichkeit eines Evangelisten ab.

Peter Kopp leitete mit großer Übersicht, was es ihm erlaubte, mit den bewährten Partnern jene Spontanität freizusetzen, welche ein Oratorium (wie jedes andere Werk mit Singstimmen) so lebendig werden läßt. Chor, Instrumentalisten und Solisten blieben stets im Gefüge des Flusses miteinander verbunden, so daß die großen Höhepunkte (Anfangs- und Schlußchöre, Pastorale) weithin leuchten durften. Für das kleine, beinahe heimelige Leuchten, sorgten die Solisten, »Tochter Zion« von Annekathrin Laabs oder »Großer Herr, o starker König von Andreas Scheibner. Dann fügten die Instrumentalsolisten ihrerseits eine Singstimme (Violine von Konzertmeisterin Susanne Branny oder Flöte von Sabine Kittel!) oder einen musikalischen Part bei, wie die Trompeten um Helmut Fuchs in »Großer Herr«.
Daß es kein Programmheft mit dem gesungenen Text gab, war verschmerzbar und insofern kein Problem, da der Text jederzeit verständlich blieb.
23. Dezember 2023, Wolfram Quellmalz
Das Weihnachtsoratorium erzählt von einem glücklichen Beginnen, was der Jubelchor »Herrscher des Himmels«, mit dem die dritte Kantate beginnt und schließt, extra betont. Also – möge das Weihnachtsfest beginnen!
https://www.dresdner-kapellsolisten.de/willkommen/
Für die Sanierung der Jehmlich-Orgel in der Großerkmannsdorfer Kirche kann über eine eigene Seite gespendet werden. Zumindest dem Bild nach ist die Wegstrecke, die es noch zu bewältigen gibt, beachtlich – Unterstützer werden also gesucht!
https://www.kd-onlinespende.de/projekt-details.html?id=1770#projektstand