Nachgeholt: Zweiter Besuch der Capella Cracoviensis in Dresden

Kammermusik traf Gesangsensemble in der Dreikönigskirche

Im September hatte uns die Capell Cracoviensis mit Rossinis »Aureliano in Palmira«, kurz darauf mußte das zweite Konzert mit Giacomo Carissimis Oratorium »Jephte« entfallen, weil die Hochwassersituation in Polen die Anreise des Ensembles verhinderte. Am vergangenen Sonntag war der Nachholtermin in der Dreikönigskirche Dresden, nur leider gab es im letzten Moment eine Programmänderung wegen gleich mehrerer Krankheitsausfälle.

So gestaltete Leiter Jan Tomasz Adamus das Programm pragmatisch um, fand mit »Manierismus und Expressionismus« ein neues Thema und verband darin Vokal- und Instrumentalmusik. Vor allem letztere überzeigte in ihrer Dichte und Vielschichtigkeit. Sowohl Richard Strauss‘ »Metamorphosen« als auch (noch spannender!) Karol Szymanowskis zweites Streichquartett überzeugten durch die exzellenten Streicher) und die ausgewogenen, spannend aufeinander bezogenen Stimmen. Die warme Harmonik Strauss‘ gewann noch durch gezielte Schwerpunktverschiebungen mit großen Anteilen beim Violoncello. Szymanowski klang im Vergleich »abseitiger«, fragiler, gedämpfter. Mit Flageoletts und con sordino gespielten Passagen schien es das vielleicht noch raffiniertere Werk.

Konzert am Sonntag in der Dreikönigskirche, Photo: NMB

Mit Sängersolisten um Michalina Bienkiewicz (Sopran), Ewa Zeuner (Alt), Piotr Szewczyk (Tenor) und Sebastian Szumski (Baß) umrahmten Vokalwerke diese beiden großen Quartette. Mit »Vox in Rama« von Mikołaj Zieleński und Bartłomiej Pękiels »Dulcis amor Jesu« gab es sogar zwei Entdeckungen, während Claudio Monteverdis »Christe, adoramus te« zum gängigen Repertoire gehört. Insgesamt merkte man dem Ensemble hier aber noch eine Unsicherheit bzw. die Kurzfristigkeit der Umprogrammierung an. Auch erwies sich die Idee, von der Empore zu singen – sonst in vielen Kirchen ein Gewinn – an diesem Ort als akustisch unglücklich. Das Quartett klang ein wenig verzagt, dabei hatten sie den Basso continuo – eine klanglich schöne Idee – nur mit einer Laute / Theorbe besetzt.

Nicht ganz frei von Unsicherheit war auch Nicolaus Bruhns‘ Kantate »Die Zeit meines Abschieds ist vorhanden«. Allerdings war dies eine der seltenen Gelegenheiten, Musik des legendären Komponisten zu hören. Das meiste, was er schrieb, ging wohl verloren, meist seine überlieferten Orgelwerke (gerade einmal vier!) gespielt, von den zwölf erhaltenen Kantaten hört man nur seltenst eine. Insofern und vor allem in bezug auf »Jephta« sei also ein unbeeinträchtigter Besuch der Capella Cracoviensis wie bei Rossini gewünscht!

9. Dezember 2024, Wolfram Quellmalz

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